Siegener sind verliebt in die Heimat

Mundus TV hat den WDR-Film „Revier hinter den Bergen“ neu aufgelegt.
Mundus TV hat den WDR-Film „Revier hinter den Bergen“ neu aufgelegt.
Foto: Jens Plaum
Der Fahrer streift sich Rallyehandschuhe über, klemmt sich hinter das Lenkrad und drückt aufs Gas. Wirkt eigentlich lässig und entspannt, hat aber einen ernsten Hintergrund. Der junge Mann ist in den 1960er Jahren im Auftrag der IHK unterwegs und dokumentiert: Man kommt recht schwierig weg aus dem Siegerland.

Siegen.  Der Fahrer streift sich Rallyehandschuhe über, klemmt sich hinter das Lenkrad und drückt aufs Gas. Wirkt eigentlich lässig und entspannt, hat aber einen ernsten Hintergrund. Der junge Mann ist in den 1960er Jahren im Auftrag der IHK unterwegs und dokumentiert: Man kommt recht schwierig weg aus dem Siegerland. Das ist insbesondere für Unternehmer ein Problem. Sie können ihre Produkte nur schwer an den Mann bringen.

Diese Szene aus dem WDR-Film „Revier hinter den Bergen“ von 1965, den Alexander Fischbach und seine Produktionsfirma Mundus TV neu aufgelegt haben, ist nicht nur für die Zeit des Wirtschaftswunders bezeichnend. Sie spiegelt auch Probleme wider, die noch heute akut sind. Das Siegerland und dessen Wirtschaft leiden unter einer miserablen infrastrukturellen Bedingungen.

Damals sicher ein wenig anders als heute. Immerhin schlängelt sich inzwischen die A 45 durch das Siegerland. Und die Ruhr-Sieg-Strecke ist seit einigen Jahrzehnten elektrifiziert. Allerdings machen der jämmerliche Zustand vieler Straßen und die große Entfernung zu geeigneten Häfen das Wirtschaften auch in diesen Tagen nicht einfacher. Die Verkehrswege gelten im weltweiten Wettbewerb noch immer als Standortnachteil der heimischen Betriebe

Sparsam und schwermütig

Diese Abgeschiedenheit indes sorgte lange Zeit für eine ganz eigene Art der wirtschaftlichen Entwicklung. Das ist der Tenor des Films. „Fleißige, sparsame und schwermütige Menschen leben hier“, heißt es. „Eigenbrötlerei und Verschlossenheit“ bestimmen ihr Wesen, aber auch „Beharrlichkeit“ und Innovationsfähigkeit. Schließlich suchten und fanden viele Unternehmer Auswege angesichts der Widrigkeiten, vor die sie Topografie und Weltwirtschaft stellten. Maschinenbauer zum Beispiel entwickelten die erste elektronische Buchungsmaschine.

Letztendlich, so das wohlwollende Urteil im Film aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts,, seien „Heimatliebe und Weltoffenheit“ im Siegerland keine Gegensätze mehr. Wenn man denn einen Weg hinaus findet.