Rustikale Gemütlichkeit am Schloss Junkernhees

Zum Tag des offenen Denkmals war erstmals wieder Schloss Junkernhees für die Öffentlichkeit zugänglich. Kernstück des Gebäudes ist die Küche.
Zum Tag des offenen Denkmals war erstmals wieder Schloss Junkernhees für die Öffentlichkeit zugänglich. Kernstück des Gebäudes ist die Küche.
Foto: Hendrik Schulz
Strohballen liegen auf der Straße, es duftet nach frischen Haubergswaffeln, Kinder toben umher. Rustikale Gemütlichkeit am Schloss Junkernhees. Gestern war das ehemalige Wasserschloss Junkernhees zum ersten Mal seit drei Jahren wieder geöffnet.

Junkernhees..  In der Küche verbreitet ein riesiger Leuchter funzlig-heimeliges Licht, es riecht immer noch nach geräuchertem Schinken. „Den Duft bekommt man nach hunderten Jahren auch nicht mehr raus“, sagt Christian Gerhard, Schriftführer des neugegründeten Vereins zur Erhaltung des Schlosses. Die Schinken an den Eisenhaken unter den schweren Deckenholzbalken sind aber aus Gummi. Der zerzauste ausgestopfte Keiler an der Wand grinst hämisch dazu.

Historische Substanz erhalten

Oben auf der Empore sitzt Anna Wetz im historischen Gewand am Webstuhl. Nur ein Teil der Räume ist zugänglich, der Verein ist erst seit wenigen Wochen am Werk. Aufräumen, putzen, streichen – das Gemäuer strahlt aber schon genau die gutbürgerliche Gemütlichkeit aus, die der Verein zeigen will. Neben der Substanzerhaltung. Stuckdecken, knarzende Bodendielen und Treppen – alles original. Am Wochenende oder nach Feierabend wird das Schloss auf Vordermann gebracht.

„Wir möchten Präsenz zeigen: Das Schloss ist wieder zugänglich“, sagt Schriftführer Gerhard. Viele Mails und Anrufe haben sie erhalten, die Menschen interessieren sich für das Renaissanceschloss, das einst Teil einer wesentlich größeren Anlage war. Von den Nebengebäuden steht aber nur noch die alte Mühle ein Stück die Straße runter.

Außerdem bereitet der Verein die Geschichte des Schlosses auf. Im ausgehenden 13. Jahrhundert baute Adam von der Junkernhees im Zuge einer Erbteilung mit seinem Bruder Philip einen neuen Wohnsitz.

Disco im alten Gemäuer

Die Familie gehörte zum kurkölnischen Adel, das Erzbistum expandierte in den nassauischen Raum hinein – zu dieser Zeit war Mehrfachvasallität nichts Außergewöhnliches. Später fiel Junkernhees wieder an Nassau, bis im 17. Jahrhundert das Besitztum an die Familie von Syberg fiel – die von der Junkernhees hatten nur Töchter. Nach der Franzosenzeit fiel das Schloss an Preußen, wurde zum Gutshof, bis in den 1830er Jahren die Familie Belz eine Gaststätte in dem Gebäude eröffnete.

Eine bewegte Geschichte. Dazu passt auch, dass in den 1960er Jahren eine Disco in den altehrwürdigen Räumen betrieben wurde – ein ungewöhnliches Ambiente. 1971 kaufte die Familie Beer Schloss Junkernhees und betrieb Hotel und Gaststätte bis zur Schließung vor drei Jahren.

 
 

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