Stadt will Herrengarten kaufen

Siegen..  Mit dem Projekt „Siegen zu neuen Ufern“ wird die Siegener Innenstadt kräftig umgekrempelt. Nach der Offenlegung der Sieg mit Flanierpromenade am Fluss und einer Allee an der Sandstraße steht jetzt ein weiterer Baustein an – oder vielmehr die Demontage eines Bauwerks. Die Stadt Siegen plant, einen Teil des Herrengartens zu kaufen. Mit dem Ziel, mittelfristig das Ende der 70er Jahre errichtete Gebäude einzureißen. Das geht aus Papieren hervor, die dieser Zeitung vorliegen. Möglich wird das Geschäft durch die Wahrnehmung eines Vorkaufrechts.

Obwohl es sich um eine lukrative Fläche handelt, die teuer zu vermarkten wäre, plant die Stadt nach dem Abriss offenbar nicht, ein neues Gebäude bauen zu lassen. Stattdessen soll dort in ein paar Jahren eine Grünfläche entstehen.

Als Fremdkörper wahrgenommen

Der Komplex am Herrengarten ist vielmehr ein funktionales Gebäude als ein bestechendes Prunkstück der Baukunst. Mit der Offenlegung der Sieg wird auch das urbane Quartier am Herrengarten deutlich attraktiver. Das Geschäftshaus könnte indes als Fremdkörper in dem städtebaulich stark aufgewerteten Umfeld wahrgenommen werden, so die Sorge der städtischen Planer. Im Siegener Rathaus geht man davon aus, dass die Siegener Mitte mit dem Projekt „Siegen zu neuen Ufern“ interessant wird für Geschäftsleute, die bislang nicht daran gedacht hatten, in Siegen zu investieren.

Erste Erfolge gibt es bereits mit dem Café Extrablatt und der Gastronomie Anton & Konsorten. Franchise-Ketten wie Vapiano und und das Szene-Café Starbucks haben Siegen bereits auf ihrem Zettel. Außerdem sollen an dem Umfeld an der Siegen dem Vernehmen nach auch heimische Gastronomen ein vitales Interesse gezeigt haben. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass das Geschäftshaus Herrengarten seitens der Verwaltung als „stark störendes Gebäude“ charakterisiert wird.

Sollte der Kauf des Areals durch die Stadt Siegen erfolgen, hätte das zunächst keine Konsequenzen. Die Stadt würde sämtliche Mietverhältnisse mit übernehmen. Mit dem Kauf des Teilgrundstücks würde sich die Stadt Siegen aber die Möglichkeit erwerben, ihre Pläne für den Herrengarten überhaupt weiterzudenken und in ein paar Jahren auch umsetzen zu können: den ersatzlosen Abriss des Gebäudes. Denn statt eines Neubaus, so die Gedankenspiele im Rathaus, soll an Ort und Stelle eine Grünfläche entstehen, um den Erholungscharakter des innerstädtischen Quartieres noch stärker hervorzuheben.

Grünfläche mitten in der Innenstadt

Damit würde auch dem Grünflächenkonzept für die Innenstadt Rechnung getragen. Denn abgesehen von ein paar Bäumen und einer Allee an der Sandstraße wird der untere Teil der Innenstadt immer noch von viel Beton dominiert. Mit dem Abriss des Geschäftshauses zugunsten eines kleinen Parks oder einer Grünfläche würde der Bereich entlang der Sieg auch deutlich offener.

Wenn heute der Rat zustimmt, das Vorkaufsrecht wahrzunehmen, kassiert er in einem Zug einen Teil der Haushaltssperre ein. Diese hatte Kämmerer Reinhold Baumeister vor einigen Wochen verhängt hatte, weil die Gewerbesteuereinnahmen hinter den Erwartungen zurückbleiben und gefürchtet wird, Siegen könnte schon frühzeitig am Ziel des Haushaltsausgleichs 2017 scheitern. Der Kaufpreis soll bei rund einer Million Euro liegen – und ein Großteil dieses Geldes kann nur aufgebracht werden, wenn die haushaltswirtschaftliche Sperre aufgehoben wird. Nach der Gemeindeordnung kann der Rat unter bestimmten Voraussetzungen einen solchen Beschluss fassen – zum Beispiel wenn Dringlichkeit besteht, dass das Geld kurzfristig zur Verfügung stehen muss. Mit der Wahrnehmung eines Vorkaufsrechts wäre eine solche Dringlichkeit gegeben.

 

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