Siegener Förderschule inszeniert Shakespeares „Sturm“

Hendrik Schulz
Ariel verhext König Alonso, dessen Berater Gonzalo sowie die Ränkeschmiede Sebastian und Antonio (von links)
Ariel verhext König Alonso, dessen Berater Gonzalo sowie die Ränkeschmiede Sebastian und Antonio (von links)
Foto: WP
Liebevoll gemachte Aufführung der 8. Klasse der Johanna-Ruß-Schule überzeugt mit detailversessener Garderobe und Requisite

Siegen.  Endlich wird mal nicht gestorben. Bei William Shakespeare sind irgendwie am Ende immer alle tot. In „Der Sturm“, vermutlich uraufgeführt im Jahr 1611, hat der englische Meisterdramatiker seine Protagonisten durch die Bank am Leben gelassen, am Ende herrscht Friede, Freude, Heiterkeit, der Prinz bekommt das Mädchen und alle haben sich wieder lieb. Aber vorher ereignen sich Dramen von, nun ja, shakespear’schen Ausmaßen.

Die 8. Klasse der Johanna-Ruß-Förderschule hat gestern eine unbekümmerte, liebevolle und rasante Bühnenfassung des „Sturm“ aufgeführt.

Das Stück

Wie immer bei Shakespeare – das Stück hat alles. Liebe, na klar, Ungerechtigkeit, Macht, Rache, Reue, Verzicht. Heimlicher Hauptakteur des Stücks: Eine unbewohnte Insel, auf der nur Waldgeist Ariel (Emma Rüsche und Janina Bäumer) arglose Zeiten verbringt.

Erst wird Hexe Sycorax auf die Insel verbannt, die dort den missgestalteten Caliban (Jan Hoppius) zur Welt bringt. Dann wird Prospero (Jennifer Miller), der Herzog von Mailand mitsamt Tochter Miranda (Ann-Kathrin Wilhelm) auf der Insel abgeladen – er hatte sich zu wenig um die Staatsgeschäfte und zu viel um seine Zauberkünste gekümmert, was wiederum dem eigenen Bruder Sebastian (Jan-Niclas Cash) nicht schmeckte. Ränke, Ränke, Ränke.

Auf der Insel geht es natürlich munter weiter. Porspero mit seinen Zauberkräften bringt das zufällig vorbeifahrende Schiff seiner Erzfeinde in Seenot, sie retten sich auf das Eiland und zanken sich bald um die Herrschaft über den öden Flecken. Geist Ariel will seine Freiheit zurück, Prospero Rache nehmen, Kellner Stephano ordentlich einen heben und am Ende kommt alles irgendwie anders, aber das ist ja oft so. Immerhin ist keiner tot.

Die Inszenierung

Wie in vielen Stücken spielt Shakespeare mit dem Publikum und durchbricht die vierte Wand, das Stück koppelt sich ab von der Bühne, tritt heraus in die Aufführungssituation. Diesen Geist des haben die Schüler voll verinnerlicht. Eigentlich sind englische Renaissance-Dramen für Schüler ja nicht die erste Wahl – aber die 8. Klasse hat schnell der Shakespeare-Funke ergriffen, sagt Klassenlehrer Martin Cuno. „Ich habe ihnen vom Stück erzählt und sie hatten gleich Ideen, wie man was machen könnte“, sagt er.

Wenn das Schiff König Alonsos in Seenot gerät, zucken die Scheinwerfer und rumpeln die Lautsprecher. Die Kostüme erinnern ein wenig an die Ausstattung mancher Stücke der Augsburger Puppenkiste mit den eleganten Hutfedern und Tüllstoffen. Gerade die Requisite, die Kostüme – großes Lob.

Darsteller mit einer körperlichen Behinderung bekommen kurzerhand eine Gehhilfe, wie Maximilian Lenz, der als König Alonso eine majestätische Figur macht. Schülern mit Sprachproblemen helfen Stimmen aus dem Off, die das Akustische ergänzen oder ganz übernehmen. Die Rolle des Luftgeistes Ariel übernehmen halt zwei Darstellerinnen, das funktioniert super.