Siegener Schimmelhochhaus soll Studentenwohnheim weichen

Das ehemalige Kreishaus in Siegen an der Koblenzer Straße in Siegen - bis 2011 Sitz der Niederlassung Siegen des Landesbetriebs Straßen NRW - steht unter Denkmalschutz.
Das ehemalige Kreishaus in Siegen an der Koblenzer Straße in Siegen - bis 2011 Sitz der Niederlassung Siegen des Landesbetriebs Straßen NRW - steht unter Denkmalschutz.
Foto: WP
Das Siegener Schimmelhochhaus sorgt erneut für Schlagzeilen. Es steht unter Denkmalschutz. Noch. Das Haus soll scheinbar einem Studentenwohnheim weichen.

Südwestfalen.. „Geschmackssache, reine Geschmackssache“, hört man immer wieder, wenn man Siegener Bürger danach fragt, ob das leerstehende Hochhaus an der Koblenzer Straße auf die Denkmalschutz-Liste gehört.

Nun schreibt das weit über Siegen als Schimmelhochhaus bekannt gewordene ehemalige Landesbehördenhaus erneut Schlagzeilen: Als Prüfstein für den Denkmalschutz, wie der Kölner Stadtanzeiger den Streit um das seit März unter der Obhut des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) stehende Gebäude bezeichnet.

Das NRW-Finanzministerium habe bereits eine Entscheidung getroffen: Das Haus soll einem Studentenwohnheim weichen, der Denkmalschutz stehe zur Disposition - auf Anregung von Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). Die Bezirksregierung in Arnsberg bestätigt dieser Zeitung nur, dass das Finanzministerium den Verkauf an das Studentenwerk unterstützt.

Aber der Reihe nach: Die Universitätsstadt braucht dringend bezahlbaren Wohnraum für Studenten. Das Studentenwerk Siegen weist mit nur fünf Prozent (950 Plätze für 19 000 Studenten) das niedrigste Angebot unter den Universitätsstädten in NRW auf. Das soll sich nach dem Willen des Studentenwerks ändern. Just als die Kaufgespräche mit dem Bau- und Liegenschaftsamt NRW (BLB) begannen, wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Der BLB gab heute bekannt, dass es das Engagement der Studentenwerke zur Schaffung von preiswertem Wohnraum unterstütze und den Auftrag bekommen habe, das Gebäude an das Studentenwerk zu verkaufen. Die FDP hat den Verdacht, dass die Entscheidung „politisch vorgeprägt“ sei.

„Wir sind nicht zuständig“

Das Finanzministerium wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Sprecher Peter Mönkediek: „Die Denkmalschutzbehörden sind zuständig.“ Der Chef des Siegener Studentenwerkes, Detlef Rujanski, bestätigt, dass am Freitag erste Verkaufsgespräche stattgefunden hätten. „Wir stehen am Anfang eines komplizierten Verkaufsverfahrens.“ Sollte der Zuschlag erfolgen, sei die Untere Denkmalschutzbehörde zuständig. Die hatte bereits verkündet: „Es ist noch nichts entschieden.“

Rujanski, der auch SPD-Fraktionsvorsitzender ist, wundert sich über die Entscheidungen des LWL: „2003 hatte der LWL es sich angeschaut und entschieden, dass es kein Denkmal ist.“ Elf Jahre später stehe das Gebäude auf der Liste.

Markus Fischer vom LWL: „2003 haben wir das Hochhaus anders eingestuft, weil es in Siegen ein zweites, ähnliches Gebäude gab. Das Krupp-Haus . Das wollten wir auf alle Fälle erhalten. Wir haben uns für ein Haus entschieden.“ Mittlerweile ist das Krupp-Hochhaus in Siegen-Geisweid Geschichte. Abgerissen. Dort findet man nur noch Schotter. „Da die 60er Jahre immer mehr in den Fokus des Denkmalschutzes rücken, haben wir das Siegener Haus auf die Liste gesetzt.“ Fischer versteht, dass so mancher Bürger sich die Augen beim Anblick solcher Häuser reibt. „Es gibt aber Gesetze - und daran halten wir uns.“

Der Bauminister hat das letzte Wort

Im Fall des Siegener Hochhauses könne, so Fischer, beim vermeintlich abzusehenden Dissens zwischen LWL und Unterer Aufsichtsbehörde der Bauminister das letzte Wort haben.

In Südwestfalen gab und gibt es reichlich Streit um denkmalgeschützte Gebäude: In Hagen gehören im Stadtteil Haspe die Brandt-Brücken dazu, die die Hauptstraße überspannen und für viele Bürger ganz und gar nicht Blickfang wie das Holstentor in Lübeck sind. Auch das Finanzamt in Hagen steht unter Denkmalschutz. Es sorgt dafür, dass durch die geschlossene Häuserschlucht die Abgasimmissionen so steigen, dass Lkw quer durch die Stadt fahren müssen.

In Lennestadt verzweifeln die Eigentümer an einem alten Fachwerkhaus. Auch die Volksbank in Olpe darf ein Nebengebäude nicht in ihrem Sinne umbauen, weil es sonst eine geschichtliche Lücke reißen würde. Und in Niedermarsberg konnte das Haus Jungebloth noch nicht einmal verschenkt werden.

Über den (Un)-Sinn von Denkmalschutz kann man trefflich streiten, das weiß auch Bärbel Hildebrand vom Bund der Steuerzahler. Für sie ist Denkmalschutz „ein schwieriges Thema, so wie Kunst“. Es sei eben Geschmackssache, ob ein Gebäude als schön oder hässlich empfunden wird. Im Schwarzbuch tauchten Fälle wie in Siegen eher selten auf. Ihr fallen nur die Reste einer Spannbetonbrücke auf einem Rastplatz in Vellern ein - direkt neben der A 2.

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