Porträt eines Außergewöhnlichen

Die Dokumentation 17 des Verlags der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland ist erschienen. Das Thema des von Hartmut Prange (re) verfassten Bändchens: Der Lehrer, Prediger und Kantor Simon Grünewald. Das Bild zeigt außerdem Klaus Dietermann, der ein Vowort geschrieben hat.
Die Dokumentation 17 des Verlags der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland ist erschienen. Das Thema des von Hartmut Prange (re) verfassten Bändchens: Der Lehrer, Prediger und Kantor Simon Grünewald. Das Bild zeigt außerdem Klaus Dietermann, der ein Vowort geschrieben hat.
Foto: Jens Plaum

Siegen. Simon Grünewald war ein ausgesprochen höflicher Mensch. Hilfsbereit und zuvorkommend. „Ältere Damen und Herren bekommen leuchtende Augen, wenn sie den Namen Simon Grünewald hören“, schreibt Hartmut Prange in der Einleitung seines neuen Bändchens.

Die Spuren jedoch, die der Siegener Lehrer, Prediger und Kantor hinterlassen hat, werden immer blasser, die Erinnerungen immer vager.

Die Familie gerät in Bedrängnis

Hartmut Prange, selbst pensionierter Lehrer, trug für die Dokumentation 17 der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland Quellen aus Archiven in Deutschland, Israel und den USA zusammen.

Auf der einen Seite zeichnet er das Leben des 1870 in Pömbsen Geborenen nach. Auf der anderen Seite versucht Hartmut Prange zu erklären, wer Simon Grünewald eigentlich gewesen ist. Und das war außerordentlich schwierig. Denn: „Es existieren fast keine persönlichen Aufzeichnungen“, erläutert der Autor.

Trotzdem ist es ihm gelungen, zumindest einen Eindruck vom Menschen Grünewald zu vermitteln. Als er sich 1897 um die Stelle eines jüdischen Lehrers und Kultusbeamten in Siegen bewarb, entschuldigte er sich für seine mittelmäßigen Prüfungsnoten: „Daß meine diesbezüglichen Zeugnisse so wenig vorteilhaft lauten, ist eine Folge meiner jugendlichen Unbedachtsamkeit, indem ich das Bild Napoleons I. als Probezeichnung vorlegte und mir dadurch die Prüfungskommission ungünstig stimmte.“ Simon Grünewald bekam die Stelle. Der „ganz feine Mann mit vornehmer Geisteshaltung“ war fortan Teil des öffentlichen Lebens in Siegen. 1938 jedoch geriet seine Familie wegen des Nazi-Terrors immer mehr in Bedrängnis, wie Hartmut Prange eindrucksvoll beschreibt. Er emigrierte mit seiner Frau Johanna in die USA – und starb wenige Monate nach seiner Ankunft in New York.

Einziger Kritikpunkt an dem Heft, den auch Klaus Dietermann im Vorwort formuliert: „Es ist schade, dass diese Würdigung erst in diesem Jahr erscheint.“ Viele, die den außergewöhnlichen Menschen schätzten, leben nicht mehr.

 
 

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