„Seriöse Kaffeefahrten gibt es nicht“

Astrid Goetze (Verbraucherzentrale) und Uwe Jeschke (Polizei) warnen vor den Tricks der Kaffeefahrtsveranstalter.
Astrid Goetze (Verbraucherzentrale) und Uwe Jeschke (Polizei) warnen vor den Tricks der Kaffeefahrtsveranstalter.
Foto: Ilka Wiese

Siegen.  Einladungen der Firma „von Radenstein“ sind Anfang der Woche in vielen Siegener Briefkästen gelandet. Versprochen wird ein Gewinn von 946,04 Euro. Die klassische Kaffeefahrten-Masche. Damit keiner darauf reinfällt, klären Verbraucherberaterin Astrid Goetze und Uwe Jaschke, Leiter des Siegener Komissariats für Kriminalistätsvorbeugung und Opferschutz, auf.

Woran erkenne ich die Einladung zur Kaffeefahrt?

„Herzlichen Glückwunsch Frau Müller...“ – Das Anschreiben ist persönlich verfasst, die Briefe landen jedoch als Massensendung in sehr vielen Briefkästen. Häufig werden die Adressaten dazu eingeladen, einen persönlichen Gewinn abzuholen, verbunden mit einem kostenlosen Ausflug (Ziel unbekannt), einem Gratis-Essen und einem attraktiven Programm. Das Programm entpuppt sich dann als reine Kaufveranstaltung. In dem Brief werdeb Meist werden die Menschen schon in dem Brief unter Druck gesetzt. Dort stehen Dinge wie: „Melden Sie sich schnell, sonst verfällt der Gewinn“ oder „Wir haben uns die Mühe gegeben, den Gewinn nur für Sie zurückzuhalten, also melden Sie sich bitte schnell.“ Außerdem geben die Firma häufig keine real-existierende Adresse an oder nur ein Postfach. „Seriöse Kaffeefahrten gibt es nicht, nehmen Sie am besten gar nicht teil“, sagt Astrid Goetze von der Verbraucherzentrale NRW.

Ich fahre trotz aller Warnungen mit, was erwarten mich?

Wer einfach nur etwas erleben möchte, muss mit diesem Zeitablauf rechnen: Drei Stunden Busfahrt meist ins Nirgendwo, eine Stunde Essen, eine Stunde Ausflug und fünf Stunden reine Verkaufssendung. Gewinne werden nie ausgezahlt.

Was wird verkauft?

Minderwertige und völlig überteuerte Ware, die vollmundig angepriesen wird, deren Wirkung zweifelhaft ist. Auf dem freien Markt gibt es die Produkte nicht, so ist kein Vergleich möglich. Gerade im Trend: Nahrungsergänzungsmittel für mehr als 1000 Euro, immer noch im Trend: Haushaltswaren wie Töpfe.

Wie stark muss ich sein, um nichts zu kaufen?

Sehr stark. Die Teilnehmer werden mit psychologischen Tricks massiv unter Druck setzt. Wer zum Beispiel kaufunwillig ist, wird vor den anderen vorgeführt und von der Gruppe isoliert. Es wird damit gedroht, die Teilnehmer nicht mehr mitzunehmen. „Die Veranstaltung ist so ermüdend, dass man sich am Ende freikauft, damit es aufhört“, warnt Uwe Jeschke, Leiter des Siegener Komissariats für Kriminalistätsvorbeugung. Die andere Masche ist die Mitleidstour nach dem Motto: „Wenn Sie nichts kaufen, können wir den Busfahrer nicht bezahlen.“

Worauf soll ich besonders achten?

Nehmen Sie nur eine geringe Menge Bargeld mit, geben Sie Ihre EC-Karte nie aus der Hand. Tauschen Sie schon vorab Namen und Telefonnummern mit anderen Mitfahrern aus, so haben Sie später Zeugen. Sollten Sie doch etwas kaufen, achten Sie auf das Datum im Kaufvertrag, oft sind die Kaufverträge vordatiert, damit man vom 14-tägigen Widerrufsrecht keinen Gebrauch machen kann.

Wird im Siegerland besonders häufig zu Kaffeefahrten eingeladen?

Nein. „Das geschieht immer in Wellen“, erklärt Astrid Goetze. Im aktuellen Fall der Gewinnbenachrichtigungen der Firma „von Randenstein“ rechnet sie mit bis zu fünf Anrufern dazu am Tag.

Kann die Polizei denn nichts dagegen tun?

Das Anschreiben stellt keine Straftat dar. Die Firmen müssen ihre Veranstaltung bei den ortlichen Gewerbeämtern anmelden und eine Reisegewerbekarten vorlegen. Oft wird das ignoriert, deshalb wird in den Anschreiben auch kein Ziel angegeben. Die Polizei kommt ins Spiel, wenn die Türen verschlossen werden und den Teilnehmern gedroht wird: „Sie kommen hier erst raus, wenn Sie etwas kaufen.“ Rufen Sie sofort die Polizei, hierbei handelt es sich um Nötigung, Erpressung und wenn die Türen abgeschlossen werden sogar um Freiheitsberaubung. Außerdem müssen solche Ausflugsfahrten immer zum Startort zurückführen, der Veranstalter ist verpflichtet, Sie wieder mitzunehmen.

Ich habe mich zum Kauf drängen lassen, was kann ich jetzt tun?

Melden Sie sich bei der Verbraucherzentrale. Das Geld zurückzubekommen, ist schwierig, aber möglich. Außerdem kann die Firma von der Verbraucherzentrale abgemahnt werden.

 
 

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