Schüler aus Netphen setzen Ideen bei Afrika-Projekt um

Medienkunst-Studentin Jana Luck erklärt den Schülerinnen, wie Fotokameras funktionieren.
Medienkunst-Studentin Jana Luck erklärt den Schülerinnen, wie Fotokameras funktionieren.
Foto: WP
24 Jugendliche von der Realschule Netphen nehmen an dem Projekt „Mach dir ein Bild“ teil. Sie arbeiten mit einem Team in Ruanda zusammen.

Netphen.. 6236 Kilometer Luftlinie. Die Distanz zwischen der Stadt Kigali in Ruanda und Netphen im Siegerland. Eine Entfernung, die bei dem Projekt „Mach dir ein Bild“ aber keine Rolle spielt. „Dieses Projekt“, sagt Ursula Wussow, Lehrerin an der Realschule in Netphen, „ist ein Unikat.“

Es ist Workshop-Woche. 24 Schüler aus der neunten und zehnten Klasse der Realschule entwickeln in den Räumen des Gymnasiums Ideen. Die wollen sie gemeinsam mit dem Team des My-Talent-Projekts der Root Foundation aus Ruanda umsetzen – multimedial: im Radio, im Internet, mit Videos, Fotos und Musik.

Song in Ruanda komponiert

Eine neue Band gibt es schon. Jan (15) spielt Schlagzeug, Fynn (16) Bass, Lorik (15) Percussions. Am Klavier sitzt Musiklehrer Christoph Mann. Der Song heißt „Let’s talk about love“. Er wurde in Ruanda komponiert, die Musiker in Netphen erweitern ihn. „Zum Beispiel mit Hip Hop“, sagt Ursula Wussow.

Das Videoteam schaut und hört aufmerksam zu. Dessen Aufgabe: ein Musikvideo zum Song zu drehen. In der fertigen Version sollen 50 Prozent der Szenen aus Ruanda stammen – die andere Hälfte aus Netphen. Teamwork zu gleichen Anteilen also.

Johanna arbeitet nicht nur im Videoteam. Sie steht auch in Kontakt mit Marie Köhler. Die aus Herne stammende Fotografin hatte die Idee eines weiteren Afrika-Projektes. Damit war sie zu den letzten beiden Jahrgängen der Realschule gekommen. „Wir skypen mit ihr immer dienstags“, sagt Johanna. „Die Schüler berichten über die Fortschritte in ihren Workshop-Gruppen“, ergänzt Ursula Wussow.

Während die Jugendlichen im Musikraum am Song feilen, verteilt Jana Luck in einem Klassenraum auf der oberen Etage analoge Fotokameras. Jeder Schüler bekommt eine – dann erklärt die Medienkunst-Studentin aus Halle an der Saale, wie sie funktionieren. Wie die Schüler die Belichtung regeln, was ein Iso-Wert ist, wie sie den Fokus einstellen.

„Ihr müsst euch genau überlegen, was ihr fotografieren wollt, denn der Film hat nur 36 Bilder“, sagt Jana Luck. „Da macht man nicht wie bei einer Digitalkamera einfach klick-klick-klick.“

Sie zeigt den Schülern das Fotobuch „Mach dir ein Bild“ von Marie Köhler – als Inspiration für eigene Bilder. Bis nächsten Donnerstag haben die Schüler Zeit, dann müssen sie ihren Film abgeben. „Gebt euch bitte Mühe, die besten Bilder kommen in die Ausstellung“, verspricht Ursula Wussow.

Die Ausstellung zum Projekt ist am 20. Februar in Netphen. Ein wichtiger Termin für die Realschule, denn damit verbindet sie auch die Hoffnung, zur Unesco-Schule zu werden.

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Root Foundation will Talente von Kindern entdecken

Patrick Kiruhura aus Ruanda hat die Root Foundation in Kigali gegründet. In dieser Woche begleitet er die Workshops in Netphen.

Herr Kiruhura, worum geht es bei der Root Foundation?

Patrick Kiruhura: Wir wollen Straßenkinder in die Schule bringen und auch auch deren Talente entdecken. Ich habe mich dafür viel mit Kindern unterhalten, um ihr Vertrauen zu erlangen. Das war ein langer Weg.

Wie haben Sie diese Organisation gründen können?

Kiruhura: Die Regierung hat mir dabei sehr geholfen und ein Zertifikat ausgestellt. Sie hat uns auch ein Gebäude zur Verfügung gestellt, in dem wir unsere Zentrale haben. Jetzt sind wir eine Nichtregierungsorganisation, eine NGO.

Welche Bedeutung hat das Projekt My Talent?

Kiruhura: Viele Kinder, die wir in Ruanda getroffen trafen, hatten wenig Selbstbewusstsein. Sie sahen wenig Perspektiven für ihre Zukunft. Durch My Talent wollen wir sie auch dabei unterstützen, ihre Schule abzuschließen, damit sie danach vielleicht etwas Eigenes für sich schaffen können.

 
 

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