SPD-Konvent steht vor der Entscheidung

Steffen Schwab
Unterbezirksparteitag der SPD: Am Samstag wird der Platz in der Bismarckhalle nicht für Tische reichen.
Unterbezirksparteitag der SPD: Am Samstag wird der Platz in der Bismarckhalle nicht für Tische reichen.
Foto: Michael Kunz
  • Zwei Männer und eine Frau bewerben sich um die Kandidatur
  • Alle Parteimitglieder dürfen abstimmen
  • Konvent am Samstag in der Bismarckhalle

Siegen-Wittgenstein.  Zwischen 200 und 250 Parteimitglieder werden am Samstagvormittag in der Bismarckhalle abstimmen, wer in der Nachfolge von Willi Brase für den Bundestag kandidieren darf. Keine überwältigende Beteiligung angesichts von rund 1700 Mitgliedern, die kommen dürften. Aber mehr als sonst, wenn die Ortsvereine lediglich Delegierte entsenden.

Der Konvent

Für einen Konferenzaufbau mit Tischen wird die Halle jedenfalls nicht groß genug sein, hat Geschäftsführer Michael Weidig ausgerechnet. Vor allem aber: Wofür sie sich in den Wahlkabinen entscheiden, die die SPD-Mitglieder (Bedingung: Wahlrecht und Hauptwohnsitz im Wahlkreis) von den Stuhlreihen aus aufsuchen, ist unkalkulierbar. Denn an etwaige Voten ihrer Stadtverbände, von denen einige Busse bereitstellen, um die Unterstützung ihrer Favoriten oder Favoritin zu sichern, sind sie nicht gebunden.

Die Kandidaten

Heiko Becker ist im Alphabet der drei Bewerbungen der erste: 33 Jahre alt, gebürtiger Bad Berleburger und Wahl-Kreuztaler, seit 2013 Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Petra Crone (Märkischer Kreis/Olpe), Kreistagsmitglied, bis zu seinem Umzug Fraktionsvorsitzender in Erndtebrück. „Als Kind einer Arbeiter- und Handwerkerfamilie war der Weg zur SPD für mich kurz“, schreibt Becker in seiner Bewerbung, in der er erwähnt, dass er während des Studiums Schichtarbeit in der Industrie geleistet hat und prekär beschäftigt war: „Eine der wichtigsten Erfahrungen für die Umsetzung meiner politischen Arbeit.“ Becker schließt mit einem Plädoyer für „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität an erster Stelle“. Seine Forderung: „Wir dürfen keine Angst vor der eigenen Courage haben.“

Tim Bernshausen, 35 Jahre alt, ist Hilchenbacher, hat als Wissenschaftler an der Siegener Uni und als Lehrer gearbeitet, schließt gerade seine Promotion ab, gehörte sechs Jahre dem Hilchenbacher Rat an. Heute ist er Mitarbeiter des Bundesfamilienministeriums, wo er unter anderem eine Platzbörse für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge koordinierte: „Damit die Zuwanderung geordnet verläuft und Integration gelingt, werde ich mich im Bundestag für effiziente Sprachförderungs-, Bildungs- und Wohnungsbaukonzepte stark machen.“ Bernshausen berichtet von den Bürgeranfragen, die er für die Ministerin bearbeitet: „Ich werde entschlossen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf eintreten.“ Die SPD brauche einen Neuanfang, fordert der Hilchenbacher: „Sie verdient ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft und muss mehr als eine 22-Prozent-Partei sein.

Silke van Doorn, 50, erteilt als evangelische Pfarrerin Religionsunterricht und bildet Religionslehrerinnen und -lehrer aus und fort, bezeichnet sich als „Opelanerkind aus dem Ruhrgebiet“, lebt seit 21 Jahren im Siegerland, leitet den Arbeitskreis Europa im SPD-Unterbezirk. „Meine Stärke ist es, eben keine Berufspolitikerin zu sein“, schreibt Silke van Doorn, die im Ortsverein Siegen-West aktiv ist, „ich bin vertrauenswürdig für die Skeptischen, die Politik an und für sich nichts mehr zutrauen.“ Die Stichworte Gleichstellung, Zukunft, soziale Gerechtigkeit, Bildung und Europa nennt sie in ihrem Bewerbungsblatt, außerdem den Wunsch, dass der Bundestag die Vielfalt der Bevölkerung abbildet. „Ich will echt bleiben, mich nicht verbiegen, meine Ansicht mit euch teilen, widersprechen, wo es notwendig scheint.“

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Info

Der Parteikonvent wird einberufen, weil es mehrere Bewerbungen um die Nachfolge von Willi Brase gibt, der sich mit 66 Jahren aus dem Bundestag verabschiedet. Der Littfelder zog erstmals 1998 über die Landesliste in den Bundestag ein. 2002 und 2005 gewann er den wiedervereinigten Wahlkreis Siegen-Wittgenstein direkt, 2009 und 2013 errang er das Mandat jeweils über die Landesliste. Auch Brase musste sich bei seiner ersten Nominierung, damals noch im Wahlkreis Olpe/Siegen-Wittgenstein2, in einem Konvent gegen Mitbewerber durchsetzen.