Über den Reichtum der Kräuter

Gabriele Pauly in der "Kräuterey", ihrer Kräuter-Gärtnerei in Hilchenbach-Lützel.
Gabriele Pauly in der "Kräuterey", ihrer Kräuter-Gärtnerei in Hilchenbach-Lützel.
Foto: Florian Bickemeyer

Hilchenbach-Lützel. Als der Mensch sich noch mit Kräutern auskannte, ernährte er sich anders als heute. Er war angewiesen auf das, was die Natur hergab, ganz nach Jahreszeit. Was er ernten konnte, das aß er.

„Früher“, sagt Gabriele Pauly, „sind die Leute über die Wiesen gelaufen und haben sich ihre Mahlzeiten gesucht.“ Der Mensch hat dann auch Kräuter gefunden, meist grüne Pflanzen, die nicht verholzen – und: als Heilmittel wirken, als Gewürz dienen oder einfach angenehm duften. Kräuter haben eine Funktion, die in ihre jeweilige Jahreszeit passt.

Gabriele Pauly führt in Lützel eine Kräuter-Gärtnerei. Rund 500 verschiedene Kräuter kultiviert sie dort nach „Bioland“-Richtlinien. Jetzt im Frühjahr, erklärt sie, wirken „alle Kräuter gegen Wintermüdigkeit, weil sie viele Vitamine und Mineralstoffe haben.“

Mit der Westfälischen Rundschau hat sie für die Serie „Essen ist Leben“ eine Übersicht erstellt, über jene Kräuter, die seit einigen Wochen sprießen. „Die im Frühling wachsenden Kräuter sind besonders wohltuend“, sagt Pauly. „Alle haben auch eine spezifische Heilwirkung, wenn man sie in erhöhter Konzentration nimmt.“

Früher wurde die Gundelrebe ihrer Bitterstoffe wegen zur Konservierung von Bier eingesetzt. Sie soll harzig und lakritzig schmecken. Pauly nennt das Aroma „angenehm herb“. Die Gundelrebe ist eines der Kräuter in der Gründonnerstagssuppe, die den Körper entschlacken und ihm im Frühjahr neue Kräfte verleihen soll. Das Kraut ist für viele Säugetiere giftig, etwa für Pferde. Für den Menschen aber sind keine unliebsamen Wirkungen bekannt.

Botanisch trägt die Schafgarbe den Namen Achillea. Es heißt, Achilles, Held der griechischen Mythologie, habe damit seine Wunden versorgt. Tatsächlich helfe das weiß blühende Kraut bei der Wundbehandlung, erklärt Pauly. „Die Schafgarbe schmeckt nicht besonders, aber man kann sie als Mischung mit anderen Kräutern in den Salat nehmen.“

Das Kraut trägt seinen Namen nicht von ungefähr: „Es ist eine typische Frauenpflanze, gegen Frauen-Beschwerden aller Art“ sagt Pauly. Der Frauenmantel dient zur Geburtsvorbereitung, wirkt gegen Menstruations-Beschwerden oder in den Wechseljahren, und auch gegen Kopf- oder Bauchschmerzen.

Wegeriche „schmecken ziemlich neutral“, erklärt Pauly, „ähnlich wie Salat. Und der Spitzwegerich ist natürlich ein berühmtes Mittel gegen Husten.“ Wegeriche sollen auch Epileptikern und Asthmatikern helfen. In Shakespeares „Romeo und Julia“ wurden Wegerich-Blätter zur Linderung auf Entzündungen gelegt.

„Essen kann man die Blätter und die Samen“, erklärt die Gärtnerin: Im Salat oder gedünstet und gebraten und wie Spinat zubereitet. Je kürzer die Garzeit, desto mehr Inhaltsstoffe bleiben erhalten. „Und Brennnesseltee ist die optimale Frühjahrskur.“ Die Pflanze ist sehr vitamin- und mineralstoffreich: Magnesium, Kalzium, Eisen, Silizium, Vitamin A und C – davon etwa sieben Mal mehr als eine Orange.

Ähnlich wie Petersilie soll Kerbel schmecken, leicht pfeffrig, erklärt Pauly. „Aber buttriger.“ Gerade im Frühjahr sei „ein Kerbelsüppchen etwas ganz feines, sehr, sehr geschmackvoll.“ Neben Carotin und Vitamin C soll Kerbel viel Eisen und Magnesium enthalten

Den Bärlauch gibt es nur im Frühjahr. „Das ist ein unglaublich gesundes Kraut“, sagt die Kräutergärtnerin. Er soll cholesterinsenkend und vorbeugend gegen Herzinfarkte und Schlaganfälle wirken oder gegen Magen-Darm-Probleme. Pauly empfiehlt Bärlauch-Quark oder -Suppe.

Die Gärtnerin aus Lützel empfiehlt, die genannten Kräuter als Mischung zum Salat zu geben.