Nackte Haut an der Uni Siegen gegen Tiermissbrauch

Hendrik Schulz
Das Anliegen der Aktivisten: Tieren nicht an Universitäten einsetzen.
Das Anliegen der Aktivisten: Tieren nicht an Universitäten einsetzen.
Foto: WP
Der Tierschutzverein Peta will an der Uni Siegen auf Versuche an Tieren in Lehre und Forschung aufmerksam machen.

Siegen. Simona Hinz liegt in grauer Unterwäsche auf einem Tapeziertisch. Wer Tiere schützen will, braucht ein dickes Fell. Nicht selten werden Aktivisten bepöbelt und beschimpft – oder ignoriert. Außerdem ist es oft kalt. So wie an diesem Mittwoch auf dem Haardter Berg. Der Wind pfeift, ab und zu nieselt es, grundsolide 11 Grad zeigt das Thermometer.

Bepöbelt wird Hinz nicht, beschimpft auch nicht, aber es schert sich auch kaum jemand um das, was Hinz und Winfried Wagner da am AR-Campus der Uni Siegen tun: Sie protestieren gegen Tierversuche, meist an Mäusen, zu Lehr- und Forschungszwecken. Die dritte im Bunde ist Alena Thielert, „Aktionskoordinatorin“ bei Peta Deutschland. Sie sagt: „Übungen an Tieren, ob tot oder lebendig, sind unnötig. Es gibt Präparate, die den Zweck genauso erfüllen.“

Simona Hinz, mit Andeutungen einer Maus-Kostümierung bekleidet und entsprechend geschminkt liegt auf dem „Seziertisch“, während Winfried Wagner, den sie natürlich „Winnie“ nennt, mit einer großen Klistierspritze an ihrem Bauch herumfuhrwerkt. Die Peta-Version eines Tierversuchs?

Viel Haut, viel Ehr

Der Verein ist berühmt-berüchtigt dafür, mit viel nackter Haut für seine Anliegen zu werben, seine Währung ist größtmögliche Öffentlichkeit. Das mit der nackten Haut mache ihr nichts, sagt Hinz, die eigentlich Werkstoffprüferin ist, so bekomme man halt mehr Aufmerksamkeit. Ein bisschen Überwindung gehöre dazu, aber sie weiß ja, warum sie das tut. Viel Haut, viel Ehr, sozusagen.

Ein Bus hält quietschend an der nahen UX-Haltestelle und spuckt einen Schwall Studenten aus. Die gucken zwar, während sie an Hinz und Wagner vorbeiziehen, verringern aber nicht ihr Tempo. „Was wird das, wenn’s fertig ist?“, fragt einer. Alena Thielert setzt zum Erklären an, aber der junge Mann will lieber weiter.

34 tote Tiere pro Semester

Genehmigt hat die Uni die Aktion nicht, lässt die Aktivisten aber gewähren. „Wir haben von Studierenden die Info erhalten, dass hier an Tieren geübt wird“, sagt Alena Thielert. Pressesprecher André Zeppenfeld, der sich das ganze freundlich-distanziert anschaut, sagt, dass pro Semester 17 tote Fische und 17 tote Mäuse im Grundkurs Zoologie seziert würden, gekauft bei einer Zuchtanstalt, die die Tiere professionell tötet. Für höhere Semester sei im Fach Tierphysiologie auf Computersimulationen umgestellt worden, etwa wenn es darum gehe, Muskelkontraktionen bei Fröschen zu untersuchen.

Gegen 11.30 Uhr strömen die Studenten aus den Hörsälen und Seminarräumen, treffen sich vor der Mensa, quatschen, rauchen, trinken Kaffee. Alena Thielert und Winfried Wagner packen zusammen, Simona Hinz wirft sich eine Kapuzenjacke über. Ihre Zeit ist um, ausgerechnet jetzt, sie fahren nach Aachen weiter, für die nächste Aktion. Sie sind alle Idealisten, die Tierschutzaktivisten, auch wenn die Resonanz heute nicht so hoch war.

Menschen zum Nachdenken bringen

Klar wär’s schöner gewesen, wenn mehr Gespräche entstanden wären, „aber wenn sich nur einer Gedanken macht“, sagt Simona Hinz, dann habe sich das Ausziehen doch gelohnt. Viele Menschen hätten das Thema halt nicht auf dem Schirm, und vielleicht haben sie jemanden zum Nachdenken gebracht.

Simona Hinz macht sich auf den Heimweg. „Hab’ heut Spätschicht“, sagt sie.

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