Siegener entwickelt Demografie-Simulation

Dr. Alexander Hoffmann, Dr. rer.nat. Mathematik, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der statmath GmbH Siegen. Das Unternehmen hat eine Software zur Simulation des demografischen Wandels entwickelt.
Dr. Alexander Hoffmann, Dr. rer.nat. Mathematik, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der statmath GmbH Siegen. Das Unternehmen hat eine Software zur Simulation des demografischen Wandels entwickelt.
Foto: privat
Fachkräftemangel, Geburtenrückgang, Pflegenotstand: mit diesen Stichworten ist der demografische Wandel in aller Munde. Die Frage ist nur, an welchen Stellschrauben muss die Politik drehen. Auch Dr. Alexander Hoffmann kann sie nicht direkt beantworten. Der Gründer und Chef der Siegener Statmath GmbH ebnet vielmehr den Weg dahin.

Siegen/Märkischer Kreis. Fachkräftemangel, Geburtenrückgang, Pflegenotstand: mit diesen Stichworten ist der demografische Wandel in aller Munde. Die Frage ist nur, an welchen Stellschrauben muss die Politik drehen. Auch Dr. Alexander Hoffmann kann sie nicht direkt beantworten. Der Gründer und Chef der Siegener Statmath GmbH ebnet vielmehr den Weg dahin.

Speziell für die Kreise in Südwestfalen gibt es jetzt ein Computerprogramm, das die Auswirkungen bestimmter Einflüsse konkret darstellt. „Es gibt weder den Fachkräftemangel noch den demografischen Wandel“, sagt der 29-jährige Mathematiker und Firmengründer. Die Demografie-Simulation zeige, dass es zwischen den Kreisen und zwischen einzelnen Gemeinden große Unterschiede gibt. „Junge Menschen ziehen eben in die Hochschulstädte; Orte, wo ein Arbeitgeber 50 Prozent der Arbeitsplätze stellt, funktioniert ganz anders als eine Stadt mit vielen kleinen Unternehmen“, erklärt Hoffmann.

Die Politik müsse wissen, welche Stellschrauben welche Auswirkungen haben, um kluge Entscheidungen zu treffen. „Wenn ich die Frauenerwerbsquote erhöhe, stellt sich doch gleich die Frage, wie viele Kinderbetreuungsplätze ich dann brauche.“ Oder: „Etwa zehn Prozent der Beschäftigten in Südwestfalen haben einen Hochschulabschluss, aber 30 Prozent der jungen Leute streben einen an.“ Ziel seien bundesweit sogar 40 Prozent. „Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn die jungen Leute hier wegziehen.“ Bislang seien die Auswirkungen des demografischen Wandels nur qualitativ bewusst. Die Demografie-Simulation decke Strukturprobleme quantitativ messbar auf. „Wir hätten gar keinen Fachkräftemangel, wenn wir die jungen Leute nicht zurückließen“, ist der Siegener sicher. Er hat das Programm mit statistischen Daten der letzten 15 Jahre aus Städten, Kreisen, Arbeitsagenturen und mehr gefüttert. Deshalb weiß er: „Erst wenn die geburtenstarken Jahrgänge in sieben bis acht Jahren in Rente gehen, droht das System zu kollabieren.“

Die Programm-Nutzer können selbst die Parameter ändern, d.h. an Stellschrauben wie Geburtenrate, Frauenerwerbsquote, Arbeitsplätze (selbst kleinteilig nach Branchen und Arbeitnehmerstrukturen) drehen. Die Simulation macht die Folgen für die jeweils anderen Bereiche sichtbar. Wenn der Stadtrat ein Neubaugebiet für junge Familien schaffe, werde deutlich, wie sich das Verhältnis Erwerbstätige: Pflegebedürftige ändert. Zurzeit kommen in Südwestfalen 15 Erwerbstätige auf einen Pflegebedürftigen. Die Prognose zeigt, dass diese Relation im Jahr 2037 nach jetzigem Stand bei unter zehn zu eins liegen wird. Hoffmann: „Da sieht man erst, was wir in Zukunft schultern müssen.“

 
 

EURE FAVORITEN