NPD-Politiker schreibt Text für das Siegerland-Kolleg

Boris Schopperund Jens Plaum
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NPD-Politiker schreibt Text für das Siegerland-Kolleg

Boris Schopperund Jens Plaum
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Siegen.  Wirbel um das Siegerland-Kolleg: Noch bevor die Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der staatlichen Weiterbildungseinrichtung erschienen ist, sorgt das Bändchen schon für Ärger. Grund ist der Beitrag von Sascha Maurer zum Einzugsgebiet der Schule.

Maurer ist seit zwei Jahren Kollegiat, will an der Hölderlinstraße sein Abitur nachholen. Zugleich sitzt er für die NPD im Siegener Rat. Zwar hat er seit langem an keiner Sitzung des Gremiums teilgenommen. Das Ratsinformationssystem jedoch weist ihn noch immer als Mandatsträger aus.

14 Seiten Statistik

Die Arbeit in der Festschrift beschäftigt sich mit der geografischen Darstellung des Einzugsgebiets des Siegerland-Kollegs. Sie ist aufgeführt im dritten Kapitel, und beschreibt mit einem weiteren Text eines anderen Autoren „Das Siegerland-Kolleg in Tabellen, Grafiken und Karten“.

„Das ist ein reiner Fachaufsatz“, sagt Kollegleiter Alfons Quast, „keine politische Abhandlung“. Der 14-seitige Text mit Grafiken und Tabellen ist das Ergebnis eines so genannten freiwilligen Projektkurses. Die Schüler arbeiten selbstständig ein Jahr lang an einem bestimmten Thema und präsentieren dann die Ergebnisse. „Viele nutzen das als Vorbereitung für das Studium“, erläutert Alfons Quast.

Grundsätzlich gelte an der Schule der „Gleichbehandlungsgrundsatz“, so Quast weiter. Mauerer habe ihm zudem zugesichert, „die ungeteilte Würde aller Menschen“ zu achten.

Kritik erntet das Kolleg unter anderem von Seiten der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). „Wir dürfen es nicht zulassen, dass sich so jemand in der demokratischen Gesellschaft versteckt“, sagt Joe Mertens.

Unter Szenekennern gilt Sascha Maurer noch immer als bekennender Neonazi. Er soll bis zu deren Ende zur Führungsriege der Freien Nationalisten Siegerland gehört haben. Von einer „Distanzierung von seinen ehemaligen Kameraden“ könne keine Rede sein. Wenn dem doch so sei, müsse er „auspacken und erzählen“, was er über gewalttätige Übergriffe Rechtsextremer in der Region wisse, fordert Joe Mertens.

Empörung und Verständnis

Im Internet reichen die Meinungen von Empörung bis zu hin zu Verständnis für das Kolleg. Auf Facebook etwa schreibt eine „fassungslose“ Nutzerin: „Wie kann man denn Sascha Maurer an einer der Festschrift mitwirken lassen?“ In einem anderen Beitrag ist die Rede von einem „Unding, die lokale Prominenz und der Ex-Kollegiat und -Bundeskanzler Schröder sind mit Grußworten vertreten, während ein Neonazi-Kader im selben Heft einen Beitrag veröffentlichen darf“.

Es gibt auch Nutzer, die die Entscheidung des Kollegs für richtig halten. Immerhin sei eine „Schule zu Neutralität verpflichtet“, schreibt einer. Eine andere Nutzerin sagt, die Schulleitung könne nichts machen, „solange sich so ein Mensch nichts in der Einrichtung zuschulden kommen lässt“.