Projekt „Möbelservice“ verbindet soziales Engagement und Integration

Projektinitiator Christian Dohmen, Anleiter Torsten Thomas, die Projektteilnehmer Ivan Antic und Petrosyan Karen sowie Anleiter Thorsten Mohaupt (von links) sind begeistert vom erfolgreichen Start des Projekts.
Projektinitiator Christian Dohmen, Anleiter Torsten Thomas, die Projektteilnehmer Ivan Antic und Petrosyan Karen sowie Anleiter Thorsten Mohaupt (von links) sind begeistert vom erfolgreichen Start des Projekts.
Foto: WP
  • Hilfe für bedürftige Haushalte
  • Flüchtlinge nehmen an sozialem Projekt teil
  • Verbindung von Integration und Möbelspenden

Netphen.. Petrosyan Karen steht inmitten von blank polierten Tischen, aufeinander gestapelten Stühlen und Sofalandschaften. Nach einem kaum merklichen Kopfnicken wuchten er und sein Kollege Ivan Antic beherzt einen der Tische auf die andere Seite der wie ein überdimensionales Wohnzimmer wirkenden Lagerhalle in Deuz. Der 33-jährige Armenier und der 27-jährige Serbe haben hier in Deutschland nach der Flucht aus ihren Heimatländern ein neues Zuhause gefunden – und helfen jetzt dabei, Bedürftigen ebenfalls eines zu schaffen.

Gleichzeitig ist die Arbeit mit den Möbelstücken für die beiden auch ein weiterer Schritt in Richtung Integration: Denn Karen und Antic sind Teil des Projektes „Möbelservice“, hinter dem die bislang einzigartige Idee steckt, Möbelspenden für bedürftige Haushalte mit der Integration von Menschen mit Fluchthintergrund zu verbinden.

Große Spendenbereitschaft

Seit dem 1. August läuft das Projekt, das der AWO-Kreisverband gemeinsam mit den Siegener Recycling Werkstätten, dem Jobcenter und einigen kommunalen Partnern durchführt. Ziel ist es, benachteiligte Haushalte mit gespendeten und gut erhaltenen Gebrauchtmöbeln auszustatten – und gleichzeitig zur sozialen und beruflichen Integration von Flüchtlingen beizutragen.

Damit dieses Konzept auch funktioniert, werden die Arbeitsplätze, die durch das Projekt entstehen, mit Geflüchteten besetzt. Zuständig sind sie beispielsweise für Abholung, Aufbereitung und Auslieferung der Möbel.

Und bis jetzt funktioniert die Idee hinter dem Möbelservice, nicht zuletzt aufgrund der großen Spendenbereitschaft der Bürger, einwandfrei: „Mehr als 500 Spenden haben uns innerhalb von nur sechs Wochen erreicht. Das ist einfach unfassbar“, sagt Christian Dohmen, stellvertretender Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes. „Viele Spender rufen sogar schon an und fragen, wann wir denn nun endlich kommen und die Möbel abholen“, fügt er lachend hinzu – und bittet um Verständnis für die entstehenden Wartezeiten. „Unsere 30 Projektteilnehmer fahren in vier Teams kreuz und quer durchs Siegerland, aber durch die Lage des Lagers in Deuz und durch die vielen Spenden dauert es manchmal mit der Abholung.“ Ab Oktober sollen die Lagerflächen aber von Deuz nach Siegen verlegt werden, um auch diesem Problem entgegenzuwirken.

Auch die Intention hinter dem Möbelservice liegt Projektinitiator Christian Dohmen am Herzen: „Mir ist es ganz wichtig zu zeigen, dass die Flüchtlinge nicht etwa Probleme, sondern eine Fülle an Ressourcen mitbringen.“

Ein Stück Zeitgeschichte

Dass sie voller Ressourcen stecken, stellen Petrosyan Karen und Ivan Antic mit ihrer Arbeit am Projekt auf eindrucksvolle Weise unter Beweis: „Wenn ich nicht hier bin, dann fehlt mir die Arbeit schon“, sagt Karen. Und auch Torsten Thomas, der als Anleiter die Projektteilnehmer betreut, ist begeistert von dem Engagement der jungen Männer: „Gleich zu Anfang haben uns die Jungs dazu aufgefordert, nur Deutsch mit ihnen zu sprechen. ‘Wir wollen kein Englisch’, haben sie gesagt.“ Für ihn selbst, so Thomas, sei es besonders spannend durch die Arbeit mit den Flüchtlingen ein Stück Zeitgeschichte aktiv mitzugestalten.

Doch die Projektarbeit hat auch einen ganz simplen Nutzen, wie Ivan Antic betont: „Das ist ein guter Sport hier“, so der Serbe, der seit zehn Tagen Vater einer kleinen Tochter ist. „Ich möchte ein starker Papa sein“, fügt er hinzu.

 
 

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