Namen und Daten aus Siegerland auf Liste des NSU

Das durch eine Explosion zerstoerte Haus der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle NSU.
Das durch eine Explosion zerstoerte Haus der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle NSU.
Foto: TA
Im Prozess um die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ist sie ein Nebenschauplatz: Die Liste mit 10 000 Namen und Adressen, die im Haus der Rechtsterroristen von der Polizei sichergestellt wurde. In dem Verzeichnis finden sich auch Namen prominenter Menschen aus dem Siegerland.

Siegerland..  Aufgelistet werden zudem politische Organisationen und Parteien, die ihren Sitz in Siegen haben.

Bei der Liste handele es sich um keinen Fahrplan für weitere Anschläge, betonte ein Sprecher des Generalbundesanwalts auf Nachfrage. „Die Gefährdungslage für Personen und Institutionen wurde von uns als sehr gering bewertet.“

Die Listen waren im Brandschutt der letzten Wohnung des Trios in Zwickau gefunden worden und weisen deutliche Spuren auf. Die Ränder sind zum Teil stark verkokelt; Namen und Adressen dennoch gut lesbar. Bei der Explosion in dem Mietshaus war ein Teil des Gebäudes weggesprengt worden. Die Explosion in der Wohnung hatte sich kurz nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ereignet. Beide waren am 4. November 2011 nach einem Sparkassenüberfall von der Polizei in einem Wohnmobil entdeckt worden. Daraufhin soll Böhnhardt erst Mundlos und dann sich selbst erschossen haben. Die Explosion wenige Stunden danach soll Beate Zschäpe verursacht haben – um Spuren zu verwischen.

Große Sammelwut

Die Daten der Adress- und Telefonlisten seien an die jeweiligen Landeskriminalämter weitergeleitet worden, um die auf dem Verzeichnis aufgeführten Institutionen zu unterrichten. Es habe seitens der Mitglieder der Terrorzelle NSU „offenbar so etwas wie eine große Sammelwut“ gegeben, sagte der Sprecher des Generalbundesanwalts.

„Wir wurden telefonisch vom Staatsschutz informiert, dass wir auf der Liste stehen und dass die Gefährdungseinschätzung gering ist“, sagte Andreas Müller, Mitarbeiter der Geschäftsstelle des SPD-Unterbezirks Siegen-Wittgenstein. „Wir waren hier eigentlich nicht sonderlich beunruhigt. Es kommt immer wieder vor, dass Mandatsträger Drohungen aus dem rechten Spektrum erhalten.“ Auch der Kreisverband der Grünen Siegen-Wittgenstein und das Büro der Grünen Stadtratsfraktion taucht auf der Adress-Liste auf.

Breuer, Remmel und Co.

Neben zumindest einem Geistlichen aus dem Siegerland und einem ehemaligen Beamten der Staatsanwaltschaft Siegen stehen auch Politiker aus der Region auf der Liste: Johannes Remmel (Grüne) und der heutige Landrat Paul Breuer. Dass die NSU-Terroristen überfordert waren, ihre umfassende Adressdatei ordentlich zu pflegen, zeigt die Funktionsbeschreibung Breuers – geführt wird er nämlich als Mitglied des Deutschen Bundestags.

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