Tod von Paralympics-Sieger – Bewährung für Unfallfahrer

Landgericht Siegen
Landgericht Siegen
Der Mann (23), der Olympiasieger Markus Pilz (52) aus Meiswinkel bei einem Verkehrsunfall fahrlässig getötet hat, ist zu einer Haftstrafe von drei Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Siegen.. Bei dem Unfall in Eichen war auch und Trainingspartner Frank G. (51) schwer verletzt worden. Die Fahrerlaubnis des 23-Jährigen wird für sechs Monate entzogen. Erst nach Ablauf dieser Frist kann er die Neuerteilung beantragen. Außerdem muss er 2000 Euro Geldbuße an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Er habe „grob fahrlässig“ gehandelt, sagte Amtsrichterin Nena Roeske.

Entschuldigung unter Tränen

Der Unfall vom 3. Oktober 2014 schockierte auch die Siegerländer Sportwelt. Markus Pilz nahm an den Paralympischen Spielen in Barcelona und Atlanta teil, gewann mit dem Handbike Gold-, Silber- und Bronzemedaillen.

Der 23-Jährige F. entschuldigt sich gestern bei den Hinterbliebenen. Tränen fließen, die Stimme versagt. Den Unfall schildert er detailliert. Er habe von der Straße auf den Parkplatz Eichener Hamer abbiegen wollen, um jemanden anzurufen. Dass er zu diesem Zeitpunkt bereits telefoniert, streitet F. ab. Daten aus seinem Handy liefern Indizien dafür, aber keinen Beweis.

Das Unglück geschieht um 13.50 Uhr. F. übersieht die Handbikes, die ihm in Richtung Eichen entgegenkommen. Er habe vor dem Abbiegen zwei Mal in den Rückspiegel geschaut und sich per Schulterblick versichert, dass niemand von hinten kommt, sagt er. Diese Stelle nutzten Motorradfahrer oft zum Überholen. Beim Abbiegen hört F. einen Knall. Es ist Markus Pilz, der von der Stoßstange seines Wagens am Kopf getroffen wird. Der 52-Jährige stirbt vor Ort. Trainingspartner Frank G. wird verletzt: Knochenbrüche am linken Fuß.

Bremsspuren gibt es keine. Der Unfallgutachter stellt fest,der Autofahrer hätte die Handbikes sehen können. Die Unglücksstelle biete eine gute Übersicht beim Abbiegen über die Gegenspur. Sein Schluss: „Der Unfall war vermeidbar.“

Das Geschehene habe ihn mitgenommen, sagt der Angeklagte. Er sei wegen einer postraumatischen Belastungsstörung in Behandlung. Derzeit plagten ihn Existenzängste, sagt sein Verteidiger. Denn F. ist Berufskraftfahrer.

Vor dem Verlust seines Führerscheins bewahrt ihn das nicht. Noch im Gerichtssaal muss der 23-Jährige das Papier abgeben. „Es gibt nichts, was den Angeklagten entlastet“, sagt Amtsanwältin Bärbel Knebel.

Amtsanwältin: Geldstrafe kommt nicht in Betracht

Die Sicht sei gut, die Bikefahrer nicht zu schnell gewesen. Das Fahrverhalten bezeichnete sie als „grob verkehrswidrig und rücksichtslos“-- „an der Grenze zum bedingten Vorsatz.“ Daher komme keine Geldstrafe in Betracht. Sie beantragt eine dreimonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt, dazu den Entzug der Fahrerlaubnis für sechs Monate und 2000 Euro Geldbuße. Rechtsanwalt Björn Lange schließt sich als Vertreter der Nebenklage an. F.’s Verteidiger Dr. Christian Kotz fordert eine Geldbuße und ein dreimonatiges Fahrverbot.

Amtsrichterin Nena Roeske folgt der Forderung der Amtsanwältin. „Das war keine leichte Fahrlässigkeit, sondern eine grobe“, sagt sie. Das Telefonieren mit dem Handy während der Fahrt sei nicht nachzuweisen. „Da gilt der Grundsatz , Im Zweifel für den Angeklagten’.“ Weshalb F. die Handbikefahrer komplett übersehen habe, könne nicht geklärt werden. „Wir wissen nicht, was Sie bei dem Abbiegevorgang gemacht haben.“

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