Norbert Röttgen spricht in Netphen überwiegend CDU-Freunde an

Michael Kunz
Norbert Röttgen in Netphen: Sein Wahlkampf sprach überwiegend nur die eigenen CDU-Freunde an. Foto: Michael Kunz
Norbert Röttgen in Netphen: Sein Wahlkampf sprach überwiegend nur die eigenen CDU-Freunde an. Foto: Michael Kunz
Norbert Röttgen hat sich im Siegerland angekündigt – und (fast) alle sind gekommen. Die Landtagskandidaten Jens Kamieth und Monika Brunert-Jetter, Volkmar Klein (MdB), viele CDU-Mitglieder aus Netphen und Wilnsdorf. Auch der Landrat ist dabei. Seniorenunion und JU haben Stände aufgebaut, dazu gibt es Bratwurst vom Rind und vom Schwein. Der Petersplatz ist fest in Unionshand. Was ein wenig fehlt, sind die „normalen“ Bürger.

Netphen. Obwohl die es eigentlich sind, die der Spitzenkandidat ansprechen will, wenn er von einer „entscheidenden Richtungswahl“ spricht. Wenn er ein vernichtendes Urteil über die Noch-Regierung fällt, die den „Geburtsfehler“ gehabt habe, von den Linken abhängig zu sein. Die als einzige in Europa gegen die Schuldenbremse sei und aus der einstigen Lokomotive NRW ein Empfängerland im Finanzausgleich gemacht habe.

Norbert Röttgen wird oft als unnahbar und steif charakterisiert, wirkt oft sehr zurückhaltend und einen Tick zu sanft und freundlich. Er hat seine Lektion offenbar gelernt, geht die Schlussphase des Wahlkampfes kraftvoll und kämpferisch an. Für seine Verhältnisse jedenfalls. Aber erreicht eben überwiegend nur die eigenen Anhänger. Die applaudieren dafür kräftig.

Wachsendes Selbstbewusstsein im Wahlkampf zu spüren

Sie sei auf jeden Fall von ihm überzeugt, sagt Zana Ramadani, JU-Vorsitzende aus Wilnsdorf. Die angehende Juristin hat Röttgen im Rahmen des Mentoring-Programmes der Frauen-Union das erste Mal persönlich getroffen. Das habe sie überzeugt, betont sie. Vorher, aus der Entfernung, habe sie ihn auch „als ein wenig unnahbar“ empfunden. Hannelore Kraft habe in der Hinsicht wohl weniger Probleme, das sei vielleicht eine Frage des Images, „und sie ist natürlich auch eine Frau“.

„Die Leute sind im Garten oder beim Einkaufen“, hat eine ältere Dame eine Erklärung, warum so wenige Bürger den Weg zum Petersplatz gefunden haben. Die CDU-Mitglieder hören derweil, wie Röttgen mit wachsendem Selbstbewusstsein einen Teil seines Kabinetts vorstellt und immer wieder auf Verantwortung für die Zukunft pocht, mit der die Regierung Kraft so gar nichts am Hut habe. Norbert Röttgen dankt ausdrücklich der Aufbauarbeit der Senioren, von denen viele auf den Bänken sitzen.

Zustimmung für Klagen aus Südwestfalen 

Die Babyboomer, „meine Generation“, hätten das Geleistete verbraucht und 40 Jahre auf Pump gelebt, posaunt Norbert Röttgen. Damit müsse Schluss sein. Für die neue Generation, „für Dich“, spricht er ein kleines Mädchen direkt an. Später wird er erfahren, dass Emma aus Obersdorf stammt und dort nicht eingeschult werden kann, weil keine Klasse zustande kam. „Was ist zu tun?“, fragt der Bundesminister nun Volkmar Klein, muss aber schnell erkennen, dass es keine schnelle Lösung gibt.

Trotzdem ist die Stimmung gut. Monika Brunert-Jetter hat schon zuvor darauf hingewiesen, dass der Petersplatz einmal ein gutes Omen für eine Wahl war, „2005, als Friedrich Merz hier war“. Und sie klagt, dass die Landesregierung all die alten Missstände von Rot-Grün neu installiert habe. Fördermittel flössen nur ins Ruhrgebiet, Südwestfalen werde benachteiligt. Der Spitzenkandidat stimmt zu. Viele wüssten tatsächlich nichts über die Wirtschaftskraft der Region.

Dann geht es für Röttgen noch kurz in die Kapelle. Da hat Manfred Schröder vor Jahren schon einmal einen anderen Norbert begrüßen können. Norbert Blüm. Der ist allerdings nie Ministerpräsident geworden.