Siegenia Aubi plant Entlassungen

Jens Plaum
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Der Wilnsdorfer Hersteller von Tür- und Fensterbeschlägen plant, bis zu 140 Mitarbeiter in Niederdielfen zu entlassen. Gleichzeitig sollen am Standort in den kommenden Jahren 60 Millionen Euro investiert werden.

Niederdielfen.  Siegenia Aubi plant Entlassungen. Nach Unternehmensangaben sollen von den rund 1200 Beschäftigen in Niederdielfen bis zu 140 Mitarbeiter gehen.

Bei den Stellen handelt es sich im Wesentlichen um so genannte Handarbeitsplätze. Das umfasst manuelle Tätigkeiten, die nicht zu automatisieren und „lohnintensiv“ sind, wie Marketingleiterin Katja Schreiber mitteilte. Sie sollen in das Zulieferwerk im polnischen Kluczbork verlagert werden.

Über die genaue Zahl der Entlassungen konnte Ismail Sayguen, Leiter Management und Support, gestern keine Angaben machen: „Das ist abhängig von der Auftragslage“. Die Belegschaft sei über die Maßnahme, die auf einen Sozialplan aus 2010 zurückgeht, informiert, sagte er. Für den Januar kündigte er Gespräche mit jedem persönlich Betroffenen an.

Weniger Geld in der Tasche

Seit zwei Jahren begleitet die IG Metall das Unternehmen, das sein Geld unter anderem mit Fenster- und Türbeschlägen verdient. In einem ersten Maßnahmenpaket seien arbeitsorganisatorische Abläufe verändert worden. Das bedeutet, die betroffenen Mitarbeiter hatten weniger Geld in der Tasche. „Die Alternative wäre Hartz IV gewesen“, sagte Hartwig Durt, 1. Bevollmächtigter der Gewerkschaft in Siegen.

In Paket zwei stecken die Entlassungen. Siegenia Aubi plant, einige Mitarbeiter in den Vorruhestand zu schicken. Andere sollen in Transfergesellschaften wie der Quatro Transfair – Gesellschafter sind der Kreis, der Verband der Siegerländer Metallindustriellen und die IG Metall – weiter qualifiziert werden.

„Schlimmeres verhindern“

Die Entlassungen nannte Hartwig Durt „bedauerlich“. Schließlich handele es sich um ein großes Siegerländer Traditionsunternehmen. Allerdings seien diese Maßnahmen notwendig, „um Schlimmeres zu verhindern“.

Ismail Sayguen hatte jedoch nicht nur schlechte Nachrichten. In Niederdielfen sollen in den kommenden Jahren 60 Millionen Euro investiert werden. „Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort“, sekundierte Mischa Reichmann, verantwortlich für Produkt-Management und Marketing.

Bau einer Galvanikanlage

Geplant sind der Bau einer Galvanikanlage und eines Ausstellungszentrums. Zudem wird Geld in den eigenen Werkzeugbau und die Erweiterung der Fertigungskapazitäten in Press- und Stanztechnik gesteckt.

Die Galvanik war 1995 an externe Dienstleister ausgelagert worden. Von der Investition verspricht sich die Geschäftsleitung Zeit- und Kostenvorteile. Zudem sollen dort neue Arbeitsplätze entstehen. Die Verantwortlichen kündigen den Spatenstich im Juni kommenden Jahres an.

Spätestens 2015, so ist sich Mischa Reichmann sicher, werde das „Geschäft wieder an Fahrt aufnehmen“. Dann gelte es, auf neue Anforderungen vorbereitet zu sein. Er sprach beispielsweise von einem I-Window. Das Fenster soll per Smartphone von unterwegs zu kontrollieren, zu öffnen und zu schließen sein.