Per Mausklick durch die Klausur

Blatt und Papier werden aus dem Audimax verbannt: Ein Teil der Studenten an der Universität Siegen schreibt die Klausuren nun auf dem Laptop.
Blatt und Papier werden aus dem Audimax verbannt: Ein Teil der Studenten an der Universität Siegen schreibt die Klausuren nun auf dem Laptop.
Foto: WP
Pilotprojekt an der Universität Siegen kostet 75 000 Euro. Klausuren sollen jetzt schneller korrigiert werden. Schummeln klappt aber nicht.

Siegen.  In der rechten Ecke des PC-Bildschirms läuft die Uhr. Unerbittlich. Bleibt sie stehen, schließt sich das Programm, die Klausur der Studenten wird gespeichert und abgeschickt – wie sie gerade ist. Keine letzten Änderungen mehr, kein schnell dahingetippter Satz.

Ein neues Pilotprojekt an der Universität Siegen führt die E-Klausuren ein, also Prüfungen, die am Computer mit einem ganz bestimmten Programm geschrieben werden.

Vorher

In NRW arbeiten schon einige Universitäten mit diesem System. Die Universität Siegen kooperiert seit Februar mit der Firma Iqul, die eigens ein Programm für E-Klausuren entwickelte. Auf 200 Geräten der Universität ist das schon installiert. 75 000 Euro wurden dafür in die Hand genommen.

Schon mit dem Programm Moodle versuchte die Universität, Prüfungen zu digitalisieren, allerdings war Moodle eine Lernplattform die in erster Linie nichts mit den Klausuren zu tun hatte. Das neue Programm hat einen eigenen Server und die PCs der Universität sind in ein geschlossenes WLAN-Netz eingewählt, sodass die Studenten sich ganz auf die Klausur konzentrieren können.

„Bringen die Studenten eigene Geräte mit, herrscht keine Chancengleichheit mehr“, erklärt Julia Dauwe von der Universität Siegen. Stürzt ein Laptop ab, ist es schwer, schnellen Ersatz aufzutreiben. Geräte der Universität können innerhalb von „zwei Sekunden ersetzt werden.“

Währenddessen

Im Audimax der Universität ist es still. Kein Gemurmel, kein letzter Informationsaustausch. Niemand fragt noch nach Details. Die Studenten starren nach vorn, konzentrieren sich auf die Einführung, die Mitarbeiter der Firma Iqul halten. Die Bildschirme flimmern. Die Uhr oben rechts im Bildschirm startet. Auf den Tischen liegen Duden, manchmal stehen eine Wasserflasche oder ein Energy Drink dabei. Kein Stift, kein Papier. Die sind in der Klausur verboten. Schmierzettel können nur virtuell bekritzelt werden.

Eine Multiple Choice Frage. Sind die Studenten sich noch unsicher, können sie die Frage markieren und sie wird am Schluss der Klausur noch einmal gestellt. Lange Aufgabenstellungen werden extra angezeigt.

Nach und nach surfen die Studenten durch ihre Klausur. Jeder Klick wird gespeichert. Stürzt ein Gerät ab, sind die Antworten nicht verloren. Die Uhr läuft ab. Am Ende werden keine Minuten verschenkt.

Hat ein Student keine Computerkenntnisse, kann er sich vorher bei seinem Dozenten melden, dann wird eine Lösung gesucht. Selbst Rot-Grün Schwächen können beim Programm berücksichtigt werden.

Die letzte Klausur, die geschrieben wurde, war Medienästhetik des Klangs. 200 Studenten trugen Kopfhörer, lösten Aufgaben zu der Musik, die sie hörten. „Wir erreichen mit den E-Klausuren eine ganz neue Qualität in den Prüfungen“, sagt Björn Bowinkelmann, Sprecher der Uni Siegen.

Nachher

Auf die Klausur können am Ende die Professoren zugreifen. Bei einer Modulprüfung sind das sogar mehrere Prüfer, die zeitgleich die Klausuren korrigieren können. Studenten können also erheblich früher mit den Ergebnissen rechnen als üblich. Darüber hinaus ist die Korrektur fehlerfrei.

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