Siegener Silberfuchs, Kabinett bis Spätlese

Auch Merle Zabel (7) hilft bei der Weinlese.
Auch Merle Zabel (7) hilft bei der Weinlese.
Foto: Hendrik Schulz
Seit vier Jahren hegt und pflegt das Siegerländer Weinkonvent ihre Rebstöcke am Weinberg Silberfuchs am Giersberg. Jetzt war Lese : Immerhin rund 120 Kilogramm Trauben der Rebsorte Solaris (weiß) und Regent (rot) wurden geerntet.

Siegen. Die Zweige der Weinreben biegen sich unter den prallen, saftigen Trauben. Die Sonne erwärmt langsam oktoberbunte Berge und Täler, der letzte Nebel lichtet sich, Lesehelfer in ihren Gummistiefeln knipsen die Trauben mit der Rosenschere von den Rebstöcken. Übrigens, wir reden hier nicht vom Moseltal, sondern dem Giersberg. Hier erntet das Siegerländer Weinkonvent seine ersten Trauben auf dem Grundstück mit dem klingenden Namen, nach dem der Wein benannt wird: Siegener Silberfuchs.

Um acht Uhr morgens versammelt sich ein Trüppchen von gut einem Dutzend Lesern (so heißen die Wein-Ernter tatsächlich) und beginnen mit der Arbeit an den um die 100 Rebstöcken. „Ein befreundeter Winzer hat uns empfohlen, Schokolade zur Lese mitzubringen“, lacht Konventspräsident Wolfgang Narjes. „Damit sie nicht so viele Trauben naschen.“ Mit 90 Grad Oechsle, dem Mostgewicht, haben die Siegener Reben der Sorten Solaris (weiß) und Regent (rot) eine nicht zu verachtende Qualität. „Normalwein hat 75, mit 90 liegen wir zwischen Kabinett und Spätlese“, freut sich Hans-Joachim Pölking, der Konventskanzler.

Vier Jahre lang hat der Verein seine Rebstöcke gehegt. Während der Blüte im Frühjahr wird biologisch gegen Mehltau gespritzt und die Rebe zurückgeschnitten.

Außerdem düngen und kalken die Helfer den Boden , der sauren Siegerländer Böden wegen. Letzteres wird sich im Aroma bemerkbar machen: „Dieselbe Rebsorte schmeckt von Anbaugebiet zu Anbaugebiet anders“, weiß Weinkenner Pölking. Dieser Solaris hat vermutlich einen Schuss Siegerländer Grauwacke.

Das Rückschneiden ist von entscheidender Bedeutung für die Qualität der Beere – die einzelne Frucht heißt Beere, die ganze „Staude“ wird Traube genannt. Wird jedenfalls nicht geschnitten, „bleibt die Kraft im Stamm und fließt nicht in die Traube“, wie es der Kanzler poetisch ausdrückt. Eine gute Weinrebe besteht nicht aus vielen Verästelungen, sondern einem Hauptstamm, von dem dann die Triebe mit den Beeren abgehen. Bis die Stämme stabil genug sind, das Gewicht der Früchte zu tragen, vergehen ein paar Jahre. Künftig wird jedes Jahr gelesen. „Dann tragen die Rebstöcke von Jahr zu Jahr mehr“, weiß Pölking.

Erstverkostung im November

Auf den letzten Metern haben die Früchte noch richtig Sonne getankt, der flache Hang bietet eine ideale Lage. „Vor ein paar Wochen hatten wir noch 70 Oechsle“, so Pölking, aber jetzt war es auch höchste Zeit: Erste Trauben beginnen zu faulen.

Nach einer guten halben Stunde liegen etwa 120 Kilo Trauben – daraus werden ungefähr 70 Liter Wein – in den Kisten und warten auf den Abtransport nach Neustadt in der Pfalz, zur Weinbauschule. Dort werden die Trauben ausgebaut, wie der Fachmann sagt: gepresst, filtriert, als Most eingelagert und schließlich auf Flaschen gezogen. Im November kommt der Wein zurück nach Siegen.

Etwa 80 Flaschen Ertrag

Auf 80 Flaschen schätzen die Mitglieder den Ertrag. Verkauft wird der seltene Tropfen nicht, nur verschenkt – oder selbst verkostet. Einen Teil des Ertrags bekommt die Stadt Siegen als Miteigentümer des Grundstücks. Und schließlich hat der Bürgermeister und Weinliebhaber Steffen Mues bei der Lese geholfen.

 
 

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