Region zwischen Hauberg und Uni

Tag der Region: Beim Tag der Region gab es für jeden was zu sehen: ob groß oder klein.
Tag der Region: Beim Tag der Region gab es für jeden was zu sehen: ob groß oder klein.
Foto: David Hilpert

Siegen..  Der „Tag der Region“ in der Siegener Oberstadt war ein gewagter Erstversuch. „Wir haben keinerlei Erfahrungswerte“, schickte Organisator Jens Aspelmeier von der Uni Siegen voraus. Das Ergebnis erwies sich als experimentell, fragmentarisch und überbordend. Eine Zusammenschau.

Die Idee

Dass eine Region wie das Siegerland in einem globalisierten Europa an Bedeutung gewinnt, mag überraschend sein. „Der Gegensatz Globalisierung gegen Regionalisierung existiert nicht“, betont Aspelmeier. „Wer sich im globalen Raum nicht verlieren will, benötigt eine Identität.“ Maßgeblich sei die Region, in der wir aufwachsen. Sie präge Persönlichkeiten: „Identität ist etwas, was im Erleben wurzelt, was wir so mitbekommen. Ob wir wollen oder nicht.“

Grund genug, die Region neu zu entdecken. Genau das war das programmatische Motiv der Veranstalter: „Institutionen und Akteure ins Gespräch zu bringen.“ Vordenker aus der Uni sollen sich bei einer Siegerländer Waffel mit Vertretern aus Schulen, Vereinen und Unternehmen zusammensetzen, um über die die Vergangenheit und Zukunftsfähigkeit der Region zu diskutieren. Aspelmeier: „Viel zu oft war die Rede von ‚denen da oben auf dem Bildungshügel‘.“ Am Tag der Region „kommt die Uni in die Stadt.“ Soweit die Vorstellung.

Die Wirklichkeit

Ein Blick auf das Tagesprogramm verriet: Die Veranstalter wollten den ganz großen Bogen schlagen. Los ging es am Samstagmorgen mit einer wissenschaftlichen Einordnung. Der Tenor: „Das Siegerland war nicht immer da“, dozierte Historiker Aspelmeier. Der Gießener Professor Vadim Oswald ergänzte, „dass Räume nicht sind, sondern von Menschen gemacht werden.“

Allerdings hantierten die Experten dabei derart virtuos mit Begriffen wie „Potenzialentfaltungskultur“ und „der Suggestivkraft von Raumargumenten“, dass sie das Publikum abzuhängen drohten. Nach drei Stunden verabschieden sich die Teilnehmer deshalb dankbar in die Mittagspause. Verbringen konnten sie die auf der benachbarten Fissmer-Anlage, die ein buntes Programm bereithielt. Neben kulinarischen Köstlichkeiten aus dem Siegerland präsentierten dort Burbacher Schülerinnen fachmännisch traditionelle Haubergswerkzeuge wie Beil und Häbe. Grundschulkinder aus Wenden ließen Max und Moritz auf der Bühne ihr Unwesen treiben – selbstverständlich auf Siegerländer Platt.

Zurück in den Vortragsräumen wartete ein Reigen von Vorträgen von Institutionen aus der Region . Allerdings lockte diese Aussicht weniger Interessenten als erhofft. Den Zuhörern bot sich eine abgespeckte Version des geplanten Programms. Eigentlich sollten sich drei Vortragsketten parallel durch den Nachmittag ziehen. Wie es jetzt aussah, ließ sich ohnehin höchstens ein Raum füllen.

Der Programmrumpf war immer noch korpulent. Da wurde die wirtschaftliche Bedeutung Südwestfalens ebenso durchgehaspelt wie Bildungsprojekte, Vorträge über die zunehmende Heimatliebe der Siegerländer standen neben solchen über die NS-Vergangenheit. „Es kann sehr belebend sein, wenn man hört, was andere machen“, fand Historiker Dieter Pfau.

Der Haken: Wo Facettenreichtum durchschimmerte, blieb ein Einordnen matt. Verschiedenste Aspekte reihten sich aneinander, lose mit dem Thema „Region“ verknüpft und untereinander noch loser. Diskussionen über einen Vortrag gestand das pralle Programm nur wenig Raum zu. Austausch ermöglichen ist das eine. Aneinander vorbeireden das andere.

Was bleibt

Allein weil sich die Masse an Präsentationen nicht bewältigen ließ, versprach Mitorganisator Pfau daher eine Fortsetzung. Zeit genug für die Organisatoren, den Aufbau der Veranstaltung zu überdenken. Der Tag der Region sollte abspecken – etwa durch eine konkretere Leitfrage. Anderenfalls droht er, das Publikum und sich selbst zu erdrücken. Dabei war den Leuten anzumerken, dass sie den Ansatz als goldrichtig empfanden: Die Vortragsreihe schäumte vor Ideen-Fragmenten, sie war an ihren besten Stellen sogar inspirierend Ein Experiment zwar. Aber eines, das dringend wiederholt werden muss.

 
 

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