Straßenschild für Unbelehrbaren

Steffen Schwab
Die Lothar-Irle-Straße in Kaan-Marienborn
Die Lothar-Irle-Straße in Kaan-Marienborn
Foto: Jens Plaum

Siegen.  „Heimat- und Familienforscher“ steht erklärend auf der Zusatztafel zum Straßenschild der Lothar-Irle-Straße in Kaan-Marienborn. „Bekanntester Siegerländer Antisemit“ wäre die zutreffendere Beschreibung, findet Klaus Dietermann, Leiter des Aktiven Museums Südwestfalen.

Die Idee sei nicht neu, erwidert Prof. Dr. Rainer Elkar: Er habe das vor Jahrzehnten schon einmal mit Mitstreitern in einer nächtlichen Aktion gemacht. „Es dauerte einige Monate, bis man das gemerkt hatte“, erzählt der Historiker, der bis zu seiner Emeritierung an der Hochschule der Bundeswehr in München gelehrt hat und zuvor an der Siegener Uni lehrte und forschte. Geahndet worden sei der Vorgang, zu dem er sich bekannt habe, nicht. Nur das Schild selbst hängt inzwischen ziemlich hoch.

Dr. Elkar sprach jetzt in Hilchenbach über den Heimatkundler mit Nazi-Vergangenheit — den Anlass für seinen Vortrag hat der Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein gegeben. Der hatte dem 50-jährigen Bestehen seiner „Familienkundlichen Arbeitsgemeinschaft“ im vorigen Jahr eine Ausgabe seiner Zeitschrift gewidmet. Im Vorwort wird Irle als erster Leiter dieser Arbeitsgemeinschaft gewürdigt und sein Aufsatz über „Mundart und Familiennamen im Siegerland“ abgedruckt — „kommentarlos“, bedauert Elkar, obwohl auch dieser Artikel „durchaus Verbindungen zu seiner Doktorarbeit“ aufweise. Das 54 Seiten dünne Werk von 1931 hat die „Vornamengebung im Siegerland“ erörtert. Die undistanzierte Veröffentlichung, räumte Karsten Beineke, Vorstandsmitglied des Heimatvereins, ein, sei „sicherlich nicht ideal gelaufen“. Den Verein hat der „Missgriff“ (Elkar) Mitglieder gekostet — nicht nur der Geschichtsprofessor hat, wie am Rande der Hilchenbacher Veranstaltung deutlich wurde, seine Mitgliedschaft aufgekündigt.

„Einfach verschwinden lassen“

„Es wäre nicht das Schlechteste, ihn einfach verschwinden zu lassen“, empfiehlt Dr. Elkar zum Umgang mit dem Heimatforscher, der sich nie von seiner NS-Vergangenheit distanzierte — wenn es denn nicht Menschen gäbe, die ihn stets aufs Neue verehrend würdigten. Für den aus seiner Sicht unwahrscheinlichen Fall einer Straßenumbenennung hatte Dr. Elkar zwei Vorschläge: „Blaukehlchenweg“ für die vom Aussterben bedrohte Vogelart. „Oder einfach die Eisenhüttenstraße ein wenig länger machen.“