Privates und Öffentliches kombinieren

Der 63. Westfälische Archivtag läuft am 22. und 23. März in der Siegerlandhalle. Im Bild vl: Dr. Marcus Stumpf, Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Steffen Mues, Frank Bender.
Der 63. Westfälische Archivtag läuft am 22. und 23. März in der Siegerlandhalle. Im Bild vl: Dr. Marcus Stumpf, Dr. Barbara Rüschoff-Thale, Steffen Mues, Frank Bender.
Foto: Jens Plaum

Siegen. Was die Jahreshauptversammlung der Sportfreunde Siegen mit den Eheschließungen im Stadtgebiet im April 1976 gemeinsam hat, mag dem Laien auf den ersten Blick verborgen bleiben.

Für Archivare allerdings bietet erst die eher ungewöhnliche Kombination von Privatem und Öffentlichem ein „rundes Bild von Geschichte“, wie die Kulturdezernentin des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Barbara Rüschoff-Thale, im Zuge des Westfälischen Archivtags in der Siegerlandhalle betonte.

Schließlich haben Kommunen Zugriff auf ein breites Spektrum an Vereinen mit teilweise jahrzehntelanger Tradition, ergänzte ihr Kollege Marcus Stumpf, Leiter des LWL-Archivamts für Westfalen. Und damit auf eine ganze Reihe Unterlagen, die dort entstehen, wie Versammlungsprotokolle, Spendenabrechnungen oder Siegerlisten.

Verantwortung für
Geschichtsschreibung

Allerdings müssten sich kommunale Archive explizit um das Sichern solcher „nichtamtlichen Quellen“, wie sie in der Archivarensprache heißen, kümmern. „Unterlagen von Vereinen sind aber nur ein Beispiel für nichtamtliche Überlieferungen“, erläuterte Marcus Stumpf. Entsprechend sorgfältig müssten die Fachleute auswählen und arbeiten – und sich ihrer Verantwortung bewusst sein: „Archivare können Geschichte gestalten“, sagte Barbara Rüschoff-Thale.

Speicherstandards
sind schnell veraltet

Punkt zwei auf der Agenda: „Archive und Medien“. Die neuen Kommunikationsformen wie etwa SMS oder E-Mail seien für Archive keineswegs ohne Probleme, stellten die Experten fest. Auf der einen Seite werde es schwerer, beispielsweise Entscheidungsprozesse in Verwaltung oder Politik zu dokumentieren.

Andererseits ist das elektronische Speichern selbst zum Problem geworden. Auf Disketten etwa, die vor zehn bis zwanzig Jahren noch Speicher-Standard waren, könne heute kaum noch zugegriffen werden: Es fehle die passende Hardware. Zudem gebe es bei Transkriptionen von älteren Computerprogrammen häufig Schwierigkeiten.

 
 

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