Nordsee-Forschung: Meeresspiegel steigt pro Jahr um 1,7 Millimeter

Siegen..  Dr. Thomas Wahl von der Uni Siegen hat in seiner Doktorarbeit die Veränderungen des mittleren Meeresspiegels in der Deutschen Bucht (Nordsee) untersucht. Der Beienbacher fand anhand der erhobenen Daten heraus, dass der Meeresspiegel in diesem Bereich um circa 1,7 Millimeter pro Jahr im letzten Jahrhundert angestiegen ist.

„Wenn wir verstanden haben, was in den letzten 150 Jahren passiert ist, sind Prognosen für die Zukunft leichter und entsprechende Simulationen besser zu überprüfen“, so Prof. Dr. Jürgen Jensen, Leiter des Forschungsinstituts Wasser und Umwelt (fwu) im Department Bauingenieurwesen an der Uni Siegen. Er ist Experte in Sachen Hochwasser und hinsichtlich von Berechnungen und Prognosen den künftigen Anstieg des Mittleren Meeresspiegels und Veränderungen des Sturmflutklimas betreffend.

Wahls Ergebnisse stehen „in gutem Kontext zum globalen Mittleren Meeresspiegelanstieg“, so Jensen. Dass diese Schlussfolgerung derart exakt ausfällt, liegt an der mittlerweile stattlichen Datenmenge, die es ermöglicht, den Mittleren Meeresspiegel genau zu berechnen. So liegen zum einen sehr lange Aufzeichnungen von Tidepegeln vor, die seit Hunderten von Jahren entlang der Küste installiert sind und Wasserstandsveränderungen aufzeichnen.

Satellitengestützt

Zum anderen stehen seit Anfang der 1990er Jahre satellitengestützte Informationen zu Änderungen der Meeresoberfläche, so genannte Altimeterdaten, vor. Die Fülle an Informationen erlaubt es Wissenschaftlern heute auch, die Ursachen für die beobachteten Änderungen besser zu quantifizieren. So besitzt Wasser seine größte Dichte bei 4 Grad Celsius. Jensen: „Wenn das Wasser wärmer wird, braucht es mehr Platz.“ Steigt der Mittlere Meeresspiegel nach Berücksichtigung der Einflüsse von Wind und Luftdruck, gibt es eine direkte Ursachenverbindung zwischen Dichteeffekt und Klimaveränderung. Aber auch die Absenkung von Küsten kann zum lokalen Anstieg des Meeresspiegels führen. Ursachentrennung sei daher unabdingbar für valide Rückschlüsse.

Mit seiner ausgezeichneten Dissertation im Rücken erhielt Dr. Thomas Wahl vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt am College of Marine Science, University of South Florida. Dort beschäftigt er sich mit den Fragen, was die Beobachtung des Mittleren Meeresspiegels für Erkenntnisse liefern kann, und welche Bemessungsaufgaben beispielsweise für Küstenbauwerke daraus abzuleiten sind. Denn: Je schneller der Mittlere Meeresspiegel steigt, in umso höherem Maße sind Dörfer und Städte an der Küste gefährdet.

Gemeinsam mit acht Autoren publizierte er nun in der angesehenen Fachzeitschrift „Earth-Science Reviews“ einen Aufsatz mit dem Titel „Beobachtungen von Veränderungen des Mittleren Meeresspiegels entlang der Nordseeküste von 1800 bis heute.“ Ziel war es dabei, möglichst exakte Aussagen über die Küsten aller Anrainerstaaten inklusive des Ärmelkanals und der Übergänge zum Atlantik abzuleiten.

Die bisher erzielten Ergebnisse sollen den Anfang und die Grundlage für weitere Untersuchungen darstellen, die letztendlich helfen sollen, nachhaltige Strategien zur Sicherung der Küsten abzuleiten. Zudem müsse das nächste Ziel sein, sich die gesamte Ostsee und deren Küsten unter dem Gesichtspunkt des Mittleren Meeresspiegels anzuschauen, so Jensen.

 
 

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