Per Smartphone mobil bleiben

Lavinia Frank
Martin Stein erklärt Gerda Weyer und ihrem Mann die neue Mobilitäts-App
Martin Stein erklärt Gerda Weyer und ihrem Mann die neue Mobilitäts-App
Foto: WP Siegen

Siegen.  Im Laufe des kommenden Jahres soll eine neue Mobilitäts-App für Senioren deutschlandweit auf den Markt kommen. Der Prototyp wird ab dieser Woche getestet – von 19 Nutzern aus Siegen-Wittgenstein.

„Sehr Mobil 100“ heißt das Projekt, das von der Universität Siegen in Kooperation mit dem DRK sowie vielen anderen Partnern ins Leben gerufen wurde und vom Bund gefördert wird. Das Ziel: Ältere Menschen sollen mobil bleiben und weiter am sozialen Leben teilhaben. Und zwar mit Smartphone, Computer und Fernseher. „Die tägliche Mobilität steht im Vordergrund. Die App zeigt verschiedene Möglichkeiten, sicher von Tür zu Tür zu kommen“, erklärt Martin Stein von der Universität Siegen.

Das Programm schlägt Bus- und Bahnlinien, Taxifahrten, DRK-Behindertenfahrdienste, aber auch private Fahrten vor. „Der Kreis Siegen-Wittgenstein eignet sich deshalb so gut für die anfänglichen Tests, da das Gebiet so weitläufig ist und gerade außerhalb liegende Orte schlecht an das Verkehrsnetz angebunden sind“, meint Stein.

Unbekannte Technologie

Um die älteren Menschen an die oft unbekannte Technologie heranzuführen, stellte die Uni bereits vor einem halben Jahr jedem Testnutzer ein Smartphone zur Verfügung. Seitdem finden regelmäßige Schulungen statt. Die 73-jährige Gerda Weyer war zunächst skeptisch: „Unserer Generation fällt es schwer, diese Technik zu nutzen oder sich überhaupt erst dafür zu begeistern“, klagt sie. „Schließlich sind wir nicht damit groß geworden.“

Bei Problemen helfen deshalb auch Mal die Enkelkinder. Neulich änderte sich zum Beispiel das Symbol einer App. „Die habe ich dann nicht mehr wiedergefunden.“ Inzwischen jedoch nutzt Gerda Weyer das Telefon sogar, um Urlaubsbilder auszutauschen: „Die kann ich dann vom Balkon aus anschauen. Das ist schon toll.“

Auch für Jüngere

„Sehr Mobil 100“ soll zudem zur Vernetzung untereinander dienen. Beispielsweise können sich Nutzer über gemeinsame Interessen austauschen und für den Besuch von Veranstaltungen verabreden. „Das Anbieten und Nutzen von Fahrdiensten soll keine Dienstleisterbeziehung bleiben“, erläutert Martin Stein. Deshalb werde auch keine finanzielle Entlohnung vorgeschrieben. „Die Menschen schenken sich vielleicht Blumen oder laden sich gegenseitig zum Essen ein. So entstehen dann auch Freundschaften.“

Zwar ist die App durch ihren benutzerfreundlichen Aufbau speziell auf Senioren zugeschnitten, aber auch jüngere Menschen sollen das Programm später nutzen können.