Mit Opa durch das Gambachtal

Illustrationen des Österreichischen Künstlers Erich Kykal
Illustrationen des Österreichischen Künstlers Erich Kykal
Foto: WP

Freudenberg..  Früher ist Christine Dörnbach mit ihrem Opa durch die Wälder im Gambachtal gestreift. Ihr Opa Waldemar war für jeden Spaß zu haben und erzählte ihr jede Menge über die Natur und das Leben. „Er war einfach ein Bilderbuch-Opa“, sagt die 26-jährige gelernte Werbekauffrau, die heute in Wiesbaden lebt. Deshalb hat sich die junge Frau irgendwann hingesetzt und ein Vorlesebuch geschrieben. Vollgepackt mit den vielen Erinnerungen an einen besonderen Menschen.

Warum ist ihr Opa ein Bilderbuch-Opa?

Weil er auch mit fast 80 noch in der Lage war, auf mich als Kind einzugehen. Ich bin die älteste von zwei Schwestern, da war immer viel los. Aber sobald ich durch den Garten zu Opa gelaufen bin, stand ich im Mittelpunkt. Das fand ich einfach schön. Außerdem hat er jeden Blödsinn mitgemacht. In einer Geschichte, meine Lieblingsgeschichte im Buch, waren Opa und ich zum Beispiel Moderlieschen fischen. Als Kescher haben wir Omas Nudelsieb genommen. Das war fast 20 Jahre lang unser Geheimnis. Erst jetzt habe ich es meiner Oma, sie ist heute 91 Jahre, erzählt. Das Plastiksieb gibt es heute noch.

Worum geht es in dem Vorlesebuch?

Die Geschichten sind autobiografisch und spielen zum großen Teil im Gambachtal. Ich erzähle von den Abenteuern der sechsjährigen Tine mit ihrem Opa. Zum Beispiel wie die beiden im Herbst durch einen Hohlweg laufen, das wird richtig gruselig, oder auch als der Opa im Winter krank wird, und Tine sich große Sorgen macht. Natürlich mit einem kindgerechten Ende.

Also können die Kinder in Ihrem Buch auch etwas lernen?

Auf jeden Fall, aber das soll eher unbewusst geschehen. Der Opa erklärt zum Beispiel jede Menge über die Natur. Was Gelbrandkäfer sind oder wie ein Bachlauf funktioniert. Für mich war es auch immer das Tollste, mit Opa raus zu gehen. Dieses Gefühl möchte ich weitergeben. Außerdem finde ich das Vorlesen als Ritual sehr wichtig.

Worauf muss man denn achten, wenn man ein Buch für Kinder schreibt?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Bei dem Buch handelt es sich um ein Vorlesebuch, deshalb habe ich auf schöne Wörter und starke Beschreibungen geachtet, damit sich die Kinder alles gut vorstellen können. Die Sprache darf nicht zu einfach sein, die verwendeten Sprachbilder aber auch nicht zu abgehoben.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Kinderbuch zu schreiben?

Das war gar nicht so schwer. Ich schreibe gern und viel. Als Fingerübung fing ich an, meine Erlebnisse aufzuschreiben. Mit Opa habe ich jede Menge erlebt und die Geschichten sind mir alle in Erinnerung geblieben. Die Idee, daraus ein Vorlesebuch zu schreiben, lag dann plötzlich ganz nah. Irgendwann habe ich angefangen, die Geschichten zu strukturieren und kindgerecht aufzubereiten.

Möchten Sie mit dem Buch auch Geld verdienen?

Nein, davon gehe ich zunächst nicht aus. Aber vielleicht bekomme ich so einen ersten Fuß in die Tür zum Autorengeschäft. Derzeit arbeite ich schon an einem Jugendroman. Es war auch zunächst nicht so leicht, einen Verlag zu finden. Ich musste viele Klinken putzen, habe viele Manuskripte verschickt und vergeblich in den Briefkasten geschaut. Eine Lektorin gab mir den Tipp, es bei einem kleineren Verlag zu versuchen. Der Papierfresserchenverlag unterstützt junge Autoren wie mich und wird mein Buch veröffentlichen, dafür benötige ich allerdings 150 Vorbestellungen. Die Hälfte habe ich schon. Auch das ist bei uns eine Familiensache. Mein Papa macht ordentlich Werbung.

Sie erzählen in Ihren Geschichten so liebevoll über das Siegerland. Was vermissen Sie denn fern der Heimat am meisten?

Riewekoche und Blutwurst. Das glaubt mir ja keiner in Wiesbaden. Aber Blutwurst ist so lecker, vielleicht auch, weil es eine Erinnerung an meinen Opa ist. Er hat mir immer heimlich, ein paar Stückchen zugeschoben.

 
 

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