Sportpark hofft auf Lösung fürs Eisstadion in letzter Minute

PS-Gesellschafter Dietrich Ballin und Martin Resch (von rechts) wissen die Vertreter der vier Eissportvereine auf ihrer Seite.
PS-Gesellschafter Dietrich Ballin und Martin Resch (von rechts) wissen die Vertreter der vier Eissportvereine auf ihrer Seite.
Foto: WP

Netphen..  Die Uhr läuft: Mitte September müsste der Sportpark Siegerland (SPS) die Eismaschine anwerfen — aber noch steht das Ultimatum der Stadt im Raum, bis 31. Oktober 120 000 Euro Pacht nachzuzahlen, was gleichbedeutend mit der Insolvenz der Gesellschaft wäre. Die Eisflitzer haben ihre Konsequenz aus der Zitterpartie schon gezogen und das Frauen-Eishockeyteam aus der NRW-Liga zurückgezogen, in die der Verein gerade aufgestiegen ist. Der EHC mit seiner Männer-Mannschaft geht das Risiko ein.

Denn EHC-Vorsitzender Dietrich Ballin, zugleich einer der beiden SPS-Gesellschafter, hofft weiter auf eine „friedliche, dauerhafte Lösung“, die der Rat noch in letzter Minute in seiner Sitzung am 3. September beschließen könnte: mindestens eine Fristverlängerung bis 31. März, um über den Winter zu kommen, am liebsten aber die Erfüllung des Pachtvertrags bis Ende Juni 2019. Die Drohkulisse ist aufgebaut: Bevor es zur Insolvenz kommt, würde SPS den Pachtvertrag als sittenwidrig anfechten und die Stadt auf Schadenersatz verklagen: weil die städtische Freizeitpark Obernautal im benachbarten Freizeitbad mit dem Physio-Aktiv-Zentrum ein Konkurrenzunternehmen zum SPS aufgebaut habe, der ebenfalls ein Fitnessstudio betreibt.

Einstieg der FON ist kein Thema mehr

Gütlich einigen wollten sich Stadt und SPS schon einmal: im Frühsommer, als ein schrittweiser Einstieg der FON, also der Stadt, in den Sportpark verabredet wurde. Davon ist nun keine Rede mehr. Wirtschaftsprüfer und Juristen haben der Stadt nicht nur nahe gelegt, es nicht auf die Eskalation des Konflikts ankommen zu lassen. Sondern auch empfohlen, sich von einer Beteiligung am Sportpark fernzuhalten.

Für Bürgermeister Paul Wagener bleibt somit nur die Erfüllung des geschlossenen Vertrags. Zu suchen wäre dann eine Lösung für die Zeit ab 2019, mit alten oder neuen Gesellschaftern, falls jemand die dann fälligen Investitionen in Dach und Eistechnik finanziert. „Jede andere Lösung“, so Wagener im Gespräch mit dieser Zeitung, „wäre schlechter für die Stadt und für die Eissport treibenden Vereine.“

Zu letzteren zählen neben den beiden Eishockeyclubs die Eiskunstläufer von der EGS und die Eisstockfreunde Netphen, deren Mitbegründer Dr. Alexander Wollschläger für den Erhalt des Stadions wirbt. „Andere hätten sich die Finger danach geleckt, und die Stadt Netphen macht nichts daraus“, sagt Dr. Wollschläger, „das ist doch nicht eine beliebige Sportstätte wie ein Fußballplatz, sondern ein Produkt, mit dem man werben kann.“ Auch Annette Kramps, Leiterin der Grundschule Netphen, verfolgt die Debatte besorgt. Immerhin ist das Eislaufen nun schon im dritten Schuljahr Teil des Angebots im offenen Ganztag; etwa ein Viertel der Schülerschaft war bisher dabei. Am 2. November wollen die Kinder erstmals wieder ihre Runden drehen. Wenn dann kein Eis da ist, „wäre das für uns eine kleine Katastrophe.“

Kommentar: Die Augen verschlossen

Der Stadt Netphen sind die Hände gebunden. Geht sie auf Konfrontationskurs mit dem Sportpark, seinen Gesellschaftern und den Eissport-Vereinen, könnte das für sie teuer werden — abgesehen davon, dass die Anlage in den Händen eines Insolvenzverwalters für sie verloren ist. Steigt sie dagegen selbst in den Sportpark ein, wird das Risiko für sie unkalkulierbar — ihre FON, die das Freizeitbad nebenan betreibt, könnte gleich mit in den Strudel gerissen werden.

Dagegen ist der Preis für die Lösung, den Sportpark sich selbst zu überlassen, überschaubar: 30 000 Euro Pacht pro Jahr, die die Stadt nicht bekommt, bis zum Vertragsende 2019. Wäre die Stadt klug, würde sie die Zeit bis dahin nutzen und überlegen, was aus der Anlage werden soll. Der Modernisierungsbedarf ist unübersehbar.

Bis hierhin keine einzige neue Erkenntnis. Nur eine Ratsmehrheit aus CDU, Grünen und FDP, die davor die Augen verschlossen hat. Ihr ist vorzuwerfen, dass sie die Debatte um den Sportpark mutwillig vom Zaun gebrochen und nicht nur Flurschaden angerichtet hat. Auch der wirtschaftliche Schaden durch den fortgesetzten Eingriff in den Betrieb ist längst messbar. Es ist an der Zeit, damit aufzuhören.

 
 

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