Szeneviertel unter den Bahnbögen

Die Stadt Siegen überlegt mit Studierenden des Fachbereichs Architektur der Uni Siegen, welche neue Nutzung für Siegener Bahnbögen möglich wäre. Foto: Raimund Hellwig
Die Stadt Siegen überlegt mit Studierenden des Fachbereichs Architektur der Uni Siegen, welche neue Nutzung für Siegener Bahnbögen möglich wäre. Foto: Raimund Hellwig
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Siegen.. Der Beispiele gibt es viele. In Portugal werden Bahnbögen aufgefrischt und zu stilvollen Läden oder Lokalen umgebaut, in Zürich ebenso wie in Berlin. Und in Siegen: Ein Vorreiter ist die Gaststätte Meyers am Bahnhof, die seit Jahren unter der Hufeisenbrücke ihr Lokal betreibt.

Eine lange Reihe von 21 Räumen unter einem Bahndamm, gelegen an der Gießereistraße parallel zur Hagener Straße, könnte sich ebenso entwickeln – wenn es denn die Betreiber, Konzepte und Ideen gäbe. Erste Ideen und Konzepte sind jetzt vorhanden. Architekturstudierende aus dem Masterstudiengang „Planen und Bauen im Bestand“ haben sich mit Prof. Peter Karle dieser Aufgabenstellung angenommen und kleinere Entwürfe abgeliefert.

Stadtbaurat Michael Stojan und Vertreter der Stadtpolitik ließen sich jetzt in eben jener Brückenbogengaststätte die Entwürfe präsentieren. Dabei hatten die Studierenden zunächst die Probleme vor Augen. Die Bahndamm-Keller sind nass, die Züge sorgen für ständigen Lärm, die Gegend ist abgelegen und dunkel, die Bahnbögen sind derzeit oft teilvermauert, dienen als Lagerräume, Erwachsenenkino oder Reparaturwerkstatt. Immerhin: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Gebiet gut erreichbar. Keine Gegend jedoch, in der man unbedingt wohnen und arbeiten möchte. Das könnte sich aber ändern, finden die Studenten und Stadtrat Stojan, der sich die Entwurfsideen aufmerksam anhörte.

Holzskelette leiten Feuchtigkeit ab

Viel Glas, viel Licht, stellen sie sich vor, könnte die Bögen prägen. Bars, Restaurants gehören zum Angebot, Künstlerateliers bis hin zum Hamam-Vorschlag (arabisches Dampfbad) einer irakischen Studentin. Hinzu kommen in vielen Entwürfen Grünelemente und Kaffeetische vor den Türen. Über die Feuchteprobleme haben sich die Studenten Tricks ausgedacht: In einigen Entwürfen wird ein verkleidetes Holzskelett in den Bogen hineingeschoben, das die Nässe ableitet. Zugleich könne das Skelett problemlos herausgefahren werden, wenn die Bahn die Bögen inspizieren oder sanieren will.

Machbar ist vieles von dem, was die Studierenden an Ideen präsentiert haben, findet Stojan. Und warum sollte Siegen auf eine solche Chance verzichten? Bis zur Umsetzung müssten jedoch noch einige Kostenfragen beantwortet werden . Was bleibt, ist eine Erkenntnis: Offensichtlich fehlt den Studierenden ein solch etwas schräges, buntes Kreativviertel in Siegen.

 
 

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