Schwertransport-Begleitung wird in Siegen privatisiert

Die Polizei möchte die Begleitung von Schwerlasttransporten auf private Sicherheitsfirmen übertragen.
Die Polizei möchte die Begleitung von Schwerlasttransporten auf private Sicherheitsfirmen übertragen.
Foto: Matthias Graben
Schwertransport-Begleitung wird auf Private umgestellt. Polizeirat Nehring aus Siegen in der Schlüsselrolle. Projekt noch in der Experimentierphase.

Siegen.. Autofahrer werden sich bald verwundert die Augen reiben: Die Begleitfahrzeuge vor einem Schwertransport sind nicht mehr sofort zu identifizieren: Nicht blau wie Polizei oder rot wie Feuerwehr. Sondern gelb. Mit großen Signalgebern auf dem Dach, die dem vorausfahrenden Verkehr Verkehrszeichen zeigen.

Gelb steht für privaten Schwertransportservice und für ein Experiment, bei dem NRW und hier vor allem der Kreis Siegen-Wittgenstein Vorreiter sind. Lässt sich die Begleitung zu beiderseitigem Nutzen privatisieren? So lautet die spannende Frage und sie ist nicht mit dem Stereotyp zu beantworten, wonach Privat immer vor Staat geht.

„Wir haben unter anderem das Ziel, dass künftig die bisher durch die Polizei erfolgte Begleitung von Schwertransporten durch private Begleitunternehmen durchgeführt wird und diese Begleitfahrzeuge im Bewusstsein der Öffentlichkeit präsenter werden“, sagt einer, der es wissen muss: Polizeirat Sebastian Nehring (36) von der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein hat die Leitung der landesweiten Arbeitsgruppe „Transportbegleitung durch Private“ übernommen.

Großer Wurf geplant

Dabei ist nichts weniger als ein großer Wurf geplant: Die private Begleitung von Schwerlasttransporten landesweit und möglichst sogar bundesweit zu realisieren, wie Nehring betont.

Das kann aber unter Umständen noch etwas dauern, andere Bundesländer haben eigene Vorstellungen und außerdem müssen Vorschriften der Straßenverkehrsordnung bzw. die Richtlinie für Schwertransporte angepasst werden, ohne dass dies zu Lasten der Verkehrssicherheit geht.

Aktuell laufen sieben Teilprojekte in NRW verteilt, bei denen Schwertransporte durch Privatfirmen begleitet werden können, berichtet der Mann, der bis dato den Leitungsstab bei der Kreispolizeibehörde führte: Im Kreis Siegen-Wittgenstein, im Oberbergischen Kreis sowie in den Städten Köln, Bonn, Düsseldorf, Dortmund und Euskirchen.

Nehring soll alle sieben Teilprojekte koordinieren, seine Erfahrungen berichten und bei der Beantwortung der Frage mitwirken, was sich wohl bundesweit entwickeln wird. Eine schwierige Aufgabe. Noch ist alles im Experimentierstadium - ein Ausnahmetatbestand von geltendem Recht und Gesetz, der noch bis zum Jahresende genehmigt ist.

Marode Straßen und Brücken auf der A45

Warum aber gerade Siegen-Wittgenstein als Projektregion? Weil das Problem, bis zu hundert Tonnen schwere Walzen an Kunden in aller Welt zu liefern, vielen Betrieben auf den Nägeln brennt. Wichtig ist es, den Rhein oder einen Seehafen per Lkw zu erreichen. Marode Straßen und Brücken vor allem auf der A45 verstärken das Problem.

Folge: Mit bis zu 20 Transportbegleitungen pro Nacht belastete Polizeibehörden, abenteuerliche Umwege über Landstraßen, die Stunden kosten, bürokratischer Aufwand. Dieses Problem ist, befeuert durch den Hilchenbacher Maschinen- und Anlagenbauer SMS Siemag und die Industrie- und Handelskammer, bis zu NRW-Verkehrsminister Groschek vorgedrungen.

Höhere Flexibilität

„Ich stelle mir für betroffene Unternehmen wie für die bisher begleitende Polizei eine Win-Win-Situation vor“, bescheibt Nehring seine Zielvorstellung: „Jeder Transport, der ausschließlich von Privaten begleitet wird, entlastet unsere Polizeibeamten. Und die Unternehmen profitieren insbesondere von einer höheren Flexibilität bei der Planung und Durchführung der Transporte.“

Die ersten Erfahrungen sind positiv: Über 400 Schwertransporte seien in NRW bislang ausschließlich von Privaten begleitet worden, über 95 Prozent davon im Kreis Siegen-Wittgenstein und im Oberbergischen Kreis, so der Polizeirat. Und zwar problemlos und ohne Unfälle.

Ob dadurch die Bürokratie kleiner wird, bleibt offen. Nehring ist Realist: „Was vorher durch die Polizei während der Transportbegleitung gemacht wurde, wird ersetzt durch einen Auflagenkatalog, den die Firma mit der Genehmigung des Transports bekommt.“ Eines ist jetzt schon klar: Die Begleitung durch Private kann die Polizei entlasten, ohne dass die Sicherheit leidet. Maroden Straßen und Brücken ausbessern kann auch sie nicht.

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