Sommermärchen im Herbstwald

Vor der Kamera: Die Tanzgruppe filmt ihre Szene im Wald auf der Haardt — und ist gespannt, wie die Partner aus Ruanda ihren Teil der Geschichte umsetzen, die sie mit dem Titel
Vor der Kamera: Die Tanzgruppe filmt ihre Szene im Wald auf der Haardt — und ist gespannt, wie die Partner aus Ruanda ihren Teil der Geschichte umsetzen, die sie mit dem Titel
Foto: WP

Netphen..  „Jetzt wird’s besser, noch mehr Wasser von oben“, lacht Tanzlehrer Alexes Feelmo. Aber sie haben es gewollt. Die Kompagnie, gebildet aus Mädchen und Jungen der 9. und 10. Klasse, will die Szene im Wald oben auf der Haardt drehen. Die als Blumenkinder verkleideten Realschüler spielen Sommer, mitten im novembergrauen Oktober. „Guckt auf die Bäume, wenn ihr uns nicht angucken wollt, nicht auf die Füße“, ruft Marie Köhler ihrer Truppe zu, „ihr könnt’s sowieso perfekt.“

Nächstes Ziel ist der Flug nach Kigali

Und das meint die Fotografin auch so, die mit den 34 Jugendlichen aus Netphen als Partner für ihr Ruanda-Projekt richtig glücklich ist. „Dass es so gut wie hier läuft, kenne ich noch gar nicht“, sagt sie. Die in Netphen entstehenden Fotos seien „unfassbar gut“, die Gruppe organisiere sich ausgesprochen selbstständig. Tatsächlich, bestätigt Lehrerin Ursula Wussow, vergeht kaum ein Tag ohne einen Austausch über WhatsApp, keine Woche ohne Skype-Konferenz. „Und die Künstler sind dauernd präsent.“ Das sind neben Marie Köhler und Alexes Feelmo die Medienkünstlerin Jana Luck, Filmemacher Christopher Deutsch und die Journalistin Anke van de Weyer.

Es ist die zweite und letzte Workshop-Woche in Netphen — danach brechen die Künstler nach Kigali auf. Dort, in der Hauptstadt Ruandas, machen sie dasselbe mit den 50 Kids, die die Roots Foundation für ihr My-Talent-Projekt von der Straße geholt hat: Arbeit an dem gemeinsamen Filmprojekt, für das die Jugendlichen aus beiden Ländern schreiben, singen, tanzen und fotografieren — und miteinander reden. „Let’s Talk about Love“, ist das Thema, das die Netphener mit einer Geschichte über eine einsame Deuzer Oma umsetzen, die in Begegnungen mit ihrem Enkelsohn wieder aufblüht.

„Wir versuchen, den Jugendlichen unserer Partner auf Augenhöhe zu begegnen“, betont Ursula Wussow, eben nicht von oben herab. Das gelingt mit den Mitteln der Kunst: „Unsere Leute haben schon großes Muffensausen“ — dass der Beitrag aus Kigali „besser“ werden könnte als der in Netphen. Das setzt Ehrgeiz frei, der sich auch auf den regulären Unterricht auswirkt. Jetzt, wo eine komplette Radiosendung auf Englisch produziert wird und jede Woche Kommunikation zwischen den Kontinenten zu bewältigen ist, macht Englischlernen einen ganz unmittelbaren Sinn. „Ein positives Abfallprodukt“, freut sich Schulleiterin Silvia Glomski.

Ursula Wussow rührt die Werbetrommel für ihre Truppe — beim Sparkassenwettbewerb „Gut für Schulen“, beim Wettbewerb „Eine Welt für alle“, den der Bundespräsident ausgeschrieben hat. Da geht es um Ruhm und Ehre. Und um Geld. Und das unter Zeitdruck: Wenn beim Präsidenten die ersehnten Stipendien für die Schule herausspringen, könnte die ganze Truppe mit nach Kigali fliegen. Denn dort, im Goethe-Institut, hat „Let’s Talk About Love“ am 17. Dezember Premiere.

Premiere in Netphen am 20. Februar

„Mach dir ein Bild“, heißt das Ruanda-Projekt von Marie Köhler. „Mach dir dein Bild — auf Augenhöhe“, nennen die Netphener ihren Beitrag.

Am 20. Februar wird das gemeinsame Werk auch in Netphen zu sehen sein — der Film, die Fotoausstellung, begleitet von Live-Tanz und einer Diskussion.

 
 

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