Neue Siegener Beiträge herausgegeben

Das Jahrbuch für regionale Geschichte der Geschichtswerkstatt Siegen versammelt Beiträge zu historischen Themen rund ums Siegerland, etwa das Ballhaus am Unteren Schloss als Theatersaal.
Das Jahrbuch für regionale Geschichte der Geschichtswerkstatt Siegen versammelt Beiträge zu historischen Themen rund ums Siegerland, etwa das Ballhaus am Unteren Schloss als Theatersaal.
Foto: Stadtarchiv Siegen
Die Geschichtswerkstatt Siegen hat das 18. Jahrbuch für regionale Geschichte, die „Siegener Beiträge“, herausgegeben. „Ein bunter Themenstrauß“, freut sich Ludwig Burwitz, Autor und Leiter des Stadtarchivs.

Siegen..  Kein Themenschwerpunkt, sondern was die Autoren interessiert – und was Siegerländer interessieren könnte: Die Geschichtswerkstatt Siegen hat das 18. Jahrbuch für regionale Geschichte, die „Siegener Beiträge“, herausgegeben. „Ein bunter Themenstrauß“, freut sich Ludwig Burwitz, Autor und Leiter des Stadtarchivs. Im Band geht es um Nachhaltigkeit, die Anfänge des Schauspiels in Siegen, die Franzosenzeit und Fachwerkhäuser. Was man in der Region kennt und so noch nicht kennt.

Der Geschichtsband

Das Jahrbuch soll Mitgliedern der Werkstatt immer auch Publikationen ermöglichen; gleichzeitig den eingesessenen Heimatforschern – obwohl sie das Wort nicht gern hören – durch Gastbeiträge auswärtiger Autoren die unverstellte Perspektive von außen sicherstellen. „Ein bisschen brät man ja im eigenen Saft“, gibt Burwitz zu.

500 Exemplare mit je 256 Seiten sind ab sofort für 22 Euro im Buchhandel, im Stadtarchiv im Krönchen-Center und bei den Mitgliedern des Vereins erhältlich. Kontakt unter info@geschichtswerkstatt-siegen.de

Die Wanderschauspieler

Bei seinen Recherchen zur Siegener Theatertradition stieß Ludwig Burwitz auf eine Provinzposse: 1808 kam die Theatertruppe Heinrich Reinhards in die Stadt. In drei Monaten kamen 4000 Besucher zu den Vorführungen im Ballsaal des Unteren Schlosses – ein triumphaler Erfolg, immerhin zählte Siegen damals nur 3700 Einwohner. Die Administration sah das Gastspiel skeptischer als die Bevölkerung: „Laut Akten warf die Bürokratie den Theaterleuten Knüppel zwischen die Beine“, sagt Burwitz.

1811 sollte der Triumph wiederholt werden – wieder war die Verwaltung dagegen. „Die Bürokratie suchte Vorwände, die Genehmigung abzulehnen“, so Burwitz. Theaterchef Reinhard war ein Sturkopf, warb provokant mit dem illuminierten Theater – und tatsächlich geriet ein Papierfetzen in Brand, schließlich gab es keinen Strom.

Zwar passierte nichts, aber die Bürokratie hatte ihren Vorwand. Um ein Haar sei ein Stadtbrand ausgebrochen, so die Beamten – die größte Furcht einer Stadt aus Fachwerkhäusern. Seine Truppe verließ Theaterdirektor Reinhard, er gab eine letzte Vorstellung mit seiner Familie, um Siegen ohne Schulden ehrenvoll verlassen zu können.

Die Fachwerkhäuser

Ausgangspunkt der eigenen Forschung von Bernd Plaum, Vorsitzender des Vereins, sind die Siegerland-Fotografien Bernd und Hilla Bechers: Stile, vertikale Balken, wurden über die Jahre länger; Riegel, horizontale Balken, weniger. „1790 verfügte man, Fachwerkhäuser holzsparend, also riegellos zu bauen“, so Plaum. Angeblich herrschte Holznot.

Das ist aber nicht die Ursache dafür, dass die Becher-Häuser (gebaut 1870 bis 1930) kaum Riegel haben: „Vielmehr ist sind die Häuser statisch und bautechnisch optimiert“, erklärt Plaum. Es sollte kostengünstig, in möglichst viel Eigenleistung gebaut werden – je weniger Schreinerarbeiten, desto besser. Zwar waren die Bauherren (Klein-) Grundbesitzer, gehörten aber eher dem unteren Mittelstand an – da sparte man sich lieber teure Fachkräfte.

Willi Busch, der Schauspieler

Der Willi Busch

Alle Publikationen zu den Gebrüdern Busch der letzten Zeit sind bei der Geschichtswerkstatt erschienen. „Die Buschbrüder waren eine feste Größe – als Musiker“, sagt Bernd Plaum. Autor Jürgen Schaarwächter richtet in seinem Beitrag über Willi Busch (1893-1951) den Fokus auf den einzigen Schauspieler der Familie. „Willi Busch war zu seiner Zeit sehr bekannt, geriet aber mit den Jahren etwas ins Hintertreffen im Vergleich zu seinen Brüdern“, erklärt Plaum.

Die Gerlachsburg

Warum heißt die Gerlachsburg Gerlachsburg? Die Anlage bei Netphen wurde im frühen 13. Jahrhundert aufgegeben und bis dahin hatte kein Graf Gerlach dort geherrscht. Christian Brachthäuser hat eine Erklärung: Er verfolgte das Verwandtschaftsgeflecht zwischen Haus Nassau, Siegener Adel und Erzbistum Mainz, wo eine Erklärung für das Namenspatronat liegen könnte: Der erste Mainzer Erzbischof aus dem Hause Nassau hieß Gerlach I. Graf zu Nassau-Wiesbaden-Idstein.

 
 

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