Radring gegen Wasserleitung

Radring Netphen Fahrrad Radwege
Radring Netphen Fahrrad Radwege
Foto: WR

Netphen.. Rüdiger Bradtka (CDU) sprach von einem „Schildbürgerstreich“, Manfred Heinz (SPD) von einem „Skandal“: Keine zwei Jahre nach seinem Bau soll der Radweg auf dem ehemaligen Damm der Kleinbahn zwischen Netphen und Deuz erst einmal wieder untergepflügt werden. Der Wassserverband möchte dort seine Transportleitung nach Wittgenstein verlegen. Vier Monate lang, mitten im Sommer, gäbe es den Radweg dann nicht mehr: „Immerhin werden dann alle auf diesen Schwachsinn aufmerksam“, sagte Heinz.

„In den nächsten zehn Jahren nicht“, stellte Helmut Buttler (UWG) klar, und dann gab der Stadtentwicklungsausschuss der Verwaltung auf Antrag der SPD einen einstimmigen Auftrag: Die Stadt wird den Leitungsbau unter dem Radweg nicht gestatten, der Wasserverband muss für die zweite Leitung nach Wittgenstein, deren Baustelle bereits Dreis-Tiefenbach erreicht hat, neu planen.

Damit dürfte er nicht gerechnet haben, zumal die Stadt schon „Zustimmung in Aussicht gestellt“ hatte, wie es in der Vorlage hieß. Denn selbst wenn der Wasserverband den Radweg hinterher auf seine Kosten neu bauen müsste, hätte er gegenüber dem nun fälligen „Umweg“ durch den Wald rund 100 000 Euro gespart, die die Gebührenzahler zu spüren bekommen.

Land zahlte520 000 Euro

„Wir waren genauso erschrocken“, berichtete Bau-Fachbereichsleiter Erwin Rahrbach über das Ausmaß der Überraschung, als der Wasserverband kurz nach Fertigstellung des Radweges seine Planung vorlegte. „Normalerweise klappt die Abstimmung zwischen den Behörden einigermaßen.“ Allerdings war auch die Netphener Planung einigermaßen spontan. „Wir bekamen den Radweg ziemlich schnell“,

Jahrelang hatte die Stadt darauf gewartet, dass der Landesbetrieb Straßenbau grünes Licht für den Neubau eines Radweges entlang der L 729 bekam. Der hätte den streckenweise längst nicht mehr befahrbaren Weg neben den damaligen Bahngleisen und durch den Wald ersetzt – da, wo jetzt auch die erste Leitung des Wasserverbandes liegt. 2009 erst wurde die jetzige Lösung gefunden: Der Radweg wurde auf den nun nicht mehr benötigten Bahndamm gelegt.

Für den 2,3 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Naturschutzgebiet Auenwald und dem Deuzer Indu­striegebiet Waldstraße flossen 520 000 Euro Landesmittel aus einem Programm für die Neunutzung von Bahntrassen. Im Sommer 2010 gab auch der Landschaftsbeirat grünes Licht, kurz darauf wurde mit dem Bau begonnen.

Rüdiger Bradtka (CDU) versuchte noch eine goldene Brücke zu bauen und fragte, ob denn neben die Wasserleitung wenigstens noch die sonst so begehrten Glasfaserkabel verlegt werden könnten. „Leider nicht“, erwiderte Wirtschaftsförderungs-Bereichsleiter Johannes Schneider, ausgerechnet Netphen und Deuz sind schon gut an die Datenautobahn angebunden. Dass den Wittgensteinern neben der Verkehrsanbindung („Route 57“) nun womöglich auch das Wasser abgegraben werde, bedauerte Reiner Engelhard (FDP). Vorsitzende Annette Scholl (SPD) nahm das genauso wenig ernst: „Dafür nehmen wir dann alle das BLB-Autokennzeichen...“

 
 

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