Neue Suche nach Weg für Wasserleitung nach Wittgenstein

Foto: WR

Netphen..  Nach einem halben Jahr Schockstarre wird das heiße Eisen wieder angefasst: Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein möchte mit der Suche nach einem Weg für die zweite Wassertransportleitung nach Wittgenstein weiterkommen.

Im Januar war er von der Stadt Netphen ausgebremst worden. Ausgerechnet der erst zwei Jahre zuvor auf dem Damm der Kleinbahn angelegte Radweg zwischen dem Naturschutzgebiet Auenwald und dem Deuzer Weiherdamm hätte für den Leitungsbau wieder aufgerissen werden müssen.

Im Ältestenrat, in dem sich die Netphener Verwaltungsspitze und die Vorsitzenden der Ratsfraktionen regelmäßig unter Ausschluss der Öffentlichkeit austauschen, hat Dirk Müller, Geschäftsführer des Wasserverbandes, nun einen neuen Vorschlag unterbreitet. Details möchte Müller noch nicht nennen – und auch Bürgermeister Paul Wagener weiß, dass die Realisierung noch nicht gesichert ist: „Es kommt darauf an, dass sich der Rat damit anfreundet.“ Vorher werden nun die Fraktionen beraten.

Umweg wäre 100 000 Euro teurer

Jahrelang hatte die Stadt Netphen sich um den Bau eines neuen Radweges zwischen Netphen und Deuz entlang der L 729 bemüht — da, wo auch die erste Wasserleitung nach Wittgenstein liegt. 2009 ging dann alles ganz schnell: Die Trasse der stillgelegten Bahn stand zur Verfügung, das Land hatte ein Förderprogramm für die Neunutzung von Bahnstrecken, insgesamt 520 000 Euro flossen nach Netphen, um die 2,3 Kilometer lange Lücke im 36 Kilometer langen „Netpher Radring“ zu schließen.

Irgendwann in diesen wenigen Monaten zwischen Planung und Bau kommt der Wasserverband auf dieselbe Idee und entdeckt den Bahndamm ebenfalls: Dort und nicht unter dem alten, kaum noch passierbaren Rad- und Wanderweg am Hang ließe sich die Wasserleitung viel günstiger verlegen. Wer zuerst da war oder ob jemand nicht aufgepasst hat, möchte inzwischen niemand mehr genau aufklären.

Mit ihrem spontanen Nein konnte die Stadt Netphen allerdings nicht glücklich werden: 100 000 Euro teurer würde die Waldtrasse für die Leitung — dabei sind in den Vergleich die Kosten für die Wiederherstellung des Radwegs auf dem Bahndamm schon eingerechnet. Und die Netphener würden das mitbezahlen: über den Wasserpreis.

Radler können weiterfahren

Dirk Müller wirbt für einen Kompromiss, der Stadt und Wasserverband ganz nebenbei auch aus der Schusslinie des Bundes der Steuerzahler bringen würde: Die Leitung bediene schließlich nicht nur Wittgenstein und die beiden hessischen Gemeinden Biedenkopf und Breitenbach. „Wir verbessern auch nachhaltig die Versorgungssicherheit für Netphen und Wilnsdorf“, betont der Geschäftsführer des Wasserverbandes. Auch das Horrorszenario der Touristiker soll weggewischt werden: Der Netphener Radring wird während der Bauzeit nicht unterbrochen, verspricht Dirk Müller. „Fahrradverkehr wird die ganze Zeit möglich sein.“

 
 

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