Siegener Professor Dibelius plant Luxusvillen

Villa am Rhein in Düsseldorf.
Villa am Rhein in Düsseldorf.
Foto: Carola Kohler
Geometrische Formen bestimmen seine Häuser, zeitlos und minimalistisch sind die Gebäude, die der Siegener Architektur-Professor Thomas Dibelius plant und baut. Seine Studenten sollen "herumspinnen" und die Enge und Dunkelheit der Universtiät vergessen.

Siegen.. Ob bewusst oder unbewusst. Wo Licht fließt, fließen auch die Gedanken. Kreativität braucht Raum und Licht. Thomas Dibelius, Architektur-Professor für Entwerfen und Baukonstruktion, eilt den Flur zu seinem Büro entlang. „Das hier ist ein reiner Zweckbau“, sagt er.

Ganz glücklich sei er mit den Räumen der Uni Siegen nicht. „Uns fehlen Arbeitsplätze.“ Aber zusammen mit seinen Studenten mache er das Beste aus der Lage.

Studenten sollen Mut haben

Dibelius möchte, dass seine Studenten für das Fach brennen. Kleinere Seminare hält er in seinem Raum A108 ab. Der Holztisch in der Mitte nimmt den größten Platz ein. Ringsum stehen elf Stühle, Ameisen-Design, im Regal die Großmeister Le Corbusier, Mies van der Rohe, Luigi Snozzi. Von der Wand lächeln die Studenten aus dem vergangenen Semester. Ein Konformismus ist nicht zu leugnen: die Mädchen mit langen Haaren und Tüchern, die Jungen mit wuscheligen Bobs.

Immer wieder ermutigt er die Zwanzigjährigen: „Spinnt rum“. Mut haben. Darum gehe es im Studium. Später gebe es Bauherren, Behörden, Ehefrauen – viele Faktoren, deren Wünsche und Auflagen man berücksichtigen müsse. Nur als Student könne man sich ungezwungen ausprobieren. Viele Studenten seien zu gehemmt. „Als Architekt muss man nicht als erster fertig sein, entscheidend ist, dass man fleißiger ist als die anderen.“

Geräumige Einfamilienhäuser gehören zu den Spezialitäten

Vor 24 Jahren machte Dibelius sich mit einem Kollegen selbstständig. Mit 32 Jahren. „Das war nicht leicht, wir mussten immer beweisen, dass wir bauen können.“ Wer gibt schon sein mühsam Erspartes einem Berufsanfänger in die Hände? Heute arbeiten sechs Angestellte in seinem Hamburger Büro Dibelius-Architekten. Luxusvillen, geräumige Einfamilienhäuser gehören zu den Spezialitäten. Sie liegen meist bei mehr als zwei Millionen Euro, Grundstückspreis exklusive. Häuser in den besten Lagen von München, Düsseldorf oder Wiesbaden.

Geometrische Formen bestimmen seine Häuser, zeitlos und minimalistisch. Die Architektur stets angepasst an das Grundstück. Wohnen endet nicht an der Fassade, die Terrasse wird zur Erweiterung des Wohnzimmers. Großflächiges Wohnen auf mehreren Ebenen.

Klinkersteine aus Schweden

Verbaut wird nur hochwertiges Material – zum Beispiel ein heller Kalkstein, der sich auf der Terrasse fortsetzt, oder blau-goldener Klinkerstein, der extra für ein Hamburger Objekt in Schweden gebrannt wurde. „Details machen den Unterschied“, sagt Dibelius, deshalb komme es schon vor, dass er über Nähte am Sofabezug und Zahnputzgläser diskutiert.

Auch die Verhandlungen haben es in sich. „Teilweise werden wir auch zum Ehetherapeuten“, sagt er und lacht. „Was machen Sie zum Beispiel, wenn der Ehemann ein Schwimmbad möchte und die Frau nicht?“ Dibelius hört zu und stellt Pro- und Contra-Listen auf, zwischen Wiederverkaufswert und Nutzwert.

Hochhaus mit 25 Stockwerken in Shanghai

Wenn Thomas Dibelius über seine Häuser spricht, klingt es, als würde er über seine Kinder reden. „Das sind unsere Babys“, sagt er und lacht. Das neueste und bislang größte „Baby“ entsteht in Shanghai. Drei Hochhäuser mit 25 Stockwerken, Luxus-Wohnungen zwischen 200 und 500 Quadratmetern Wohnfläche. Baustart ist Anfang 2014. Die Häuser sind extremen Temperaturen, Erdbeben und starken Winden ausgesetzt.

Die Fenster bestehen deshalb aus Schiebeelementen, die winddicht angesogen werden „Wie in einem ICE“, erklärt er und imitiert mit den Händen die Zugtüren.

Seine Kontakte in China wird Dibelius nutzen, um eine dauerhafte Kooperation mit der Universität in Shanghai aufzubauen. „Wir möchten einen regelmäßigen Austausch von Architekturstudenten aus Siegen und Shanghai aufbauen.“ Lehrstuhl und eigenes Architekturbüro schließen sich für ihn nicht aus. „Im Gegenteil, meine Studenten profitieren sehr davon“, sagt er.

 
 

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