Tagesmutter kritisiert Stadt Siegen

Tagesmutter Antje Kraft aus Siegen fühlt sich benachteiligt.
Tagesmutter Antje Kraft aus Siegen fühlt sich benachteiligt.
Foto: picture alliance / dpa
Antje Kraft ist Tagesmutter in Siegen. Sie fühlt sich unfair behandelt, denn sie soll Kolleginnen, die sie im Krankheitsfall vertreten, selbst bezahlen.

Siegen. Antje Kraft ist Tagesmutter. Und sie ist sauer. Wenn sie im Urlaub ist oder erkrankt, muss sie ihre Vertretung selbst zahlen, sagt sie. Die Richtlinie der Universitätsstadt Siegen zur Förderung von Kindern in Kindertagespflege – wie es ein wenig sperrig heißt – schreibt das freiberuflichen Tagesmüttern vor.

Die Alternative: Sie schließt ihre Tagspflegestelle. Antje Kraft betreut in der Numbach bis zu fünf Kinder, die jünger als drei Jahre sind. Vier aus dem Stadtgebiet, sie fallen in den Zuständigkeitsbereich des städtischen Jugendamts. Ein Kind stammt aus einer anderen Kommune, dafür ist der Kreis verantwortlich.

„Wir zahlen nicht doppelt“

Der wiederum gesteht Fortzahlung im Urlaubs- oder Krankheitsfall zu, zahlt die Vertretung. Antje Kraft sieht die städtischen Tagesmütter gegenüber denen aus dem Kreis benachteiligt.

Susanne Wüst-Dahlhausen, zuständige Mitarbeiterin im Familienbüro der Stadt, sagt, man habe sich bewusst für dieses Modell entschieden. „Grundsätzlich zahlen wir zwölf Monate im Jahr durch.“ Spricht sich eine Tagesmutter mit den Eltern in Sachen Urlaubsplanung ab, gibt es auch weiter Geld, sagt sie. „Wir zahlen aber nicht doppelt.“ Also nicht die reguläre Tagesmutter und eine Vertretung.

Im Krankheitsfall bedeutet das allerdings, dass es tatsächlich kein Geld gibt – wenn eine Ersatzkraft angeheuert werden muss. Das sei „unternehmerisches Risiko“ einer Freiberuflerin.

Sachausgaben bleiben

Auch im Unterausschuss des Jugendhilfeausschusses blieben Verwaltungsvertreter bei ihrer ablehnenden Haltung. Antje Kraft hatte sich an das Gremium gewandt und um eine Anpassung der Richtlinien von Stadt und Kreis gebeten.

Für Kinder sei es ohnehin „pädagogisch sinnvoll“, wenn sich Eltern und Tagesmütter absprechen, heißt es weiter von Seiten der Stadtverwaltung. Die Kleinsten gibt man nicht so einfach in die Obhut fremder Menschen, sagt die städtische Mitarbeiterin und stimmt darin mit Antje Kraft überein. Zudem könnten Kinder, die jünger als drei Jahre sind, nicht in einer Umgebung betreut werden, die ihnen nicht vertraut sei.

Allerdings ziehen beide Frauen daraus unterschiedliche Schlüsse. Schlüsse, die Antje Kraft Geld kosten, wie sie betont. Sie beschäftigt wöchentlich eine Vertretungskraft, für die neun Euro die Stunde anfallen, sagt sie.

Die Kinder sollen sich an Tagesmutter Nummer zwei gewöhnen, sie nicht als Fremde wahrnehmen. „Durchgehende Betreuung ist ein Elternwunsch“, betont sie und sieht sie auf diese Weise gewährleistet. Im Urlaubsfall seien ebenfalls „mindestens neun Euro pro Stunde, alternativ Erziehungsaufwand aus der Vergütungstabelle pro Stunde pro Kind“ zu zahlen. Besonders unangenehm: Die Sachausgaben fallen weiter an. Antje Kraft hat im Erdgeschoss des Hauses in der Numbach ihre Tagespflegestelle eingerichtet.

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