Nach Einsturz des Kölner Stadtarchivs lagern Akten im Siegerländer Exil

Freudenbergs Stadtarchivar Detlef Köppen mit Archivgut aus Köln
Freudenbergs Stadtarchivar Detlef Köppen mit Archivgut aus Köln
Foto: hn
Ein knapper Kilometer Kölner Geschichte befindet sich seit Sommer 2009 im Siegerländer Exil: 300 Regalmeter hat Freudenberg nach Einsturz des Kölner Stadtarchivs in Obhut genommen, weitere 500 Meter Kartons hütet das Siegener Stadtarchiv.

Freudenberg/Siegen.  Das Desaster von Anfang März 2009 stellte die Stadt am Rhein vor große Probleme: Tonnenweise unter Schlamm und Schmutzwasser verschüttete und mühsam geborgene Dokumente galt es vor der endgültigen Zerstörung zu retten. In der Not sprangen 20 Städte in Deutschland – zwischen Schleswig und Freiburg – der Rhein-Metropole bei und boten Asyl: So rollten im August desselben Jahres Lastwagen voller Paletten mit mehr oder weniger angegriffenen, historisch bedeutsamen Urkunden auch nach Freudenberg und Siegen.

Freudenberg hat mit dem Kölner Stadtarchiv eine Vereinbarung abgeschlossen, die Archivalien bis zum Jahr 2016 zu lagern. Etwa zwei Mal im Jahr bekam Stadtarchivar Detlef Köppen seit 2009 Besuch von Experten, die sich über den Zustand des Materials informierten. Dazu gehörten auch der frühere Präsident des Bundesarchivs, Dr. Hartmut Weber, oder ein vom Landgericht Köln beauftragter Schadensgutachter, der bestimmen sollte, wie hoch der Aufwand sein wird, um die in Freudenberg vorhandenen Dokumente wiederaufzuarbeiten.

Immer wieder fanden sich auch Mitarbeiter des Kölner Archivs ein, um zu sichten, was sich in den rund 2000 Kartons befindet, die in Freudenberg bei idealen Raumklimabedingungen verwahrt werden. Der Zustand der spätmittelalterlichen Rechnungen oder der Unterlagen des Stadtmilitärs von Köln ist dabei nicht der schlechteste. In Siegen lagern Mühlenbücher aus der frühen Neuzeit des 16. Jahrhunderts und viele Tondokumente, bedauerlicherweise auch in Form von „zerbröselten“ Schellackschallplatten, wie es ein Mitarbeiter des Stadtarchivs beschreibt.

Hauptarbeit wird sein, die einstmals perfekt geordneten Akten wieder in das Gesamtarchiv zu reintegrieren, dessen Wiederaufbau am Eifelwall erfolgt und 2018 fertig sein soll. Ein Jahr wird für das Einräumen gerechnet, sodass das Archiv 2019 zur Verfügung steht.

Derzeit läuft die große Rückholaktion an. Die in Asylarchiven untergebrachten Archivalien werden zentral zusammengezogen. Wie eine Sprecherin der Stadt Köln sagte, ist dabei die Nutzung des leerstehenden Gebäudes des ehemaligen Landesarchivs NRW in Düsseldorf angedacht. Noch ist nicht entschieden, wann Freudenberg an der Reihe ist. Detlef Köppen jedenfalls hat bislang keine Signale bekommen, dass der Abzug bevorsteht.

In Siegen schon teilweise abgeholt

In Siegen allerdings, so Kölns Archivsprecher Frank Neweling, müssten die eingelagerten Dokumente im Laufe des Jahres wieder abgeholt werden. Zum Teil sind die deponierten Akten schon fortgebracht, nächste Woche wird ein weiterer Transport zurück ins Rheinland erwartet. Insgesamt sind acht Asylarchive inzwischen geräumt; perspektivisch betrifft dies mittelfristig auch alle anderen.

Für Detlef Köppen jedenfalls waren die letzten viereinhalb Jahre eine willkommene Abwechslung im ohnehin spannenden Aufgabengebiet, der Aufarbeitung von Freudenbergs Stadtgeschichte. „Beeindruckend war die fachliche Solidarität“, sagt Köppen, der überregionale Zusammenhalt der Experten, die daran arbeiten, das „Gedächtnis“ ihrer Stadt oder Gemeinde zu bewahren.

Die Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen aus Köln brachten auch den heimischen Archivaren einigen Erkenntnisgewinn. Das schlägt sich darin nieder, dass es inzwischen einen Notfallverbund gibt. Darin ist die gegenseitige Unterstützung bei Zwischenfällen geregelt, werden Fragen des Brandschutzes erörtert, oder was nach Eintritt von Wasserschäden geschehen muss. Sollte es dazu kommen, wurde ein Einsatzplan vereinbart, bei dem sich die Archivare mit Rat und Tat beistehen.