Richtfunk schließt Lücken im Datennetz

Siegen-Wittgenstein.  21 „leere Flecken“, Gebiete mit einer Datenversorgung langsamer als 2000 Kilobit pro Sekunde, hat die Telekommunikationsgesellschaft Südwestfalen (TKG) in einem Jahr getilgt und Privat- und Gewerbekunden mit flüssigem Internetanschluss versorgt. Mit der Fertigstellung des Richtfunkmasten bei Neunkirchen wird bald der Verbundring für den Kreis Siegen-Wittgenstein geschlossen. Das berichtete Dipl.-Ing. Michael Krämer gestern dem Kreisausschuss für Wirtschaft und Regionalentwicklung.

Die fünf Kreise Südwestfalens bedecken eine Fläche von 18 Prozent des Landes NRW, stellen aber nuracht Prozent der Bevölkerung. „Für große Telekommunikationsunternehmen wenig attraktiv“, so Krämer. Hier springt die TKG mit ihren Richtfunkanlagen in die Bresche: Glasfaserkabel sind aufgrund der Tiefbauarbeiten teuer; die Funk-Ortsnetze seien bewährt und sicher. Die kommunale Datenzentrale Westfalen-Süd funktioniert beispielsweise mit dem System.

Eingekauft wird die nötige Bandbreite bei der Telekom und über bislang drei Knotenpunkte dorthin geschickt, wo eine Unterversorgung vorliegt. Diese sind sozusagen in Reihe geschaltet, wenn einer wegbricht, kommt am Ende der Kette nichts mehr an. Mit der Fertigstellung des vierten Knotenpunkts (POP) bei Neunkirchen wird der Ring geschlossen; fällt einer aus, wandern die Daten eben anders­herum ans Ziel – vereinfacht gesagt. „Das Sprungbrett aus dem Sieger- ins Wittgensteiner Land ist fast fertig“, berichtete Krämer. Wenn diese PoPs nicht ausreichen, werden gegebenenfalls einzelne Masten zur Unterverteilung aufgestellt, die weitere Ortsnetze aufspannen.

Diese Ortsnetze können überall entstehen, wo das Internet langsamer ist als die genannten 2000 Kbit/s Downloadgeschwindigkeit, wie Krämer erklärt. Die TKG plant bei Bedarf vor, veranstaltet einen Informationsabend vor Ort und sobald 20 Unterschriften von Kunden zum Vertragsabschluss – bei Gewerbekunden noch weniger – vorliegen, kann das Bauvorhaben nach der Suche eines geeigneten Grundstücks in 6 bis 12 Wochen umgesetzt werden und der Ort geht ans Netz. Dabei spiele es keine Rolle, ob der bestehende Vertrag erst in der Zukunft ausläuft; die schriftliche Zusage reiche als Grundlage aus.

„In Freudenberg-Bottenberg mussten die Bürger bei jedem Regen fürchten, dass Wasser ins Kabel läuft“, erzählt Krämer, „dem konnten wir abhelfen.“ In einem Ort bei Burbach wurde teils mit analogem Modem gesurft. Der Lückenschluss des Telekommunikationsrings rund um den Kreis Siegen-Wittgenstein sei aber keineswegs das Ende: „Möglichst viele weiße Flecken tilgen“, gibt Krämer als Ziel aus. Bis Jahresende wolle man 400 bis 500 weitere Kunden gewonnen haben.

Dörfer als Wohnraum attraktiver

Als eine der „besten Entscheidungen des Kreises in letzter Zeit“ bezeichnete Ausschussvorsitzende Annette Scholl (SPD) das Vorhaben. Es werde gewährleistet, dass kleine Betriebe in den Orten bleiben, auch für Mieter würden bislang unterversorgte Dörfer als Wohnraum attraktiv. „Dann stellt sich die Frage der Geschwindigkeit.“

 
 

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