Siegener Neue Zeitung – Lesestoff aus der Nachkriegszeit

Jennifer Kalischewski
Praktikantin Mareike Pöpping und Stadtarchivar Markus Müller hoffen, auch die fehlenden fünf Exemplare der Zeitschrift zu finden.
Praktikantin Mareike Pöpping und Stadtarchivar Markus Müller hoffen, auch die fehlenden fünf Exemplare der Zeitschrift zu finden.
Foto: Jennifer Kalischewski
Das Stadtarchiv in Siegen erhält Zeitschriftenexemplare von 1958 aus privatem Besitz. Die Freude über diese Rarität ist groß. Noch fehlen fünf der insgesamt 25 Ausgaben. Um eine komplette Sammlung der Illustrierten anbieten zu können, bittet die Einrichtung die Bürger um Mithilfe.

Siegen. Ein ganz neuer Zeitungstyp sollte sie sein, wollte sich abgrenzen vom Provinzialismus anderer Blätter in der Bundesrepublik. Das Vorbild: der amerikanische Journalismus. So stand es am 1. Mai 1958 in der ersten Ausgabe der „Siegener Neuen Zeitung“. Doch schon nach 25 Ausgaben wurde die neue Illustrierte wieder eingestellt. Einen Stapel mit Exemplaren der Wochenzeitschrift von damals übergab nun ein Privatmann dem Siegener Stadtarchiv.

„Manchmal geben Leute Sachen bei uns ab, die sie irgendwo zu Hause finden“, sagt Mareike Pöpping, Praktikantin im Siegener Stadtarchiv. „In den letzten Jahren hat das sogar noch weiter zugenommen. Vor allem die Kriegs- und Nachkriegsjahre beschäftigen die Menschen anscheinend noch sehr“, ergänzt Stadtarchivar Markus Müller. Was mit den Dokumenten passiert, hängt von den Wünschen des Besitzers ab: Entweder bewahrt das Stadtarchiv sie als Leihgabe auf. Oder sie gehen, wie im aktuellen Fall, als Schenkung in den städtischen Besitz über.

Fünf Ausgaben der Illustrierten waren im Magazin des Stadtarchivs bereits archiviert. Dass jemand der Sammlung weitere gut erhaltene Exemplare beisteuern kann, sei ein Glücksfall. Pöpping: „Da ist die Motivation groß, die letzten fünf Ausgaben auch noch zu finden.“

Höhe der Auflage bleibt unbekannt

Die Rechercheergebnisse über die Zeitschrift aus den 1950er Jahren blieben lückenhaft. „Wir wissen zum Beispiel nicht, warum sie eingestellt wurde oder wie hoch die Auflage war“, sagt Mareike Pöpping. Bekannt ist, dass der freischaffende ­Journalist Ernst Wilhelm Mänken den Versuch startete, eine illustrierte Wochenschau mit regionalen und überregionalen Berichten zu etablieren. Frühlingsschuhe in der Rubrik „Mode“. Klatsch über Promis wie den Ski-Weltmeister und Schlagersänger Toni Sailer in der Rubrik „Stars und Filme“. Aber auch Nachrichten aus Wirtschaft und Sozialpolitik, Kultur und Sport – die Siegener Neue Zeitung verstand sich als Wochenschau für die ganze Familie. Auffällig sei zudem der Vorstoß, den Leser verstärkt zu Wort kommen zu lassen.

Lokale Berichterstattung im Fokus

Dass der Preis bereits nach den ersten fünf oder sechs Ausgaben um die Hälfte, von einer D-Mark auf 50 Pfennige, sank, war vermutlich ein Zeichen für mangelndes Kaufinteresse. Auch die Reihenfolge des Inhalts änderte sich. Berichte aus dem Siegerland wanderten nach vorne. „So rückte der lokale Bezug noch deutlicher in den Fokus.“ Zudem – so vermutet Pöpping – sollte ein Fortsetzungsroman den Leser zum regelmäßigen Kauf animieren.

Nach dem 25. Heft, soviel ist klar, war plötzlich Schluss. „Nirgends wird darüber berichtet, dass die Siegener Neue Zeitung eingestellt werden sollte“, wundert sich Mareike Pöpping. Auch in der Zeitschrift selbst kein Hinweis auf das Ende. Im Gegenteil: Die angekündigte Fortsetzung des Wocheninterviews lässt bis heute auf sich warten.