Radfahrkonzept hat nicht nur Fans

Florian Adam

Siegen.  Die Chancen für Fahrradfahrer stehen gut, auch künftig die Bahnhofstraße nutzen zu dürfen. Auch der Verkehrsausschuss gab nun grünes Licht für das „Radverkehrskonzept im Projektgebiet Siegen – Zu neuen Ufern“. Neun Ja-Stimmen standen allerdings zwei „Neins“ der CDU und einem der UWG gegenüber, ferner einer Enthaltung. Der Ansatz hat nämlich seit jeher nicht nur Fans.

An den neuen Ufern sollen sich laut Projektzielsetzung auch Radfahrer willkommen fühlen. Um die Möglichkeiten für tragfähige Regelungen auszuloten, ist deshalb seit rund einem Jahr „die Bahnhofstraße zwischen ZOB und Brüder-Busch-Straße versuchsweise für Radfahrer freigegeben“, wie in der Vorlage erläutert ist. Inzwischen könne „festgestellt werden, dass sich das Nebeneinander von Fußgängern und Radfahrern in der Bahnhofstraße bewährt hat“, heißt es weiter.

„Wer hat das festgestellt?“, erkundigte sich Christian Doppler (CDU). Die Stadt habe eine Kamera installiert und keine Auffälligkeiten registriert, antwortete Anke Schreiber, Leiterin der Abteilung Straße und Verkehr.

„Die Wahrnehmung der Polizei ist eine andere“, berichtete hingegen Ulrich Schlabach von der Siegener Polizei. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate habe es auf der Bahnhofstraße zwar nur einen Unfall mit Fahrradbeteiligung gegeben, bei dem ein Fußgänger verletzt wurde. Eine Nachfrage bei den Kollegen des Bezirksdienstes habe aber ergeben, dass diese durchaus mehrfach von Fußgängern wegen Problemen mit Radfahrern angesprochen worden seien: Es gebe Beschwerden „über die Art, wie gefahren wird“.

Dabei gehe es nicht nur um zu schnelle Zeitgenossen, sondern auch um so genannte Freerider, die mit ihren Drahteseln Kunststücke vollführen. Wegen der Freigabe der Bahnhofstraße für Radfahrer sei das nicht verboten: „Den Kollegen sind da die Hände gebunden.“ Schlabach fragte, ob die Lösung mit der Bahnhofstraße zwingend sei – schließlich könnten Radfahrer auch ohne großen Umweg die parallel verlaufende Fürst-Johann-Moritz-Straße benutzen. Auch Manfred Schmidt, Mitglied des Behindertenbeirats und als sachkundiger Bürger im Verkehrsausschuss, äußerte massive Sicherheitsbedenken: „Ich möchte mich völlig gegen das Konzept aussprechen.“

Michael Groß (Grüne) bezog sich auf die Ergebnisse der städtischen Beobachtung – und reagierte auf die Argumente gegen eine Fahrradfreigabe der Bahnhofstraße überrascht: „Wir haben beschlossen, wir probieren es aus. Jetzt funktioniert’s – und wir haben diese Diskussion?“ Und Silke Schneider (Linke) äußerte Unverständnis, „wieso in der Stadt Siegen so eine Fahrradfahrer-Phobie herrscht“.

Ausschussvorsitzende Angela Jung (Grüne) berichtete von eigenen Beobachtungen des Miteinanders radelnder und gehender Bürger auf der Bahnhofstraße: „Ich habe mir das angeguckt: Es war sowas von unspektakulär....“ Endgültig entscheiden über das Konzept wird am 2. Oktober der Haupt- und Finanzausschuss.