SPD arbeitet an der Ablösung von Kreisdirektor Bender

Sitzung des Kreistags Siegen-Wittgenstein: Landrat Andreas Müller und Kreisdirektor Frank Bender (links)
Sitzung des Kreistags Siegen-Wittgenstein: Landrat Andreas Müller und Kreisdirektor Frank Bender (links)
Foto: Hendrik Schulz

Siegen-Wittgenstein..  Gut ein Jahr nach dem Wechsel an der Spitze des Kreises unternimmt die SPD-Fraktion den Versuch, auch den zweiten Mann im Kresshaus auszutauschen: Landrat Andreas Müller (SPD) soll einen neuen Kreisdirektor — oder eine Kreisdirektorin — an seine Seite gestellt bekommen. Fraktionschef Michael Sittler bestätigte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass seine Fraktion in Kreistagssitzung am Freitag, 26. Juni, die Ausschreibung der Stelle beantragen werde.

Am 1. Mai 2016 läuft die zweite achtjährige Amtszeit von Kreisdirektor Frank Bender ab. Frühestens ein halbes Jahr vorher, also ab 1. November 2015, darf der Kreistag über Wahl oder Wiederwahl entscheiden — die Frist würde eingehalten, wenn nach dem Plan der SPD, das Thema in der Dezember-Sitzung auf die Tagesordnung kommt. Seine Fraktion sei für ein „offenes, transparentes Verfahren“, sagte Sittler. Auch für die Betroffenen müsse „so früh wie möglich“ Klarheit geschaffen werden. Personell, so Sittler, gebe es „keine Festlegung im Vorfeld“.

Der Antrag auf Ausschreibung der Stelle werde gestellt „in der Hoffnung, dass wir eine Mehrheit bekommen“, sagte der SPD-Fraktionschef. 2007 hatte das nicht geklappt — Bender wurde dann bei Stimmenthaltungen von SPD und Grünen wiedergewählt. „Nach der Wahl erheben sich die Kreistagsmitglieder der CDU-Fraktion unter Applaus von den Plätzen“, steht im Protokoll der Kreistagssitzung.

Signal nach der Landratswahl

Würde der Kreistag auch jetzt wieder auf eine Ausschreibung verzichten, käme das der vorweggenommenen Wiederwahl gleich, die Frank Bender auch annehmen müsste. Die Ausschreibung ist gemeinhin als Signal an den Amtsinhaber zu verstehen, dass ein Wechsel gewünscht wird — auch wenn ihm freigestellt ist, sich sozusagen für die eigene Stelle neu zu bewerben.

Bender, der sich 2012 erfolglos als Landrat in seiner Heimat in der Vulkaneifel bewarb, selbst dürfte das einzuschätzen wissen: Nach der Abwahl von Landrat Paul Breuer (CDU) hat dessen Nachfolger Andreas Müller (SPD) die Verwaltungsspitze neu organisiert und Bender auf den weniger bedeutsamen Posten des Bau- und Umweltdezernenten abgeschoben. Sein Schlüsselressort mit den Zuständigkeiten für die innere Verwaltung hat Helge Klinkert (SPD) übernehmen, Volljuristin wie Bender.

Frank Bender ist 54 Jahre alt. Er kam 2000 nach Siegen. Im Jahr zuvor hatte sich eine „bürgerliche“ Kreistagsmehrheit formiert hinter Elmar Schneider (CDU), dem ersten hauptamtlichen Landrat, formiert. Direkt nach der Wahl setzte das Bündnis die Ausschreibung der Kreisdirektorenstelle durch; Winfried Schwarz (SPD) sollte keine dritte Amtszeit bekommen. Schwarz sattelte beruflich um und ging in die Ejot-Geschäftsführung nach Bad Berleburg; heute ist er Kreistagsabgeordneter.

Parteipolitik um den Posten des Kreisdirektors hat in Siegen-Wittgenstein Tradition. Frank Benders Vorgänger Winfried Schwarz war Arbeitsrichter, als ihn der Kreistag 1984 zum ersten Mal zum Vertreter von Oberkreisdirektor Karlheinz Forster wählte — damals den FDP-Mann, für den die SPD zwecks Mehrheitsbeschaffung „ihren“ Kreisdirektor Volker Behnsen opferte.

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