Spektakuläre Rettung eines Höhlenforschers

Foto: ddp

Dillenburg/Breitscheid. Ein Höhlenforscher ist im Westerwald von einem 100 Kilo schweren Steinbrocken eingeklemmt worden. Er war mit drei Kameraden in einer Höhle unterwegs, als er sich durch eine Engstelle zwängen wollte und plötzlich feststeckte. Das löste eine spektakuläre Rettungsaktion aus.

Die Rettung eines eingeklemmten 46-jährigen Höhlenforschers aus einer Höhle in Breitscheid im Westerwald - rund 30 Kilometer von Siegen entfernt - verlief erfolgreich. Am frühen Montagmorgen, kurz nach drei Uhr, verließ er auf eigenen Füßen mit Hilfe der Rettungskräften die Höhle. Er sei gesundheitlich in guter Verfassung, teilte die Polizei mit. Dennoch müsse er zur Beobachtung ins Krankenhaus.

Wie berichtet, war der 46-jährige Höhlenforscher bereits am Sonntagmittag mit drei weiteren Personen in das Höhlenlabyrinth bei Breitscheid-Erdbach eingestiegen, um Erkundungen in der Höhle anzustellen.

Großes Höhlenlabyrinth

Im vorderen Bereich befindet sich eine Schauhöhle. Diese Tropfsteinhöhle ist für den öffentlichen Besucherverkehr freigegeben und ein Anziehungspunkt in der Region. Die Schauhöhle selbst ist jedoch nur ein kleiner Teil eines großen Höhlenlabyrinthes, in dem Forscher schon seit Jahren tätig sind.

Die vier aus der Region stammenden Höhlenforscher erkundeten einen Teil der Höhle, etwa 250 Meter entfernt von der Schauhöhle. Die dortige „Halle” ist bereits seit 2003 entdeckt und schon einige Male begangen worden. Bei der Erkundung mussten die Forscher teils den Weg erklettern oder auch durch Engstellen kriechen. An einer nach oben führenden Engstelle löste sich beim Durchzwängen des Ersten aus der Gruppe ein Steinbrocken von geschätzten 100 Kilo und klemmte ihn im Hüftbereich ein.

Dies war gegen 15.30 Uhr. Der 46-Jährige selbst und seine Kameraden versuchten zunächst, den Kameraden aus seiner Lage zu befreien. Als dies nicht gelang, verständigten sie einen ihnen bekannten Rettungssanitäter, der selbst Höhlenforscher ist. So wurde die Rettungskette ausgelöst. Zwei Notärzte - der eine ebenfalls Höhlenforscher - und weitere hilfswillige hinzukommende Kameraden betreuten den Eingeklemmten im weiteren Verlauf.

Gefahr der Unterkühlung

Offensichtlich war er unverletzt. Er lag halbschräg abgewinkelt in dem Spalt. Für die Rettungskräfte waren die Füße und Beine sichtbar. Der Oberkörper zeigte in die andere dunkle Seite. Man hatte Sprechkontakt. Es bestand die Gefahr der Unterkühlung und so wurden ein Heizgebläse eingebracht und wärmende Hotpacks eingesetzt.

Über einen Schlauch wurde der Einklemmte mit heißem Tee versorgt. Neben den sofort hinzugezogenen freiwilligen Feuerwehren aus Breitscheid, Gusternhain, Haiger und Herborn samt Einsatzleitfahrzeug, sowie DRK und Maltesern und weiteren freiwilligen Höhlenforschern aus der Region, kamen auch Einsatzkräfte der Höhlenrettung aus Bayern und Thüringen zum Einsatz.

Gefährdung für Rettungskräfte

Die Spezialisten aus Bamberg und Illmenau trafen nach 22 Uhr nacheinander ein. Dem Technischen Einsatzleiter der Höhlenrettung Nils Bräuning und seinen Kameraden gelang es im weiteren Verlauf das Steinwerk unter dem Eingeklemmten etwas zu lösen und soweit zu entfernen, dass der 46-Jährige sich nach oben in einen Höhlenraum befreien konnte. Dort verharrte er und unterstützte die Rettungskräfte, die ihm den Durchgang von ihrer Seite her frei machen wollten, damit er wieder zurück konnte. Hierbei bestand auch eine Gefährdung für die Rettungskräfte, da das von ihnen gelöste Steinwerk auf sie herunter fallen und sie verletzen konnte.

Es wurden drei etwa weinkistengroße Steinbrocken, die den 46-Jährigen zuvor eingeklemmt hatten, mit Spaltwerkzeug zerkleinert, so dass der 46-Jährige anschließend unverletzt wieder frei kam und man gemeinsam den Rückweg antreten konnte. Um kurz nach drei Uhr kamen er und seine Retter wieder an die Erdoberfläche. Allgemeine Erleichterung und Freude war bei den etwa 100 eingesetzten Rettungskräften spürbar.

Bürgermeister vor Ort

Bürgermeister Roland Lay hatte als Gesamtverantwortlicher die Nacht ebenfalls bei den Einsatzkräften verbracht und dankte ihnen für den erfolgreichen Einsatz. Auch der Vertreter des Bergamtes beim Regierungspräsidium in Gießen, Franz, war mehrere Stunden an der Einsatzstelle unter Tage.

Den Feuerwehreinsatz leitete Kreisbrandinspektor Rupert Heege. Zur technischen Unterstützung hatte man zudem Kräfte der Höhenrettungsgruppe der Frankfurter Berufsfeuerwehr hinzu beordert und auch weitere Höhlenrettungskräfte, die sich bundesweit unterstützen, waren in Bereitschaft, für den Fall, dass der Einsatz noch in den Tag hinein angedauert hätte.

 

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