Musikstafette geht durchs Land

Mitglieder des Bachchores sangen reformatorische Choralsätze.
Mitglieder des Bachchores sangen reformatorische Choralsätze.
Foto: Knut Lohmann, Siegen

Siegen.. Noch fühlt sich die evangelische Kirche in der Dekade des großen Reformationsjubiläums. Und die erstarkte Rolle der Musik im kirchlichen Leben darf als einer der größten Gewinnposten aus der Reformationsbewegung gelten. So steht nun das Jahr 2012 unter dem Thema „Reformation und Musik“ – das Projekt dazu hat den schönen Titel „366+1, Kirche klingt“.

Eine Doppelseite für jede Konzertstation

Als Symbol der Verpflichtung zur Weitergabe dieses kostbaren Schatzes läuft im Schaltjahr 2012 eine musikalische Stafette durch Deutschland. Jeden Tag erklingt in einer deutschen Stadt reformatorische Musik – und zu Ostern gab es ein Sonderkonzert. Am Ostermontag fand in der St. Petrikirche zu Soest das 100. Konzert statt. Am folgenden Abend spielte KMD Ulrich Stötzel in der Siegener Martinikirche Orgelwerke, und ein Spontanchor sang Kirchenlieder in Sätzen alter Meister.

Zu einer Stafette gehört etwas, was von Station zu Station weitergegeben wird – eine Sache, die man tragen kann. Das war in diesem Fall eine Chronik, in welcher die Ausrichter auf einer Doppelseite dokumentarisch und möglichst ansprechend festhalten sollen, wie sie ihr Konzert gestaltet haben.

Der Soester Bezirkskantor Johann-Albrecht Michael brachte das schwere Buch nach Siegen, wo die Konzertbesucher es ausgiebig bewundern konnten. Und bei Stötzel lag die Pflicht, es am Folgetag nach Iserlohn zu transportieren. Soest – Siegen – Iserlohn: ein kleines Wegstück für die Chronik. 365 solcher Wege – kürzere, längere – müssen es insgesamt werden, damit das Projekt, das in Augsburg gestartet wurde, in Zittau an sein Ziel kommt.

So entsteht durch ganz Deutschland ein im Dominoprinzip verbundenes Band von Konzerten, Gottesdiensten und Soireen in offenen Kirchen. Kirche und Gesellschaft bringen im Miteinander der Musizierenden gemeinsam das kulturhistorische Gut der Reformation, ihre einzigartige Lied- und Motettensammlung, zum Klingen.

Nach der Ordnung des Kirchenjahres gibt es Leitlieder. Das war für die Woche nach Ostern „Auf, auf mein Herz, mit Freuden nimm wahr, was heut geschicht“, Text von Paul Gerhardt, Melodie von Johann Crüger aus der Endzeit des Dreißigjährigen Krieges. Das sang die kleine Hörergemeinde, nachdem das Vokalensemble des Bachchors das Lied zuvor schon in einem Satz von Johann Georg Ebeling vorgetragen und danach noch einen Chorsatz von Eccard gesungen hatte.

Stötzel spielte auf der 60-jährigen Martini-Orgel repräsentative Werke aus reformatorischem Geist von Butstedt, Scheidt und Bach.

 

EURE FAVORITEN