U3-Betreuung nähert sich 50-Prozent-Marke

Dentalhygiene ist
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Foto: dpa
Die Stadt Siegen kann im Kindergartenjahr 2015/16 den Rechtsanspruch auf Betreuung erfüllen. Mit steigener Nachfrage gibt es aber ein Problem: Wohin mit all den Einrichtungen?

Siegen..  Die Stadt Siegen kann im Kindergartenjahr 2015/16 den Rechtsanspruch auf Betreuung erfüllen. Das geht aus dem Tagesstättenbedarfsplan hervor, den die Verwaltung am Donnerstag vorstellte. Beginnend mit dem Jugendhilfeausschuss geht das Papier am Dienstag, 20. Juni, in die politischen Gremien.

Für die unter Dreijährigen stehen ab August insgesamt 975 Plätze zur Verfügung: 765 in Tageseinrichtungen und 210 in der Tagespflege. Das entspricht einer Quote von 45,56 Prozent innerhalb der Altersgruppe von vier Monaten bis drei Jahren. „Wir wollen das weiter vorantreiben“, sagt die zuständige Beigeordnete Babette Bammann. „Dazu müssen wir ordentlich Geld in die Hand nehmen. Es ist gut, dass die Politik das mitträgt.“

Für etwa 14 Prozent der Ein- bis Zweijährigen und knapp 70 Prozent der Zwei- bis Dreijährigen Kinder nehmen Eltern Betreuung in Anspruch. „Ein Indikator für ein passgenaues Angebot ist, dass keine Klagen auf einen Betreuungsplatz im Rahmen des geltenden Rechtsanspruchs eingereicht wurden“, heißt es nüchtern im Tagesstättenbedarfsplan. Hintergrund: Die Nachfrage nach Plätzen variiert laut Verwaltung deutlich innerhalb der Altersgruppen.

Einstiegsalter sinkt

Generell sei das Alter, in dem Kinder in eine Kita gehen, seit Einführung des Kindesbildungsgesetzes (Kibiz) im Jahr 2008 gesunken. „Es wird immer normaler, dass Kinder mit zwei Jahren in eine Einrichtung gehen“, sagt Dr. Raimund Jung, Leiter der städtischen Abteilung Jugend- und Familienförderung. Bei den jüngeren Jungen und Mädchen sei die Nachfrage allerdings – noch – geringer.

Angestrebt ist im U3-Bereich eine Versorgungsquote von 50 Prozent. „Aber in ein paar Jahren sprechen wir auch davon nicht mehr“, vermutet Jung. Eltern würden ihren Nachwuchs tendenziell früher in einer Einrichtung anmelden, damit sie an ihrem Wunschstandort sicher einen Platz bekommen. Wer den Sohn oder die Tochter erst in fortgeschrittenem Alter unterbringen möchte, könnte das Problem haben, dass in der favorisierten Kita die Kapazitäten auch deshalb schon ausgeschöpft sind, weil die dort herangewachsenen Ü3-Kinder mittlerweile ins U3-Segment gewechselt sind.

Ein anderes Phänomen, dass laut Jung den frühen Eintritt in die Kita attraktiv macht: Je mehr Kinder dort betreut werden, umso weniger Spielkameraden finden die Jungen und Mädchen, die zu Hause bleiben, in ihrem Umfeld. „Wir müssen neue Plätze für Ü3 schaffen“, betont Jung. Ein Problem sei es allerdings, geeignete Standorte zu finden. Die Nachfrage nach Einrichtungen sei gerade entlang der städtischen Hauptachsen groß – die räumlichen Möglichkeiten dort aber naturgemäß begrenzt.

Die Herausforderung bleibt

Im vergangenen Jahr seien unter anderem zwei größere Einrichtungen am Giersberg entstanden, zudem am Johann-Friedrich-Bender-Weg und in der Augärtenstraße in Kaan-Marienborn. Insgesamt spricht die Verwaltung seit dem Jahr 2008 von 59 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von mehr als zwölf Millionen Euro, an denen der städtische Anteil rund 3,1 Millionen Euro beträgt. Für die nähere Zukunft sind weitere Projekte geplant, für die auch 651 000 Euro aus dem Bundesprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung 2015 - 2018“ bereit stehen.

Die Aufgaben im Feld zwischen Rechtsansprüchen, Standort- und Finanzierungsfragen zu meistern, sei eine Herausforderung, sagt Jung. „Aber Herausforderung macht ja auch Spaß.“

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