Straßenplaner warten auf Gutachten

Wenn die Südumgehung gebaut wird, müssen Ausgleichsflächen geschaffen und Wirtschaftswege verlegt werden. Das könnte den Betrieb des Reiterhofes auf dem Hugensgut gefährden. Foto:Steffen Schwab
Wenn die Südumgehung gebaut wird, müssen Ausgleichsflächen geschaffen und Wirtschaftswege verlegt werden. Das könnte den Betrieb des Reiterhofes auf dem Hugensgut gefährden. Foto:Steffen Schwab
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Kreuztal/Hilchenbach.  Mittlerweile kommt auch die Jahreszahl 2017 ins Gespräch, wenn es um das Baurecht für die Kreuztaler Südumgehung geht — wenn aller Optimismus nicht zum Ziel führt, den auch der in Kreuztal lebende SPD-Bundestagsabgeordnete Willi Brase vorerst noch pflegt: „Wir hoffen, dass wir das noch im Spätherbst hinkriegen.“

Woran hängt’s bei der Kreuztaler Südumgehung?

Gewartet wird auf ein Gutachten, das klären soll, ob durch die verschiedenen Maßnahmen, die den Eingriff in Natur und Landschaft ausgleichen sollen, die Existenz des Reiterhofes auf dem Hubensgut gefährdet wird. Das kann womöglich schon durch eine veränderte Führung der Wirtschaftswege vermieden werden, die der Landesbetrieb Straßenbau bereits mit den Waldgenossenschaften besprochen hat. Denkbar ist auch, den Ausgleich an Ort und Stelle durch die Zahlung eines Geldbetrages für andere ökologische Verbesserungsmaßnahmen zu ersetzen. Auch ein Ausnahmeverfahren, das das Abweichen von Bestimmungen des Artenschutzes erlaubt, ist denkbar.

Und wann wird dann gebaut?

Klaus Frettlöh, Projektleiter beim Landesbetrieb Straßenbau, kann das nicht voraussagen. Er wird die Akten in den nächsten Monaten an die Bezirksregierung abgeben, die das Planfeststellungsverfahren führt und sich bei der mehrtägigen Anhörung im Dezember 2014 mit den Bedenken von rund 400 Einwendern und 3000 Unterzeichnern von Unterschriftenlisten befasst hat. Sobald der Verkehrsminister die Unterschrift unter den Planfeststellungsbeschluss gesetzt hat, können Betroffene beim Oberverwaltungsgericht klagen — dass sie das tun werden, haben ihre Anwälte längst angekündigt.

Was ist mit der Tunnellösung?

Die hat das Land zuletzt wieder ins Spiel gebracht und damit eine Forderung aufgegriffen, die die Stadt Kreuztal längst aufgegeben hat. 400 Meter Tunnel würden die Baukosten von 37 auf 82 Millionen Euro hochtreiben. Untersucht wird die Variante mit Tunnel bei der Erarbeitung des neuen Bundesverkehrswegeplans.

Wie geht es weiter — nach dem Bau der Südumgehung?

Auch das ist Thema für den neuen Bundesverkehrswegeplan, dessen Entwurf nun in der letzten Sitzungsswoche des Bundestages vor den Osterferien vorgelegt werden soll. Dort werden alle vorgeschlagenen Projekte nach dem Verhältnis von Kosten und Nutzen neu bewertet. CDU-Bundestagsabgeordneter Volkmar Klein wirbt inzwischen intensiv dafür, dabei nicht nur „überkommene Bewertungsmaßstäbe“ heranzuziehen, sondern auch die Bedeutung der Erschließung des nördlichen Siegerlandes und des Wittgensteiner Raums für die exportorientierten Unternehmen zu berücksichtigen: „Pure Auslastungszahlen geben den volkswirtschaftlichen Bedarf nicht ausreichend wieder.“

Und bis zur Verabschiedung des Gesetzes passiert nichts?

So lange gilt noch der alte Fernstraßenbedarfsplan, der zumindest das Vor-Planen der Route 57 erlaubt und Straßenausbauten nicht verbietet. Das nutzt der Landesbetrieb schon einmal in Hilchenbach: Nach der Sanierung des Böschungsrutsches wird die B 62 zwischen Kronprinzeneiche und Lützel in den Hang gelegt und leicht begradigt. Ab Sommer 2016 werden dort in zwei Jahren weitere zehn Millionen Euro verbaut. Im Herbst vorgestellt wurde eine Planung für die Beseitigung des Bahnübergangs in Altenteich und eine dritte Spur zwischen Altenteich und Erndtebrück. Für dieses Vorhaben ist ein Planfeststellungsverfahren erforderlich, der Baubeginn — sofern die weiteren zehn Millionen Euro dafür bewilligt sind – frühestens 2020 möglich.

Hinter Ferndorf zweispurig

SPD-Bundestagsabgeordneter Willi Brase bedauert, dass Nordrhein-Westfalen kaum im Sonderprogramm des Bundes vertreten ist — die darin geförderten Maßnahmen sind nämlich im Bedarfsplan ohne weitere Überprüfung gesetzt.

Zur Überprüfung für den neuen Fernstraßenbedarfsplan angemeldet, ist die Südumgehungskette von Kreuztal nach Schameder: Dabei ist die Querspange von Buschhütten nach Ferndorf dreispurig vorgesehen, die weiteren Abschnitte mit den Ortsumgehungen Kreuztal-Ferndorf, Hilchenbach und Erndtebrück zweispurig.

Mit allen fünf Abschnitten zwischen dem Kreuz Olpe und der Abfahrt Haiger/Burbach ist die A 45 auf Siegen-Wittgensteiner Gebiet für den Bundesfernstraßenbedarfsplan angemeldet worden. Sie soll durchgehend sechsspurig ausgebaut werden.

 
 

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