Mysteriöser Mord – Der ungelöste YOG’TZE-Fall

Foto: Manuela Nossutta
Der Siegerländer Günther S. wurde vor 30 Jahren, am 26. Oktober 1984, ermordet. Er wurde unbekleidet an der A 45 bei Hagen in seinem Auto gefunden. Wenige Stunden vor seinem Tod schrieb S. die Buchstaben YOG’TZE auf einen Zettel. Was sie bedeuten, darüber kursieren wirre Spekulationen. Bis heute ist der Fall ungeklärt.

Siegerland/Hagen. Es ist einer der rätselhaftesten ungelösten Mordfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte: Am 26. Oktober 1984 wird der arbeitslose Lebensmitteltechniker Günther S. (34) aus dem Siegerland getötet. Lastwagenfahrer finden den Mann nackt und schwer verletzt in seinem Golf I an der A 45 bei Hagen, kurze Zeit später stirbt er. Vier Stunden vor seinem Tod schreibt S. die Buchstaben YOG’TZE auf einen Zettel.„Jetzt geht mir ein Licht auf!“, ruft er seiner Frau zu, dann streicht er die Buchstaben durch.

Was könnte YOG’TZE bedeuten? Ermittler, Kryptologen und Verschwörungstheoretiker rätseln. Bis heute. Der Mord an Günther S. jährt sich am Sonntag zum 30. Mal. Er war 1985 auch Thema der Fernsehsendung Aktenzeichen XY.

Der Fall in Kürze

Günther S. soll sich schon Wochen zuvor verfolgt gefühlt haben. Am 25. Oktober, einem Donnerstag, ruft er um 23 Uhr seiner Ehefrau im Wohnzimmer zu: „Jetzt geht mir ein Licht auf!“.

S. schreibt YOG’TZE auf ein Blatt Papier und streicht die Buchstaben sofort wieder durch. Dann macht er sich auf den Weg in die damalige Gaststätte Papillon nach Wilnsdorf, unweit seines Wohnorts. Er bestellt ein Bier, fällt ohne Vorzeichen vom Barhocker. Zum Wirt sagt er, er sei plötzlich weggetreten gewesen. S. verlässt die Kneipe und fährt mit seinem hellblauen VW Golf I weg. Gegen 1 Uhr taucht er im zehn Kilometer entfernten Haiger-Seelbach bei einer Bekannten auf. Der religiösen älteren Frau teilt er mit, dass ein „fürchterliches Ereignis“ in dieser Nacht bevorstehe. Die Rentnerin will S. um diese Uhrzeit nicht ins Haus lassen.

Er setzt sich ins Auto und fährt davon. Dann verliert sich seine Spur. Für zwei Stunden. Gegen 3 Uhr entdecken zwei Lastwagenfahrer ein Auto in einem Graben an der A 45 kurz vor der Ausfahrt Hagen-Süd. Es ist der blaue Golf von Günther S. Beide Lkw-Fahrer sagen später gegenüber der Polizei aus, sie hätten eine Person mit heller Jacke an dem verunfallten Auto gesehen. Die Trucker rufen von einer Notrufsäule die Polizei. Im Wagen liegt auf dem Beifahrersitz der blutende, schwer verletzte Günther S. Er ist ansprechbar, seine Kleidung verschwunden. Den Lastwagenfahrern soll er noch von vier Männern erzählt haben. Günther S. stirbt auf dem Weg ins Hagener Krankenhaus.

Die Ermittlungen vor 30 Jahren und der Fall bei Aktenzeichen XY 


Zunächst ist von einem Unfall die Rede. Die Obduktion der Leiche ergibt, dass Günther S. überfahren wurde – und zwar nicht an dem Ort, wo ihn die Lastwagenfahrer fanden. Günther S. wurde von einem anderen Auto an einem anderen Ort überfahren und in seinem Wagen zum Fundort an der A 45 transportiert. S. war zum Zeitpunkt, als er angefahren wurde, bereits unbekleidet. Die Buchstabenkombination YOG’TZE? Sie bleibt den Ermittlern ein Rätsel.

Aktenzeichen XY

Aktenzeichen XY berichtet am 12. April 1985 über den ungelösten Fall. „Offen ist bis heute allerdings die Frage, ob dieses Opfer, ein Mann aus einem kleinen Ort im Siegerland, konkret wusste, was er zu fürchten hatte, oder ob seine Ängste gewissermaßen aus dem Unterbewusstsein kamen“, moderiert Fernsehlegende Eduard Zimmermann mit sonorer Stimme den Beitrag an.

Das sagt die Polizei heute

Ulrich Kayser ist Leiter der Mordkommission in Hagen, die auch für das Siegerland zuständig ist. Als er die Kombination YOG’TZE hört, folgt erstmal langes Schweigen. „Jedes Jahr rufen hier zwei, drei Leuten an, die irgendwelche wirren Theorien haben“, sagt er. Zuletzt erst vor ein paar Wochen.

„Yes, oh God...“ Mehr hat sich Ulrich Kayser nicht gemerkt. „Das klaut einem die Zeit.“

DNA-Spuren an Kleidung des Opfers

Ob YOG’TZE überhaupt etwas zu bedeuten habe, sei heute völlig unklar. Dass der Mord an dem Siegerländer Günther S. noch aufgeklärt wird, daran glaubt der Ermittler nicht. Die Akte komme zwar wie alle ungelösten Mordfälle regelmäßig auf den Tisch. „Wir haben aber überhaupt keine Ansätze in dem Fall.“ Dass der Mord bereits 30 Jahre zurückliegt, habe nichts zu bedeuten, so Ulrich Kayser: „Wir haben erst zuletzt einen Fall abgeschlossen, der 34 Jahre alt war.“ Der Mord an der Hagenerin Brunhilde E.: Der Täter Dieter F. musste sich Anfang dieses Jahres vor Gericht für seine grausame Tat verantworten. Er hatte die junge Frau vergewaltigt, erwürgt und gepfählt.

Bei der Überprüfung alter Fälle waren mit einem technisch weiter entwickelten Verfahren DNA-Spuren von ihm an der Kleidung des Opfers sichergestellt worden. Verwertbare DNA-Spuren existierten im YOG’TZE-Fall jedoch nicht.

 
 

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