Mitarbeiter verstimmt über den kirchlichen Arbeitgeber

Foto: WR

Kredenbach.. Im evangelischen Krankenhaus Kredenbach herrscht seit einigen Tagen erhebliche Verstimmung über den kirchlichen Arbeitgeber. Denn während ein neutraler Vermittler die Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen der Diakonie in Südwestfalen als Betreiber der Bernhard-Weiss-Klinik und dem Kaufinteressenten SMS Siemag vorbereitet, geht die Geschäftsführung der Diakonie arbeitsrechtlich gegen die Mitarbeitervertretung vor.

„Kirchengericht“ angerufen

Wegen angeblich „unsachlich abwertender“ Äußerungen in Zusammenhang mit dem Kaufangebot von SMS habe die Dienststellenleitung das „Kirchengericht“ angerufen, heißt es in einer Mitarbeiterinformation von Donnerstag dieser Woche. Dieses Gremium ist die Schlichtungsstelle für Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Tendenzbetrieb Kirche.

Die Geschäftsführung will demnach vom Kirchengericht feststellen lassen, dass Mitarbeitervertretung beziehungsweise deren Vorsitzender Harald Afholderbach „gegen die Grundsätze“ für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verstoßen haben. Vorgeworfen werde dem Mitarbeitersprecher, das Kaufangebot „einseitig befürwortet“ zu haben – wie im Übrigen eine Mehrheit der Krankenhausbediensteten, die durch einen Eigentümerwechsel auf Beibehaltung der Akutversorgung in der Kredenbacher Klinik hoffen.

Doch auch die Beteiligung an Aktionen sowie Organisation und Verantwortung von Aktionen, mit denen das Krankenhauspersonal seinem Unmut über die Pläne der Diakonie Luft machte, werden der Mitarbeitervertretung angelastet.

Eine mündliche Verhandlung vor der Schlichtungsstelle ist schon anberaumt: Sie soll am 22. August in Münster stattfinden. Das Kirchengericht ist dabei „erste Instanz“. Staatliche Institutionen wie die Arbeitsgerichte bleiben wegen des kirchlichen Sonderstatus außen vor.

Krankenhaus-Mitarbeiter und Kommunalpolitiker Dr. Peter Neuhaus ist empört: „Mit diesem Schritt diskreditiert sich die Diakonie endgültig.“ Die Mitarbeitervertretung habe sich seit Jahren Sorgen um die Zukunft des Hauses gemacht und sich für konstruktive Gespräche zwischen Diakonie und SMS eingesetzt – „getragen von einem öffentlichen Zuspruch, der in der Geschichte des nördlichen Siegerlandes einzigartig dasteht und sich in mittlerweile über 14 000 Unterschriften manifestiert“ (Neuhaus). Er befürchtet, dass durch das rigide Vorgehen des kirchlichen Arbeitgebers gegen die Mitarbeitervertretung deren Vorsitzender „zum Schweigen“ gebracht und die Mitarbeiter „so verängstigt“ werden, „dass niemand mehr seine Stimme für die Zukunft dieses Krankenhauses erheben“ werde.

Die Diakonie in Südwestfalen nahm am Freitag keine Stellung zu den Vorgängen.

 
 

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