Streit um Radfahrer in der Siegener Fußgängerzone

Tim Schulze
Seit rund drei Jahren dürfen Radfahrer die Bahnhofstraße in Siegen nutzen. Aktuell findet allerdings wegen mehrerer Baustellen kaum Radverkehr auf dem 150 Meter langen Straßenstück statt.
Seit rund drei Jahren dürfen Radfahrer die Bahnhofstraße in Siegen nutzen. Aktuell findet allerdings wegen mehrerer Baustellen kaum Radverkehr auf dem 150 Meter langen Straßenstück statt.
Foto: WP
Der Seniorenbeirat fordert eine Sperrung der Bahnhofstraße für Radfahrer. Doch die Stadt sieht keinen Grund, etwas an der Regelung zu ändern.

Siegen.  Der Seniorenbeirat klagt über Behinderungen, Belästigungen und Gefährdungen durch Radfahrer an der Bahnhofstraße und fordert eine Sperrung des 150 Meter langen Straßenstücks für den Radverkehr. „Die Radfahrer rasen dort, und wer sie zur Vorsicht ermahnt, bekommt auch noch dumme Sprüche zu hören“, beschwert sich Ernst Göckus, Sprecher des Seniorenbeirats. An das Tempolimit von sechs Stundenkilometern, das in Fußgängerzonen gilt, die für Radfahrer freigegeben sind, hielte sich ein Teil der Fahrradfahrer nicht. Vielmehr betrachteten Radfahrer das Straßenstück als „Hindernisparcours für Geschicklichkeitstraining“, so der Seniorenbeirat.

Einjährige Testphase

Die Stadt hat im Rahmen eines neuen Radverkehrskonzepts vor etwa drei Jahren beschlossen, dass die Bahnhofstraße in einer Versuchsphase von Radfahrern genutzt werden darf. Nach einer einjährigen Testphase stand für die Verwaltung fest, dass sich „das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern in der Bahnhofstraße bewährt“ habe, wie es damals hieß.

Daran habe sich in den vergangenen zwei Jahren nichts geändert, sagt Felix Hammerschmidt, Fahrradbeauftragter der Stadt. Ihm sei kein „gravierendes Fehlverhalten“ von Radfahrern aufgefallen, wobei er nicht ausschließen will, dass es das „im Einzelfall“ gegeben haben könnte. Hammerschmidt: „Ich befürworte weiterhin die Freigabe der Bahnhofstraße für den Radverkehr. Wenn dort gerast und geklingelt wird und es zu Unfällen kommt, ist die Straße schnell wieder gesperrt.“ Solche Ereignisse seien aber weder der Stadt noch der Polizei bekannt geworden.

Tempolimit eingehalten

Der ADFC Siegen-Wittgenstein lehnt eine Sperrung der Bahnhofstraße für Radfahrer ab. „Ich habe aus der Fußgängersicht nicht wahrgenommen, dass sich ein Radfahrer rücksichtlos verhalten hat“, sagt der ADFC-Vorsitzende Karsten Riedl auf Nachfrage. Riedls Beobachtungen zufolge halten sich die meisten Radfahrer an die Geschwindigkeitsbegrenzung in der Fußgängerzone. Zudem stelle sich die Frage derzeit gar nicht, da wegen der Baustellen ohnehin kaum ein Radfahrer die Bahnhofstraße nutze.

Ein Problem sieht der ADFC eher bei abgestellten Fahrrädern. „Es gibt zu wenige Fahrradständer in der Innenstadt“, findet Karsten Riedl. Die wenigen, die es etwa an der City-Galerie gibt, seien stets belegt. Man müsse verhindern, dass an Laternenpfählen angeschlossene Fahrräder zu Hindernissen für Fußgänger werden.

Die Fahrradständer, die im Zuge der Baumaßnahme „Siegen – Zu neuen Ufern“ zusätzlich aufgestellt werden sollen, seien von der Qualität her nicht ausreichend, so Riedl. „Das sind einfachste Bügel, die für Damenräder ungeeignet sind. Wenn man nicht will, dass Fahrräder kreuz und quer stehen oder umfallen, müsste man mehr Geld in die Hand nehmen. Ein guter Fahrradständer ist nur unwesentlich teurer als diese Bügel.“

Vernünftiges Miteinander

Grünen-Ratsmitglied Joachim Boller verteidigt den Beschluss des Rats zur Freigabe der Bahnhofstraße für den Radverkehr. „Ich habe das Gefühl, dass es dort ein vernünftiges Miteinander gibt, die Geschwindigkeitsbegrenzung wird eingehalten“, sagt Boller, „aus meiner Sicht gibt es keinen Grund, etwas zu ändern.“ Boller erklärt, der Rat habe schon vor Jahren Kenntnis von den Bedenken des Seniorenbeirats gehabt, den Beschluss aber dennoch ganz bewusst gefasst. „Ich finde, man müsste noch weitergehen im Radverkehrskonzept und die Fußgängerzone im Bereich des unteren Teils der Kölner Straße ebenfalls für Radfahrer freigegeben.“

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