Siegerländer Industriegeschichte erlebbar machen

Ein Blick aus der Luft auf das stillgelegte Allenbacher Hammerwerk: Die Hallen liegen direkt der Bundesstraße 508 und grenzen direkt an die alten Fachwerkwerkhäuser des früheren Ortskerns.
Ein Blick aus der Luft auf das stillgelegte Allenbacher Hammerwerk: Die Hallen liegen direkt der Bundesstraße 508 und grenzen direkt an die alten Fachwerkwerkhäuser des früheren Ortskerns.
Foto: Günter Dick
Günter Dick wünscht sich ein Museum in den Hallen des alten Allenbacher Hammerwerks. Würde es errichtet, hätte er auch schon einen Namen: SIMBENE.

Allenbach.. Wenn Günter Dick über die Idee spricht, blickt er aufs Ruhrgebiet. Dorthin, wo Menschen die Industriegeschichte der Region in Museen nachvollziehen können. Wo ehemalige Produktionsanlagen Einblicke in die frühere Arbeitswelt bieten. Wo technische, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklungen in Industriedenkmälern und Exponaten erzählt werden.

Günter Dick meint, dass ein solches Museum im Siegerland fehle. Würde es errichtet, hätte er schon einen Namen. „SIMBENE“ könne es heißen: Siegerländer Industrie-Museum, Bergbau, Eisen und nachhaltige Energie. „Für das Siegerland wäre es eine tolle Sache“, sagt der 78-Jährige. „Im Ruhrgebiet wurde das alles aufrechterhalten, hier aber nicht. Es geht darum, Geschichte erlebbar zu machen, auch für jüngere Leute.“

Historische Produktionsstätte

Für die Idee hat er eine im vergangenen Jahr stillgelegte Produktionsstätte der Montanindustrie im Blick: das alte Hammerwerk Carl Vorlaender in Allenbach. Die Hallen liegen direkt an der Bundesstraße 508, grenzen an die vielen historischen Fachwerkhäuser des früheren Ortskerns.

1997 hatte Metalcam aus dem norditalienischen Breno das Hammerwerk noch aus dem Konkurs herausgekauft. Doch 18 Jahre nach der dramatischen Rettung kam das endgültige Aus. Im September 2015 wurde das Hammerwerk geschlossen; 43 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz.

Die Liegenschaft sei „die einzige noch vorhandene historische Stelle im Siegerland, die sich für die Etablierung eines Museums der speziellen Siegerländer Montanindustrie anbietet“, sagt Günter Dick. Er ist in Weidenau geboren und aufgewachsen, wohnt jetzt in Sankt Augustin. Den Maschinenbauingenieur stört es, dass im Siegerland „sehr wenig an alte Sachen erinnert wird und scheinbar auch kein Interesse daran besteht“.

Die Idee, ein Industriemuseum im Siegerland zu errichten, ist nicht neu. Im Gegenteil: Sie ist mehr als 30 Jahre alt. Autoren wie Dr. Jürgen Schawacht, ehemaliger Leiter des Siegerlandmuseums, und der Historiker Dr. Bernd Plaum vom Geschichtsatelier Siegen haben sie zum Beispiel in der Heimatliteratur beschrieben.

Siegens früherer Bürgermeister Ulf Stötzel, jetzt Vorsitzender des Fördervereins Siegerlandmuseum, habe den Abriss der zentral gelegenen Werkhallen des alten Fickenhüttener Hammerwerks im Sommer 2015 in Weidenau nicht verhindern können, berichtet Günter Dick. „Obwohl ihm der Grund und die Dringlichkeit“ zur Errichtung eines Industriemuseums „eingehend und auch früh genug mitgeteilt“ worden seien. Nun sieht Dick eine neue Chance in dem ehemaligen Allenbacher Hammerwerk. „Wenn man nicht mit Idealismus rangeht, kann man es vergessen“, sagt er.

Modelle selbst produzieren

Seine Ideen, was SIMBENE den Besuchern zeigen könne, hat er aufgeschrieben: die vorindustriellen Arbeitsweisen der Siegerländer Montanindustrie, die Eisenerzeugung und -verarbeitung, die nachhaltige Energiegewinnung und -nutzung ab dem frühen Mittelalter bis etwa 1900. Eisen- und Stahlguss, Sand- und Formguss, Eisenkunstgießerei sowie den Beginn des Maschinen- und Apparatebaus zum Beispiel.

Er schlägt die Installation eines Puddelofen-Modells im Maßstab 1:1 vor, ein Sandbett für das Gießen von Eisengussplatten, die Selbstproduktion von Modellen unter Anleitung in einer dem Museum angeschlossenen Werkstatt. Zudem könne SIMBENE sich auch der Kunst widmen: mit der Ausstellung von Gemälden, die sich auf die regionale Eisenindustrie beziehen, von Malern wie Ludwig Heupel und Georg Bechtel etwa.

Vom Industriemuseum in Allenbach ausgehend ließen sich zu festen Terminen oder auch auf Nachfrage mit einem Shuttlebus Fahrten zu den regional noch bestehenden Originalstätten organisieren, sagt Dick. So sei eine Vernetzung möglich.

Zum Thema Bergbau regt er als Besuchsziele unter anderem den Reinhold-Forster-Erbstollen in Eiserfeld und die Grube Grimberg in Niederdielfen an. Führungen und Vorträge seien auch bei den heute noch aktiven Siegerländer Unternehmen der Montanindustrie möglich: der SMS group in Dahlbruch, Irle in Deuz, den Edelstahlwerken in Geisweid.

Wünschenswert am Industriemuseum sei auch Gastronomie, ausgerichtet auf Siegerländer Spezialitäten. Das denkmalgeschützte Fachwerkgebäude des ehemaligen Gasthofs Wandtke stehe heute ungenutzt direkt neben dem alten Hammerwerk „und wäre vorteilhaft dem Gesamtkomplex zuzuordnen“, meint Dick.

Eine Frage des Geldes

Er betont, dass ein Aufbau des Projekts ausschließlich durch heimat- und technikinteressierte Privatpersonen unmöglich sei. Es müsse sich dafür jemand finden, der investieren wolle. „Die Idee finde ich gut“, sagt Josef Wiesmann vom Verband der Siegerländer Metallindustriellen (VdSM). „Ich bin persönlich sehr an der Siegerländer Industriegeschichte interessiert. Aber für ein solches Museum müsste man viel Geld in die Hand nehmen, da sehe ich keine Quellen.“ Oder wie Günter Dick es formuliert: „Es fehlt ein Bill Gates.“

 
 

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