Monte Schlacko soll Baudenkmal werden

Florian Adam
Der Geisweider "Hausberg" - alte Schlackehalde der Edelstahlwerke - im Stadtteil Weidenau.
Der Geisweider "Hausberg" - alte Schlackehalde der Edelstahlwerke - im Stadtteil Weidenau.
Foto: Hendrik Schulz
Der Monte Schlacko, stummer Zeuge der lokalen Wirtschaftsgeschichte, befindet sich auf dem Firmengelände der Deutsche Edelstahlwerke GmbH in Geisweid. Jetzt soll er Baudenkmal werden. Der Eigentümer wehrt sich dagegen vor dem Verwaltungsgericht Arnsberg.

Geisweid.  Als die Arbeiter der Bremer Hütte die Abfallprodukte des Betriebs auftürmten, ahnten sie bestimmt nicht, zu welchen Ehren der gigantische Haufen noch kommen sollte. Unter dem Namen Monte Schlacko hat sich die weithin sichtbare Erhebung längst als Wahrzeichen etabliert. 2008 wurde das Areal Naturschutzgebiet. Und im November 2012 nahm die Untere Denkmalbehörde die „Hochofenschlackenhalde“ in die Denkmalliste der Stadt Siegen auf. Den Eigentümern machte sie damit keine Freude: Die nämlich wehren sich in zwei Verfahren beim Verwaltungsgericht Arnsberg dagegen.

Der Monte Schlacko, stummer Zeuge der lokalen Wirtschaftsgeschichte, befindet sich auf dem Firmengelände der Deutsche Edelstahlwerke GmbH. Im Dezember 2012 seien die Klagen eingegangen, erläuterte Klaus Buter, Pressedezernent des Verwaltungsgerichts, auf Nachfrage unserer Redaktion. In der Klagebegründung seien drei Hauptpunkte aufgeführt.

Erstens gebe es noch weitere Halden im Besitz der Kläger – und für die könnte sich Geisweid als Präzedenzfall erweisen. Zweitens gebe es die Befürchtung, der Denkmalschutz könne erweiterte Verkehrsicherungs- und Erhaltungspflichten und damit mehr Verantwortung und Kosten bedeuten. Und drittens geht es um die Sorge, dass Widersprüche zwischen Natur- und Denkmalschutz auftauchen könnten. Es sei dabei durchaus nicht ungewöhnlich, betont Buter, dass Besitzer von Grundstücken und Immobilien nach Möglichkeit Vorgänge vermeiden wollen, die die Nutzungsmöglichkeiten ihres Eigentums einschränken.

Solche Befürchtungen teilt Heike Balzer, Denkmalschutzbeauftragte bei der Stadt Siegen, nicht. Da das Areal bereits unter Naturschutz stehe, gebe es ohnehin schon Auflagen. Und was Erhaltungsverpflichtungen anbelange, so bewirke der Denkmalschutz nicht, dass etwa abbröckelndes Material wieder auf die Halde geschaufelt werden müsse. Es würden lediglich Sicherungspflichten gelten, wie sie jeder Eigentümer habe. Der Monte Schlacko ist ein Sonderfall und einmalig, wie Balzer erklärt: „Denn im Denkmalschutzgesetz sind Schlackenhalden nicht aufgeführt.“

Einmaliger Fall in Westfalen

Zwar gebe es Halden, die unter Schutz stünden – beispielsweise in Essen. Bisher sei dies aber nur in Verbindung mit Gebäuden vorgekommen, und die Bauten der Bremer Hütte seien längst von der Bildfläche verschwunden. Es sei das erste ihr bekannte Verfahren in Westfalen, um lediglich eine Halde ohne weitere Komplexe unter Schutz zu stellen.

Dabei liegt eine weitere Besonderheit in der Frage, ob ein Hügel – der ursprünglich als, sagen wir mal, „Schutthaufen“ gen Himmel wuchs – den zur Diskussion stehenden Status erhalten kann. „Wir sehen das eindeutig als Baudenkmal“, sagt die Expertin. „Weil: Von Menschenhand erschaffen.“ Beispielsweise sei auch ein Park im Wenscht als Baudenkmal erfasst, und „so ist die Schlackehalde ebenfalls zu bewerten“. Der Unterschied liege freilich in der Entstehungsgeschichte, denn bei einem Park gebe es einen künstlerischen Anspruch. Der sei bei einem Schlackehügel nicht anzunehmen.

Dennoch geht es eben nicht nur um eine x-beliebige Schlackehalde. „Für die Bevölkerung wäre Geisweid ohne den Monte Schlacko nicht vorstellbar“, sagt die Denkmalschutzbeauftragte. Seine exponierte Lage, seine charakteristische Kegelform machten ihn schon bedeutend. Vor allem aber sei er „das letzte Relikt der Bremer Hütte“, und damit ein wichtiges Erinnerungsstück der regionalen Wirtschaftshistorie.

Gefahr für den Bestand des Hügels, etwa durch Abtragung zwecks Umnutzung der Fläche, sieht Balzer nicht. Das Denkmalschutzlabel soll eher einen psychologischen Effekt auf die Menschen haben: „Es geht um eine Bewusstmachung der Geschichte. Es gibt schließlich kaum noch Relikte aus dieser Zeit.“