Neue Autobahnkirche an der Sauerlandlinie bei Wilnsdorf

Die neue Autobahnkirche Siegerland bei Wilnsdorf an der A45 von innen.
Die neue Autobahnkirche Siegerland bei Wilnsdorf an der A45 von innen.
Foto: Ralf Rottmann
Die 40. deutsche Autobahnkirche wird am 26. Mai an der Sauerlandlinie in Wilnsdorf eröffnet. Sie liegt auf einem Hügel neben einem Lkw-Parkplatz, zwischen Werbesäulen und Burger King - alles andere als idyllisch also. Das außen kalte, abstrakte Bauwerk ist in seinem Innern jedoch überraschend anders.

Wilnsdorf.. Viermal sind sie von Siegen aus rechter Hand zu sehen, fährt man die Sauerlandlinie Richtung Frankfurt: zwei spitze weiße Dreiecke, die in den Himmel ragen. Sie wirken mehr wie ein Zeichen als wie ein Bau, so merkwürdig abstrakt. Und genau so ist das gedacht: Für die 40. deutsche Autobahnkirche hat das Frankfurter Architekturbüro Schneider und Schumacher einfach dem weißen Piktogramm auf dem blauen Hinweisschild eine dritte Dimension mitgegeben.

Wobei es ganz so einfach nicht war: „Die erste Baufirma hatte ein günstiges Angebot gemacht, aber war der technisch anspruchsvollen Konstruktion dann nicht gewachsen“, sagt Architekt Michael Schumacher: „Das hat uns ein Jahr gekostet.“ 2008 machte der Burbacher Unternehmer (und studierte Architekt) Hartmut Hering mit seiner Frau in einer süddeutschen Autobahnkirche eine Pause, als ihm die Lücke deutlich wurde, die zwischen Münster und Wiesbaden klafft: kein Ort der Ruhe und geistigen Einkehr auf der wichtigen Nord/Süd-Verbindung. Für einen solchen böte sich das Siegerland doch an, dachte er. So entstand ein Förderverein, der 1,5 Millionen Euro an privaten Spenden einsammelte und völlig ohne öffentliche und kirchliche Hilfe ein ambitioniertes Bauwerk errichten ließ, das am 26. Mai feierlich eröffnet wird.

Standort zwischen Werbesäulen und Burger King

Das Grundstück stellte die Gemeinde Wilnsdorf zur Verfügung, auf einem Hügel nahe der Autobahn, am Rande des Autohofs neben einem Lkw-Parkplatz und einem sehr zweckmäßigen Hotel, zwischen großen Werbesäulen und Burger King. Alles andere als ein Idyll also. Aber genau das inspirierte die Frankfurter Architekten, die 2009 den ausgeschriebenen Wettbewerb gewannen: „Wir wollten der spröden, profanen Umgebung ein kaltes, abstraktes Bauwerk gegenüberstellen.“ Und im Inneren das Gegenteil: Eine wabenartige, gerundete Holzkonstruktion vermittelt Wärme und Geborgenheit, über Glasflächen in den beiden Spitztürmen trifft das Licht indirekt den Raum und bestrahlt direkt das schlichte weiße Kreuz und den Altar.

„Wir wollen einen Raum zum Innehalten anbieten“, sagt Ute Pohl, Vorsitzende des Fördervereins, „um zu sich zu finden und zu Gott“. Christlich-ökumenisch ist die Ausrichtung, aber offen ist die Kirche, die für 50 Besucher Platz bietet, für jedermann. Angesprochen seien in erster Linie Reisende, aber man wolle auch Kontakt zu den Truckern aufnehmen und zu Motorradclubs, Gottesdienste für bestimmte Zielgruppen anbieten, kleinere kulturelle Veranstaltungen und einmal pro Woche eine Andacht, die abwechselnd von Laien und Geistlichen gestaltet werde, erklärt Pohl. Die Kosten für den Unterhalt trägt der inzwischen 100 Mitglieder starke Verein.

Kirchenbau ist der Traum eines jeden Architekten

„Wir sind stolz auf unsere Kirche, für die wir das Geld mühsam zusammengebettelt haben“, betont Hering. Die Spenden hätten sich zwischen 50 Euro und sechsstelligen Beträgen bewegt. „Das war ein langer Weg, auf dem viel Beharrlichkeit nötig war“, ergänzt Pohl. „Und nun sind wir maßlos glücklich.“ Dem kann sich Schumacher nur anschließen: „Ein Kirchenbau ist der Traum jedes Architekten, weil nicht der Zweck im Vordergrund steht. Hier konnten wir an einem bizarren Ort einen Kontrast der Welten inszenieren.“

Zur Eröffnung in knapp zwei Wochen wird dann auch Psalm 91,11 neben dem Eingang stehen: „Er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“

 
 

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